Mitten in der Coronakrise: Saudis mischen neuerdings beim Open Air Frauenfeld mit

Der saudische Staatsfonds von Kronprinz Mohammed bin Salman macht sich die Coronakrise zunutze und steigt mit einer Beteiligung beim US-Unterhaltungskonzern Live Nation ein. Dies schreibt die «Handelszeitung». Live Nation ist Mehrheitsaktionär des Open Airs Frauenfeld.

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Kreischende Open-Air-Fans in der vordersten Reihe während des Konzerts von Lil Baby.

Kreischende Open-Air-Fans in der vordersten Reihe während des Konzerts von Lil Baby.

(Bild: Reto Martin, 11. Juli 2019)

(red) Kulturveranstalter auf der ganzen Welt haben wegen der Coronakrise einen schweren Stand. Shows, Konzerte, Festivals: Alle Events mit grossen Menschenansammlungen fallen der anhaltenden Krise zum Opfer. Was zurückbleibt sind vor allem finanzielle Verluste, so auch bei Ostschweizer Veranstaltern wie dem Open Air Frauenfeld (OAF).

Seit der Übernahme des US-Unterhaltungskonzerns Live Nation vor drei Jahren konnte das OAF Jahr für Jahr ein ausverkauftes Festival mit insgesamt 180'000 Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt feiern. Umso mehr lässt die jetzige Meldung aufhorchen, die derzeit durch die diverse Medien kursiert.

Laut einem Medienbericht der «Handelszeitung» steigt der saudische Staatsfonds bei Lockdown-Opfern in westlichen Ländern ein und erkauft sich so eine Beteiligung an Live Nation. Demnach hält der Saudi Public Investment Fund (PIF) nun 5,7 Prozent an Live Nation und ist nun drittgrösster Aktionär hinter Liberty Media und der Fondsfirma Vanguard. Das Investment bestätigte Live Nation Anfang Woche gegenüber der US-Börsenaufsicht SEC, wie «watson.ch» schreibt.

Massive Einbussen seit dem Ausbruch der Pandemie

Live Nation ist in über 40 Ländern tätig, führt dank Exklusivverträgen unter anderem mit Künstlern wie Madonna oder U2 Konzerte vor rund 86 Millionen Menschen durch und erzielte vor der Krise jährliche Einnahmen von etlichen Milliarden Dollar. Wegen der weltweit unzähliger Absagen wegen Corona erleidet Live Nation derzeit massive Einbussen. So sei der Aktienkurs des grössten Konzertveranstalters seit Jahresbeginn um etwa 40 Prozent eingebrochen.

Die jetzige Beteiligung aus Saudi-Arabien beläuft sich auf rund eine Milliarde Dollar, schreibt die «Handelszeitung», die sich dabei auf amerikanische Medien stützt. Der saudisch Staatsfonds streckt während der derzeitigen Krise vielerorts in Europa seine Fühler aus. «Die Saudis griffen schon mehrfach bei Firmen zu, die ihr Kerngeschäft zurzeit nicht ausüben können oder die speziell unter der Wirtschaftskrise leiden», schreibt die «Handelszeitung». Unter anderem zielen die Saudis auf eine Übernahme des Premier-League-Fussballclubs Newcastle United. Zudem würden sie seit April ihre Anteile bei Ölfirmen Eqinor, Royal Dutch, Shell, Total und Eni ausbauen.

Einfluss auf Konzerte und Festivals bleibt unwahrscheinlich

Der Kopf hinter PIF ist Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi-Arabien, der unter anderem mit der Ermordung des regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi in Verbindung gebracht wird. Laut der «Handelszeitung» bleibt es trotz Einstieg bei Live Nation unwahrscheinlich, dass die Saudis Einfluss auf Konzert- und Festivalveranstaltungen nehmen werden. «Das strikte Land im Nahen Osten ist nicht bekannt für grosse Konzerte und Festivals», schreibt sie. So habe der Chef des PIF, Yasir Al-Rumayyan, gesagt, beim Engagement bei Live Nation handle es sich lediglich um eine passive Beteiligung.

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