Live aus der Kanti
Das Frühlingskonzert direkt ins Wohnzimmer: Jugendmusikschule Frauenfeld und Firma James Solutions streamen für die Eltern daheim

Ein physisches Konzert war pandemiebedingt nicht möglich. Deshalb hat sich die Frauenfelder Jugendmusikschule entschlossen, die Auftritte ihrer Schülerinnen und Schüler am Sonntagmittag aus dem alten Kantisingsaal zu streamen. Um die technische Umsetzung war eine Frauenfelder Veranstaltungstechnikfirma besorgt.

Manuela Olgiati
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Während der Dreharbeiten im alten Singsaal der Kanti Frauenfeld.

Während der Dreharbeiten im alten Singsaal der Kanti Frauenfeld.

Bild: Manuela Olgiati

Livestreams gewinnen zunehmend an Bedeutung. Mit dem Streaming-Service der Firma James Solutions aus Frauenfeld flimmern in Zeiten von Lockdown und Coronapandemie ganze Musikkonzerte durch das Netz. Die Herausforderung bei den Filmaufnahmen mit der Jugendmusikschule Frauenfeld am Sonntagmittag war, dass 70 Musizierende das erste Mal vor laufender Kamera spielen. Der Anlass fand mit Unterstützung aus dem «Covid-19-Unterstützungsfonds der Stadt Frauenfeld statt.

Eine Formation auf der Bühne.

Eine Formation auf der Bühne.

Bild: PD

Fast alle Mitarbeitende bei der Firma James Solutions hätten einen musikalischen Hintergrund, sagt die Cellistin Elisheva Wirth, verantwortliche Sales-Managerin. Geschäftsführer David Schmucki und sein Team brachten am Sonntagmorgen einen grossen Transporter an Eventtechnik mit. Im historischen Singsaal im Kantialtbau wurde diese sodann aufgebaut.

Technikfreaks kommen auf ihre Kosten

«Sechs Kameras sind auf die Bühne gerichtet», sagt Leonhard Vogel. Der Eventmanager koordiniert die Auftritte des Livestreaming. Musiklehrpersonen und Musikschulleiter Marcel Maij besprechen das Programm für die Stars des Tages, die Musikschüler. Draussen vor der geschlossenen Türe warten Chor und Instrumentalisten. Die Kameraleute stehen abwechselnd vor ihren High-Techgeräten oder knien am Boden.

Ein ganzer Chor im Einsatz.

Ein ganzer Chor im Einsatz.

Bild: PD

Stille im Saal. Einzeln oder in kleinen Formationen dauern die Vorführungen wenige Minuten. Vivaldi, Pop- und Rockkonzerte oder auch Balladen gehen über die Bühne. Der Kinderchor singt, das 20-köpfige Streichorchester ist prominent vertreten. Während der Aufnahmen sei es klar, dass ein gewisser Druck aufgebaut sei, sagt Vogel. Einerseits ist es für Leute ungewohnt, vor der Kamera und ohne Publikum zu spielen.

«Andererseits spielt auch das Lampenfieber, es möglichst perfekt zu machen, die eigenen Grenzen zu überwinden, eine Rolle.»
Blick in die Regie.

Blick in die Regie.

Bild: Manuela Olgiati

Sie sprechen sich gut ab

Die Techniker kommunizieren untereinander. Dazu gehen sie mit Kabeln und Mikrofon im Raum umher und hantieren an Mischpult und PC. Schmucki sagt:

«Eine sorgfältige Planung setzt ein gutes Gelingen voraus.»

Stimmt die Technik, heisst es Ruhe bewahren. Dies funktioniert einwandfrei. «Ich bin überhaupt nicht nervös», sagt der 15-jährige Posaunist Lukas Müller. Im Quartett spielt er Literatur der Beatles.

Nach den Aufnahmen schneiden die Techniker die einzelnen Beiträge zu. «Die Eltern erhalten anschliessend einen Link und können ein rund einstündiges Konzert der Jugendmusikschule Frauenfeld zu Hause an den Bildschirmen erleben», sagt der Musikschulleiter. Sales-Managerin Wirth meint:

«Das Strahlen und der Stolz in den Gesichtern der Musizierenden war jede Minute Dreharbeit wert.»
Viel Technik kommt zum Einsatz.

Viel Technik kommt zum Einsatz.

Bild: Manuela Olgiati