Machtmissbrauch, Mobbing, abgekartetes Spiel: die Probleme im Märstetter Gemeinderat reichen scheinbar weit zurück

In Märstetten ranken sich Gerüchte um die Gründe der Querelen innerhalb der Behörde.

Sabrina Bächi
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Das Märstetter Gemeindehaus. Seit Juni amtet dort Susanne Vaccari-Ruch als Gemeindepräsidentin.

Das Märstetter Gemeindehaus. Seit Juni amtet dort Susanne Vaccari-Ruch als Gemeindepräsidentin.

Bild: Andrea Stalder (9. Oktober 2018)

In Märstetten brodelt’s. Seit Gemeindepräsidentin Susanne Vaccari-Ruch an der Gemeindeversammlung Ende November Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat öffentlich gemacht hat, sind die Märstetter aufgeschreckt. Gerüchte von persönlichen Fehden zwischen den Ratsmitgliedern und der Präsidentin halten sich hartnäckig.

Der Märstetter Einwohner Markus Doebeli schreibt in einem offenen Brief an den Gemeinderat, es gelte die Wahl des Volkes zu akzeptieren. «Sollte mit der Wahl Susanne Vaccaris nicht jedermanns Wunschkandidatin das Rennen gemacht haben, berechtigt das niemanden, nun mit allen Mitteln gegen die Gemeindepräsidentin zu agieren», schreibt er. Er spricht von Mobbing gegen Vaccari-Ruch.

Kanton reagiert auf die Unstimmigkeiten im Gemeinderat

Aufgrund der Querelen im Gemeinderat hat sich die Märstetter Interpartei getroffen. «Wir haben uns entschlossen, in nächster Zeit das Gespräch mit der Exekutive zu suchen», sagt Ueli Fisch von der Interpartei. Auch der Kanton wurde aktiv. Andreas Keller, Generalsekretär des Departements für Inneres und Volkswirtschaft, hat mit der Behörde bereits ein Gespräch geführt. Auf Anfrage will er jedoch keinen Kommentar abgeben, da es sich um vertrauliche Informationen handle. (sba)

Die Vögel würden zudem von den Dächern pfeifen, dass bereits mit der Findungskommission versucht worden sei, Einfluss auf den Ausgang der Wahlen zu nehmen. Fakt ist: Die Kommission schlug zwei Auswärtige und den einheimischen Andreas Zuber von der SVP vor. Susanne Vaccari-Ruch wurde nicht empfohlen, obschon sie zu dieser Zeit Gemeinderätin war.

Im Dorf macht das Gerücht die Runde, dass einige im Gemeinderat ihre deutliche Wahl nicht akzeptieren könnten. Das sei der Ursprung der Probleme.

Findungskommission verneint Anschuldigungen

Sepp Rüegg, SVP-Ortsparteipräsident und damals Mitglied der Findungskommission, widerspricht den Anschuldigungen. Er sagt:

«Wir haben einen Fragebogen für die Auswahl zusammengestellt, bevor wir wussten, wer sich bewirbt.»

Auch er sei mit Vorwürfen konfrontiert worden, man habe absichtlich Vaccari-Ruch nicht empfohlen. «Das ist nicht so. Unsere drei Kandidaten hatten einfach mehr Führungserfahrung als sie.» Am Ende sei es auch nur eine Empfehlung, gewählt habe das Volk. «Ich war überrascht, dass es im ersten Wahlgang schon so deutlich war, aber ich bin froh über dieses Resultat.» Dieses gelte es zu akzeptieren, findet er.

Gemeindepräsidentin wie auch Ratsmitglieder halten sich bedeckt mit Aussagen zu den Schwierigkeiten. Das Amtsgeheimnis hindere sie daran, sich öffentlich zu den Querelen zu äussern. Guido Stadelmann, seit 2015 Mitglied des Gemeinderates, äusserst sich dennoch wie folgt: «Früher war die Zusammenarbeit problemlos. Jetzt ist es schwierig, weil nicht alle konsensfähig sind.»

«Wir mobben sie nicht»

Stadelmann spricht von Machtmissbrauch seitens Vaccari-Ruchs. Sie führe Sitzungen nicht durch oder nehme nicht alles auf die Traktandenliste. «Ihre Kommunikation ist zwar offen, aber sie sagt nicht alles.» Von Mobbing gegen sie könne jedoch keine Rede sein.

«Ich habe mir lange überlegt, ob ich mit den Problemen im Gemeinderat überhaupt an die Öffentlichkeit soll», sagt Gemeindepräsidentin Susanne Vaccari-Ruch. Sie wollte wachrütteln. Dass es die Bevölkerung beschäftige, spüre sie auch.

«Diese Aussagen haben einen Prozess ausgelöst. Ich habe die Hoffnung, dass wir nun einen gemeinsamen Weg finden.»

Guten Willens dafür seien alle in der Märstetter Exekutive, bestätigen Stadelmann und Vaccari-Ruch. Auch Doebeli schreibt in seinem Brief, dass es nun an der Zeit sei, sich um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern, nämlich um Märstetten.

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