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Gedanken des Diessenhofer Künstlers Carl Roesch

Kunsthistorikerin Tildy Hanhart hat im Atelier Carl Roesch in Diessenhofen Texte aus den zahlreichen Tagebüchern des berühmten Malers gelesen, die allerlei persönliche Gedankengänge aufzeigen.
Thomas Brack
Helga Sandl, Kuratorin des Museums Kunst + Wissen, überreicht Kunsthistorikerin Tildy Hanhart einen Blumenstrauss. (Bild: Thomas Brack)

Helga Sandl, Kuratorin des Museums Kunst + Wissen, überreicht Kunsthistorikerin Tildy Hanhart einen Blumenstrauss. (Bild: Thomas Brack)

Tildy Hanhart hat es verstanden, den rund 40 Besucherinnen und Besuchern einen Einblick in das spannungsreiche Innenleben des Künstlers zu gewähren. Die von ihr ausgewählten Ausschnitte mit den darin enthaltenen Themen und Epochen bezeugen den Spagat, den Carl Roesch (1884-1979) oft zwischen Auftragsarbeiten und eigenem Schaffen bewerkstelligen musste.

Exemplarisch seien die Renovationsarbeiten an den berühmten Renaissance Fresken am «Haus zum Ritter» in Schaffhausen erwähnt, meinte Hanhart am Montagabend im Atelier Carl Roesch hoch über dem Rhein.

Sollte der Maler zwei Jahre seines künstlerischen Schaffens dem «Ritter» opfern? Zugleich fürchtete er sich vor der Herkulesaufgabe, all die Gewänder, Falten, Menschen naturgetreu wiederzugeben. Doch als Sieger aus den Bewerbern hervorgegangen zu sein, erfüllte ihn auch mit Stolz.

Wie hat der Maler darum gerungen, die Fresken in alter Frische wieder strahlen zu lassen. Nur schon das Auffrischen der Fleischfarben von Figuren wie der Kirke, der Tochter des Sonnengottes Helios, erforderte ein aufwendiges Tüftlen und Probieren verschiedener Farben.

Bevorstehender Krieg zerrt an seinen Nerven

Carl Roesch stellte höchste Ansprüche an sich selber: «Ich könnte alles besser machen», hat er einmal notiert. Ebenso zerrte in jenen Augusttagen 1939 der drohende Ausbruch des Weltkriegs an den Nerven des Malers. Er notierte in sein Tagebuch:

«Man freut sich über jeden Tag, an dem noch kein Krieg ausbricht.»

Als dann am 9. September der Vorhang über seinem Werk fiel, war der Applaus überwältigend. Alle – unter ihnen der legendäre Stadtpräsident Walter Bringolf – gratulierten ihm.

Doch in seine Freude über das gelungene Werk mischte sich die Sorge über den soeben ausgebrochenen Weltkrieg. Sollte er künftig weiter malen oder Hilfsdienst in der Armee leisten, die soeben mobilgemacht hatte?

Roesch entschloss sich für ersteres, um mit seiner Kunst der Barbarei zu trotzen. Eine Rückfahrt im November 1939 von der Landi in Zürich nach Diessenhofen erlebte er im verdunkelten Zug.

Von der schweren körperlichen Arbeit an den grossen Fresken und Gemälden und der damit verbundenen geistigen Anstrengung erholte sich Roesch bei Badekuren in Bad Schinznach.

Immer war er auf der Suche nach mehr Nähe zur Natur, er strebte nach Einfachheit. Vorbild darin war ihm Cézanne, der ihn mit seiner Schlichtheit und schöpferischen Kraft beeindruckte.

Ambivalentes Verhältnis zu Pablo Picasso

Zu Picasso hatte er ein ambivalentes Verhältnis. «Picasso ist Erfinder, nicht Maler», hielt er skeptisch nach einem Besuch einer Ausstellung in Paris in seinem Notizbuch fest.

Einmal von seinem Atelier auf den wallenden Nebel schauend, der den Rhein verhüllte, bis sich schliesslich Sonnenstrahlen einen Weg durch das Grau bahnten und die Natur in den herrlichsten Herbstfarben leuchten liessen, notierte der Künstler in sein Tagebuch: «Nicht die Erkenntnis ist das Ziel, sondern es sind die wunderbaren Wege dahin.»

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