Lob fürs Thurgauer Gewerbe: Lehrlinge haben trotz Seuche ihre Zeugnisse erhalten


Der Schweizerische Gewerbeverband lobt das Thurgauer Gewerbe: Es habe sich in der Krise besser als andere um seinen Nachwuchs gekümmert.

Christof Lampart
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Lehrlinge legen vor dem Locorama Romanshorn eine Schienenverlängerung.

Lehrlinge legen vor dem Locorama Romanshorn eine Schienenverlängerung.

Reto Martin

Aus Sicht des Schweizer Gewerbeverbands hat sich das Thurgauer Gewerbe krisenfest erwiesen. «Ihr habt es ermöglicht, dass Tausende von jungen Menschen ins Berufsleben einsteigen konnten, obwohl die Signale von Bund und Kantonen oft widersprüchlich waren», sagte Christine Davatz, Vizedirektorin des Schweizerischen Gewerbeverbandes, am Freitagnachmittag im Weinfelder Kongresszentrum Thurgauerhof. Es sei hervorragend gewesen, dass der Thurgau an den Qualifikationsverfahren festgehalten habe.

Christine Davatz, Vizedirektorin Schweizerischer Gewerbeverband.

Christine Davatz, Vizedirektorin Schweizerischer Gewerbeverband.

Bruno Kissling / OLT

In der Berufsbildung wird Qualifikationsverfahren (QV) als Oberbegriff für alle Verfahren verstanden, mit denen festgestellt wird, ob ein Nachwuchs-Berufsmann über die in der jeweiligen Bildungsverordnung festgelegten Kompetenzen verfügt. Im Unterschied zum Thurgau sagten die Kantone Waadt, Genf, Tessin und Zürich laut Davatz branchen- und reihenweise die QV ab. Die Thurgauer hingegen hätten den Jungen nicht die Möglichkeit genommen, ihre Arbeitsmarktreife nachzuweisen.

Reisebüros bilden keine Lehrlinge mehr aus

Für sie sei klar, dass man aus den Erfahrungen dringend lernen und das Zusammenspiel der Verbundpartnerschaft zwischen Gewerbe und Kantonen «unbedingt verbessern» müsse, sagte Davatz weiter. Wenn sie sich etwas wünschen könnte, dann das, dass man Kinder bereits früh an die Berufswelt heranführe. «Wir sollten ab der vierten Klasse den jungen Menschen zeigen, was es für Berufe gibt. Denn es ist eines unserer Hauptanliegen, dass sie sich richtig vorbereiten und danach wählen. Und nicht einfach das lernen, was der Nachbar macht oder die Eltern sagen.»

Davatz, seit 36 Jahren dessen Bildungsverantwortliche des Schweizerischen Gewerbeverbands, war zu Gast am 13. Ausgabe des Thurgauer Berufsbildungsforum, das vom Thurgauer Gewerbeverband, der Industrie- und Handelskammer Thurgau und dem Kanton Thurgau gemeinsam organisiert wurde.

 Marcel Volkart, Chef des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung des Kantons Thurgau.

Marcel Volkart, Chef des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung des Kantons Thurgau.

Reto Martin

Marcel Volkart, Chef des kantonalen Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung, erinnerte sich ungern an die ersten Stunden und Tage nach dem Lockdown:

«Das war ein echtes Tohuwabohu.»

Und doch hätten sie «alle an einem Strang gezogen» und das Ziel erreicht: «Wir konnten alle Qualifikationsverfahren durchziehen.»

Die aktuelle Lehrstellensituation zeige sich stabil und liege sogar leicht über dem Vorjahr, jedoch böten einzelne von der Coronakrise besonders stark gebeutelte Betriebe wie die Reisebüros keine Lehrstellen mehr an. Was die Zukunft bringe, könne man nicht wissen, aber «das Fundament bei uns ist gut», zeigte sich Volkart optimistisch.

Problematischer Wegfall der Schnupperlehren

Sie habe schon vor Corona ein strenges Auge auf die Noten der Lernenden geworfen, sagte Petra Kuhn, Leiterin Berufsbildung bei der Mowag in Kreuzlingen. «Wenn jemand mit einer Note kommt, die schlechter als 4,5 ist, dann müssen dies die Ausbildner ganz genau mit dem Lernenden anschauen. So sind unsere Lehrlinge schon immer gut betreut und wir erleben wenige negative Überraschungen», sagte die SVP-Kantonsrätin über die Sicherung der Lernfortschritte während der Lehrzeit.

Lukas Dischler, Sekundarlehrer und Präsident Sek 1 TG, fand, dass die Schüler durch den Online-Schulbetrieb während des Lockdowns keinen wesentlichen schulischen Nachteil erlitten hätten: «Sie haben viel aus der Situation herausgeholt. Und als die Schule wieder aufging, konnten wir noch etwas aufholen.»

Was «natürlich gefehlt» habe, seien die Schnupperlehren, welche gerade in die Zeit des Lockdowns hätten stattfinden sollen. Ähnlich entspannt sah das auch die Leiterin Lernenden-Betreuung von Coop Ostschweiz-Ticino, Rosmarie Blatter: «Bei uns fielen zwei Lernende durch die QV durch, doch das lag nicht Lockdown, sondern hatte sich schon vorher abgezeichnet.»