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Diessenhofen: Liberté, Égalité, jetzt

Zurück in die Französische Revolution: Stadtführer Erwin Müller nahm mit auf einen szenischen Rundgang durchs Rheinstädtchen. In die Zeit, als Betrunkene den Galgenacker bombardierten.
Thomas Brack
Erwin Müller alias Hauptmann Johannes Bachmann in Aktion. (Bild: Thomas Brack)

Erwin Müller alias Hauptmann Johannes Bachmann in Aktion. (Bild: Thomas Brack)

Am 7. November 1798 erreichten die Wogen der Französischen Revolution Diessenhofen. Mit doppelter Inbrunst erschallte der Ruf nach Freiheit und Gleichheit im ehemaligen eidgenössischen Untertanengebiet. Vor dem Rathaus wurde der Freiheitsbaum gesetzt, die Landbevölkerung in die Freiheit entlassen. «Doch wenn mit der Freiheit vor allem die Abschaffung der Steuern – des verhassten Zehnten und anderen Abgaben – gemeint war, konnte es mit der Stadtrepublik Diessenhofen nicht lange gut gehen», sagte Erwin Müller alias Hauptmann Johannes Bachmann. Er schöpfte bei seiner szenisch historischen Führung durch Diessenhofen aus einem reichen Fundus seiner Kenntnisse der Geschichte des Rheinstädtchens.

500 Soldaten mit je 24 Patronen

Als Hauptmann Bachmann inspizierte er gerade die zwei Stadtkompanien Diessenhofens. Denn wie Frauenfeld und Weinfelden besass Diessenhofen ein eigenes Truppenkorps mit einem Bestand von 500 Mann. Jeder verfügte über 24 Patronen, die im Pulverturm gelagert wurden. Diesen gibt es heute nicht mehr, genauso wenig wie die Stadttore und grosse Teile der Stadtmauer. Denn man wollte aus der Enge des Mittelalters Luft und Licht und vor allem Verkehr und Handel bringen. Und so schliff man die Herrschaftssymbole des «Ancien Régime».

Die Geschichte des Diessenhofer Galgen-Bombardement von 1798 illustriert dies. Der Galgen als verhasstes Symbol der alten Macht sollte mit zwei kleinen Kanonen niedergeballert werden. Diese hatten die Franzosen im Zeughaus zurückgelassen. Reichlich floss der Wein, in feucht-fröhlicher Laune zogen die Bürger mit den Kanonen zum Galgenacker, wo sich die Richtstätte eingangs Scharenwald befand. Doch fiel die Handhabung des Kriegsgeräts derart schwer, dass eine Kanone überhaupt nicht funktionierte. Die Schützen hatten wohl einiges intus, sodass sie mit der anderen ihr Ziel verfehlten. Dieses Missgeschick tat dem allgemeinen Frohsinn keinen Abbruch. Der Galgen freilich musste später in mühseliger Handarbeit abgebaut werden.

Kosaken zündeten die Rheinbrücke an

Es fällt dem modernen Zeitgenossen schwer, sich die Turbulenzen der damaligen Zeit, der Helvetik und Mediation bis zur definitiven Aufnahme Diesssenhofens in den Kanton Thurgau vorzustellen. Einerseits wurden das Jahr 1798 und die folgenden Jahre zur Geburtsstunde so wichtiger Errungenschaften wie der Handels- und Gewerbefreiheit, Wahl- und Pressefreiheit, Humanisierung des Strafrechts, der Einführung einer Einheitswährung und Abschaffung der Zölle. Andererseits waren diese Jahre geprägt durch Kriege, Hunger und Not. Denn Diessenhofen war zusammen mit der ganzen Schweiz in den Strudel des Kriegs zwischen den Franzosen auf der einen und Österreich-Ungarn, Preussen und Russland auf der anderen Seite geraten. Blutige Schlachten wüteten in unserer Region. Und als die gefürchteten Kosaken unter General Korsakow schliesslich den Franzosen weichen mussten, zündeten sie auf dem Rückzug die Rheinbrücke an, die lichterloh brannte. Es war zwar ein Schauspiel, doch vor allem eine Katastrophe für das Städtchen. Gleichwohl hatten die Diessenhofer insofern Glück, als die verbissen geführten Kämpfe zwischen Franzosen und Russen auf einem offenen Feld bei Schlattingen tobten.

"Daher erstaunt es wirklich, dass in dieser rauen und elenden Zeit der Samen für die moderne und wohlhabende Schweiz gesät wurde."
(Erwin Müller, Stadtführer)

Nach dem Kriegselend folgte klimatisch bedingt eine weitere Hungersnot. Es gab Jahre ohne Sommer, harte Winter, kein Geld und eine zerstörte Infrastruktur. «Daher erstaunt es wirklich, dass in dieser rauen und elenden Zeit der Samen für die moderne und wohlhabende Schweiz gesät wurde», schloss der Stadtführer.

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