Livemusik
Das Eisenwerk-Sommerloch in Frauenfeld: Das sind Fährmänner, Feministinnen und bekannte Brüder

Unter Kastanienbäumen: An den kommenden drei Wochenenden stehen neun Konzertabende an im lauschigen Garten der Eisenbeiz. Und das Programm lässt sich sehen: von lokalen Trouvaillen wie Great Fool Dad bis zu internationalen Granden wie Mich Gerber, von Radiostars wie 77 Bombay Street über Voodoo-Rock'n'Roll bis zu sozialkritischem Hip-Hop.

Mathias Frei
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Long Tall Jefferson.

Long Tall Jefferson.

Bild: PD/Ella Mettler

Die Welt der Musikschaffenden ist noch nicht wieder dieselbe wie vor Corona. Aber wenn Bands irgendwo auf einer Bühne stehen, haben sie Lust. Das hat auch Karin Gubler festgestellt. Sie gehört dem Programmteam an der Sommerloch-Konzertreihe im Eisenwerk-Garten. Pandemiebedingt gibt es diesen Sommer kein «Out In The Green Garden», kein «Musig idä Stadt». Das Open Air Frauenfeld ist auf Mitte September verschoben. Aber das Sommerloch findet statt. Die Konzertreihe unter den Kastanienbäumen feiert heuer sogar ihre 20. Ausgabe. Und das Programm diesen Sommer kann sich mehr als sehen lassen. Ein Kollektenkonzert von Mich Gerber, die Hitparadenstürmer von 77 Bombay Street auf der kleinen Bühne vor dem Eisenwerk, die auch heuer wieder von Stefan Rutishauser gestaltet? Ja, das ist die Realität. Glück im Unglück für das Programmteam um Gubler, Rutishauser, Philipp Lerch und Beth Wimmer.

Great Fool Dad.

Great Fool Dad.

Bild: PD

Aber es sind nicht nur die grossen Namen, die ziehen. Den Auftakt am Donnerstag machen Great Fool Dad, nicht Grateful Dead. Erstere ist eigentlich gar keine Band, nur ein Projekt. Bisher sind zwei Gigs sicher, vielleicht die beiden einzigen. Der bekannte Frauenfelder Musiker Jonathan Gubler, Renato Frischknecht und Christian Roffler spielen ihre Lieblingslieder, schwergewichtig aus den Sixties und Seventies, von Tom Petty über Van Morrison und David Bowie bis zu den Doors. Ob es vor Donnerstag noch zu zwei gemeinsamen Proben reicht, ist unsicher. Denn Frischknecht lebt mittlerweile in Deutschland.

Neun Abende an drei Wochenenden

Das Sommerloch im Eisenwerk dauert vom 5. bis 21. August. Donnerstags, freitags und samstags stehen Konzerte an. Bei schönem Wetter im Garten, ansonsten im Eisenwerksaal. Beginn ist stets um 20 Uhr, zwei Stunden später verklingt der allerletzte Ton. Es sind Kollektenkonzerte, die Veranstalter empfehlen aber, den Vorverkauf (Gratistickets) über www.eisenwerk.ch in Anspruch zu nehmen. Es sind hundert Plätze pro Abend im Vorverkauf. Die Eisenbeiz hat eine spezielle Sommerloch-Speisekarte. Und für den schnellen Durst gibt es im Garten eine Bar. 5.8.: Great Fool Dad (Rock- und Pop-Geschichte). 6.8.: Reto Burrell Trio (Singer-/Songwriter-Rock). 7.8.: Ellas (Indie-Pop). 12.8.: Mich Gerber solo (Klangwelten). 13.8.: Lips & Strings (Singer-/Songwriter). 14.8.: Stompin' Howie and The Voodoo Train (Funk, Boogie, Blues). 19.8.: Long Tall Jefferson (Cloud-Folk). 20.8.: 77 Bombay Street (Pop). 21.8.: La Nefera (Tuba-Hip-Hop). (ma)

In Gerbers Musik abtauchen, bis die nächste Welle kommt

Mich Gerber.

Mich Gerber.

Bild: PD/S.V.Allmen

Der Berner Mich Gerber hat Ende der 1990er-Jahre das Kontrabass-Spiel neu definiert. International hatte er Erfolg mit seinen dichten, melodiösen Klangwelten. Kontrabass, Loops und Sampling kommen bei ihm zum Einsatz. Nach 2008 nahm er sich zehn Jahre Zeit für ein neues Album. Mittlerweile ist er Fährmann auf einer Aarefähre in Muri bei Bern. Sein 2018er-Album «Shoreline» sei reduziert aufs Wesentliche, ohne Elektronik, nur Bass und Perkussion. Musik, in die man abtauchen kann, bis die nächste Welle kommt.

Jorina Stamm von Ellas.

Jorina Stamm von Ellas.

Bild: PD/Tatjana Rüegsegger

Long Tall Jefferson aus Zürich. Das ist ein wenig Hype für die Hipster. Obwohl er als Magier der feinen Details gilt. Aber vor allem ist LTJ einfach spannend mit seinem Cloud-Folk, wie er seine Musik nennt. In den letzten Jahren spielte er mehrere hundert Konzerte, unter anderem am gut programmierten The Great Escape Festival in Brighton (UK), am Eurosonic im niederländischen Groningen oder auch am Zurich Open Air. Das Brugger Quintett Ellas war auf den Spuren von Long Tall Jefferson. Vergangenes Jahr waren Konzerte am M4Music, Zermatt Unplugged, Open Air St.Gallen, Gurtenfestival und am Zurich Open Air angesagt gewesen. Dann kam die Pandemie. Möglicherweise startet die Band mit ihrem Indie-Pop dieses Jahr durch. Auf jeden Fall liest man über sie:

«Ihre Musik entwickelt das Introvertierte in Richtung Stadion-Pop und umrahmt die Sorgen dieser unruhigen Welt mit wunderschönem Songwriting.»

Zwei von vier Buchli-Brüdern auf der Sommerlochbühne

77 Bombay Street in der Duoformation mit Matt und Esra.

77 Bombay Street in der Duoformation mit Matt und Esra.

Bild: PD

In sich hat es das dritte Sommerloch-Wochenende. Nach Long Tall Jefferson am Donnerstag stehen am Freitag 77 Bombay Street auf der Sommerloch-Bühne – konkret zwei der vier Buchli-Brüder, Matt und Esra. Das Gebrüder-Quartett hat in den letzten Jahren in der Schweiz alle Preise abgeholt, die es mit Indie-Pop-Rock zu holen gibt. Es folgten ausverkaufte Hallen und Nummer-1-Hits in der Schweizer Hitparade. So erstaunt es auch nicht, dass der Vorverkauf für Matt und Esra bereits geschlossen ist. Möglicherweise gibt es vor Ort noch freie Plätze.

La Nefera.

La Nefera.

Bild: PD/Flavia Schaub

Den Abschluss macht die Baselbieter Rapperin La Nefera. Seit ihrer Jugend steht die 32-Jährige als MC auf Bühnen. Während ihres Studiums in Sozialer Arbeit an der Hochschule Luzern hat sie die bekannte Kleidertauschaktion Walk-in Closet initiiert. Heute arbeitet sie als Jugendsozialarbeiterin. Und sie macht einfach ziemlich gute Musik. In ihre spanischen Texte verpackt sie Sozialkritik und kämpft gegen Sexismus im Hip-Hop. La Nefera war nach Steff la Cheffe 2017 erst die zweite Frau, die am «Bounce Cypher»-Event von Radio SRF Virus teilnahm.

Stompin' Howie and The Voodoo Train.

Stompin' Howie and The Voodoo Train.

Bild: PD

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