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Littering im Thurgau: Die Reinigungskosten gehen zurück, die Anzahl Bussen steigen

Erstmals seit Jahren gehen die durch Littering verursachten Reinigungskosten beim Kanton Thurgau zurück. Über die Gründe können die Verantwortlichen nur spekulieren. Zugenommen haben die Bussen wegen des achtlosen Liegenlassens von Unrat.
Sebastian Keller
Der Aufwand für die Befreiung der Thurgauer Kantonsstrassen von Abfall ist rückläufig. (Bild: Donato Caspari)

Der Aufwand für die Befreiung der Thurgauer Kantonsstrassen von Abfall ist rückläufig. (Bild: Donato Caspari)

Littering macht selten positive Schlagzeilen. Das achtlose Wegwerfen von Zigarettenstummeln, Dosen und Verpackungen löst normalerweise Kopfschütteln aus – und Kosten. Doch das Thurgauer Tiefbauamt kann für einmal Positives vermelden. Der durch Littering verursachte Reinigungsaufwand auf dem 800 Kilometer langen Kantonsstrassennetz ist zurückgegangen. Um 18 Prozent. Diese Entwicklung wird im Geschäftsbericht des Kantons dargestellt. So betrug der Litteringaufwand im vergangenen Jahr noch 468475 Franken – im Jahr zuvor musste der Kanton über 100000 Franken mehr für die Beseitigung von Kleinmüll entlang der Kantonsstrassen verbuchen (siehe Grafik). «Das ist auf jeden Fall erfreulich», sagt Bruno Keller, stellvertretender Leiter Betrieb im kantonalen Tiefbauamt.

Sinkender Litteringaufwand auf Kantonsstrassen

Litteringkosten in Franken (in Tausend)
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Über die Gründe für den Rückgang kann Keller nur spekulieren. «Vielleicht hat sich im Bewusstsein der Bevölkerung etwas geändert.» Er verweist zudem darauf, dass man anfänglich beim Trennen des Hausmülls auch nicht gedacht habe, dass es funktionieren könnte. «Doch es klappt.» Die Recyclingquote weist heute den Wert eines hochprozentigen Schnapses aus. Keller betont: «Gemeinden und Kanton haben in den vergangenen Jahren einiges gegen das Littering unternommen.»

Erfreut über die rückläufigen Kosten ist auch Martin Eugster. Er leitet die Abteilung Abfall und Boden im kantonalen Amt für Umwelt und ist Ansprechperson beim Thema Littering. «Die Ursachen für den Rückgang kenne ich nicht.» Für einen Freudentanz sei es noch zu früh. «Die Kosten können im nächsten Jahr wieder höher liegen.» Eugster verweist zudem darauf, dass die Gemeinden den grösseren Aufwand zu leisten haben. Schätzungen zufolge liegen die Kosten, die Littering bei Gemeinden und Kanton verursachen, bei bis zu sechs Millionen Franken pro Jahr.

Andere Entwicklung in den Gemeinden

«Die Gemeinden stellen eine Verschiebung der Littering-Hotspots fest», sagt Eugster. Einige hätten ihm berichtet, dass auf Plätzen und in Pärken weniger Abfall liegen gelassen werde, sich das Problem aber entlang von Strassen verschärft habe. Eugster betont, dass diese Aussagen nicht auf einer repräsentativen Umfrage beruhen. Er habe sie während des Littering Forum 2018 vernommen. Dieses vom Kanton organisierte Treffen dient dem Austausch von Erfahrungen und Informationen. Es fand im März dieses Jahres bereits zum elften Mal statt.

In Sachen Reinigung des öffentlichen Raums laufen in Frauenfeld die Fäden beim Werkhof zusammen. Dessen Leiter ist Markus Graf. «Der Bahnhof ist in Sachen Littering der Hotspot», sagt er. Seine Beobachtung: Das Problem war an diesem Ort auch schon gravierender. Graf vermutet, dass die Verbesserungen auch mit Anstrengungen des Werkhofes zusammenhängen. So habe man mit Randständigen, die sich am Bahnhof aufhalten, das Gespräch gesucht. «Sie haben dann einen Verantwortlichen bestimmt, der sich um die korrekte Entsorgung des Abfalls gekümmert hat», sagt Graf.

Erfolg mit Aufhebung von Abfallkübeln

Auch Betreiber von Take-Away-Lokalen beziehe man mit ein. «Sie müssen einen Kübel aufstellen und im Umkreis ihres Lokals selber reinigen.» Doch die Stadt Frauenfeld regt nicht nur das Aufstellen von Entsorgungsbehältern an oder stellt sie selber auf. Mit einer vor einigen Jahren begonnen Aktion erzielt der Werkhof ebenfalls Erfolge: Mitarbeiter haben Abfallkübel abmontiert. Vor allem bei Parkplätzen. «Dort wurde häufig Hausmüll entsorgt», erzählt Markus Graf. Das Resultat sei erfreulicherweise nicht mehr Littering an den ehemaligen Kübel-Standorten gewesen. Frauenfeld bewirtschaftet auf dem ganzen Stadtgebiet rund 350 Abfallkübel.

Gute Erfahrungen macht der Werkhof auch mit Behältern, die das getrennte Entsorgen zum Ziel haben. Solche stehen auch auf Bahnhöfen. Für Aludosen hat es ein Fach, für PET-Flaschen ein anderes, ebenso eines für weitere Abfälle. «Anfänglich waren wir skeptisch», sagt Graf. Doch die Trennquote lasse sich sehen. Die meisten Gegenstände landen im richtigen Fach. «Wir haben deshalb weitere Behälter bestellt.»

Kantonspolizei stellt mehr Bussen aus

Littering ist nicht nur ein Verstoss gegen Anstand und Moral, sondern auch gegen das Gesetz. Wer im Thurgau eine Dose oder einen Kaugummi einfach auf den Boden fallen lässt, der kann mit 50 Franken gebüsst werden. Wer den Inhalt eines Aschenbechers wegwirft, dem droht eine 80-Franken-Busse. Die neusten Zahlen der Kantonspolizei zeigen, dass die Anzahl gebüsster Abfallsünder zugenommen hat: 2017 stellte die Polizei 185 Bussen aus. Das entspricht einer Zunahme von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Mehr Litteringbussen ausgestellt

Anzahl Bussen
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Fast 95 Prozent der Bussen fielen in die 50-Franken-Kategorie, sagt Polizeisprecher Matthias Graf. Im Durchschnitt der vergangenen Jahre bewegte sich die Anzahl immer etwa um 150 (siehe Grafik). Die Littering-Bussen wurden vor zehn Jahren eingeführt.

Matthias Graf betont: «Littering gehört nicht zum Kerngeschäft der Kantonspolizei Thurgau.» Eine spezielle Entwicklung stellen die Ordnungshüter nicht fest. «Es liegt auf der Hand», sagt Graf weiter, «dass im Sommer mehr gelittert wird als im Winter, weil sich auch mehr Leute öfters draussen aufhalten, abhängig natürlich auch vom Wetter.» Bei grösseren Menschenansammlungen müsse das Problem «aber leider vermehrt» festgestellt werden.

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