Mädchen müssen zurück in die Heimat: Shut-down im Thurgauer Rotlicht-Milieu

Corona-Krise legt das horizontale Gewerbe buchstäblich flach. Die Mädchen sind froh, wenn sie einen Rückflug ergattern – eigentlich wollen sie aber lieber arbeiten.

Ida Sandl
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Shut-down im Rotlicht-Milieu. Die Mädchen müssen nun heim.

Shut-down im Rotlicht-Milieu. Die Mädchen müssen nun heim.



Bild: Sandra Ardizzone / LTA

Sie hat die Mädchen gewarnt: «Wollt Ihr wirklich kommen? Wir wissen nicht, ob wir bald schon schliessen müssen.» Doch für die vier jungen Frauen aus Ungarn war der finanzielle Druck so gross. Mit dem Bus sind sie in die Schweiz gereist. Ihr Ziel: das «La Vie» in Herdern. Am Montag hätten sie gearbeitet, sagt Inhaberin Marianne Graf. Dann verkündete der Bundesrat seinen Lockdown-Beschluss. Das war das Aus.

Acht Ungarinnen können am Freitag zurück

Die Mädchen von Marianne Graf kommen aus Rumänien und Ungarn. Mit dem Bus oder dem Zug zurück in die Heimat zu reisen, sei inzwischen nicht mehr möglich. Graf organisiert für ihre Mädchen Flüge. Es war ein zähes Suchen, jetzt ist alles geregelt.

Eine Rumänin könne am Donnerstag zurück, für die andere habe sie einen Flug am Sonntag ergattert. Acht Ungarinnen, die noch im Haus sind, könnten am Freitag zurückfliegen. Die Frauen würden nicht gerne gehen: «Sie möchten lieber arbeiten und Geld verdienen.»

Welche Welt wird das Virus zurücklassen?

Auch Marianne Graf trifft es hart. «Es geht allen gleich», sagt sie. Ihren Humor hat sie nicht verloren. «C’est la vie. So ist das Leben» steht auf der Website des Clubs und läutet die Ankündigung ein, das Etablissement sei vorübergehend zu. Verbunden mit der Botschaft an alle Kunden:

«Wir hoffen, bald wieder für Dich
öffnen zu können.»

«Geschlossen wegen des Corona-Virus», melden gerade die meisten Thurgauer Erotik-Clubs, Kontakt-Bars und Erotik-Massagesalons auf ihren Websites. Das Virus hat das horizontale Gewerbe buchstäblich flach gelegt.

Keine Einnahmen, aber trotzdem tägliche Kosten für die Infrastruktur. Bei Marianne Graf kommen jetzt noch die Rückflüge für die Mädchen dazu. Wie alle, hofft Marianne Graf, dass die Corona-Krise bald ausgestanden ist.

Doch welche Welt wird das Virus zurücklassen? Werden die Kunden so zahlreich kommen, um das finanzielle Loch wieder zu füllen? Marianne Graf ist skeptisch.

«Die haben dann vielleicht andere Sorgen.»

Oder kein Geld für einen Luxus wie die käufliche Liebe.

Die Chefin ist nur noch alleine da

Auch ein anderer erotischer Massage-Salon irgendwo im Thurgau ist geschlossen. Die Mädchen sind schon zurück in ihrer Heimat, nur die Chefin ist noch da. Sie fürchtet um ihre Existenz. Weder ihren Namen noch den des Salons noch den Ort will sie in der Zeitung sehen: «Ich habe Familie.» Sie halte sich an die Vorgaben des Bundes, mache alles, was verlangt sei.

Ob es ihren Betrieb retten wird? Sie weiss es nicht. Mit dem Vermieter habe sie schon mal eine kleine Mietreduktion aushandeln können. Immerhin. Die Zeit, bis sie wieder öffnen kann, nutzt sie jetzt für den Frühjahrsputz und eine sanfte Renovation.

«Wenn die Krise vorbei ist, soll alles schön aussehen.»