Kommentar
Leitartikel zur Frauenfelder Hallenbadabstimmung: Es sind verkraftbare Investitionen für Generationen

Knapp 40 Millionen Franken kostet das neue Frauenfelder Hallenbad. Vielen graut es vor den Kosten. Für das Geld erhält die Bevölkerung aber ein modernstes Bad mit nachhaltiger Infrastruktur. Und der Saunabereich verleiht der Anlage eine grössere Magnetwirkung.

Samuel Koch
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Diese Visualisierung zeigt, wie der Eingangsbereich des Hallenbades ab Herbst 2023 aussehen soll.

Diese Visualisierung zeigt, wie der Eingangsbereich des Hallenbades ab Herbst 2023 aussehen soll.

Bild: PD

Die Entscheidung naht. Am kommenden Sonntag trifft die Frauenfelder Bevölkerung ihre Wahl, ob sie ein neues Hallenbad will. Über das Bedürfnis für die neue Badi mit dem maritimen Namen «Tag am Meer» für 39,34 Millionen Franken gibt es keine zwei Meinungen. Zu unbestritten segnete selbst der Gemeinderat den Antrag des Stadtrates klar und deutlich ab. Der Badineubau geniesst breiten Sukkurs. Das beweist auch, dass bisher keine Gegnerschaft ins Rampenlicht getreten ist.

Samuel Koch

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Bild: Reto Martin

Gewiss, vielen graut es vor den hohen Kosten, die um rund 6,4 Millionen Franken höher ausfallen als in der Machbarkeitsstudie vorgerechnet. Dafür gibt es aber gute Gründe: einerseits die wegen der neuen Beckenanordnung und der modernen Technik um über einen Zehntel vergrösserte Gebäudefläche, andererseits die rasante Entwicklung im Energiebereich. Ein Neubau, welcher der Stadt für die nächsten Generationen dienen soll, muss in Zeiten des Klimawandels und der folgerichtig hohen Priorität für Umweltfragen möglichst ökologisch und energieeffizient sein.

Verantwortung für die Umwelt kostet heute mehr als beim Start der Planungen vor knapp fünf Jahren.

Fürs investierte Geld bekommt die Bevölkerung Leistung, ein modernstes Bad mit mehr Wasserfläche, zusätzlichen Bahnen im 25-Meter-Becken, einem grösseren Sprudelbad sowie einem Rutschenturm. Schwimmen lockt alle an, von Jung bis Alt. Schwimmen hält fit. Schwimmen ist gesund. Dafür bedarf es keinen Hochschulabschluss in Sport- und Bewegungswissenschaften.

Die Stadt wird sich an den Kosten nicht verschlucken

40 Millionen fliessen in eine nachhaltige Infrastruktur, die Gutes tut. Departementsvorsteher Fabrizio Hugentobler fasste deshalb zutreffend zusammen: Es gelte jetzt, die Kostenkröte trotz ekelhaftem Geschmack zu schlucken. Und verschlucken wird sich die Stadt an der Kostenkröte kaum angesichts der derzeit über 70 Millionen Franken auf der hohen Kante.

Das 25-Meter-Schwimmbecken soll neuerdings acht statt bisher sechs Bahnen aufweisen.

Das 25-Meter-Schwimmbecken soll neuerdings acht statt bisher sechs Bahnen aufweisen.

Bild: PD

Vom Neubau profitiert auch das Gewerbe in der Region. Eine Region, die mit einem neuen Hallenbad als Ganzes an Attraktivität gewinnt. Umso befremdlicher mutet an, dass die umliegenden Gemeinden in der Regio Frauenfeld keinen Rappen beisteuern. Höhere Preise für auswärtige Gäste sind verpönt. Bei grünem Licht für den Neubau tut die Stadt jedoch gut daran, diese unbeliebte Strategie hartnäckig zu verfolgen.

Vielen tut die zweijährige Bauzeit mit der Komplettschliessung weh und vertreibt Gäste vorübergehend in umliegende Städte. Vorübergehend geschlossen wird das hiesige Bad aber ohnehin. Wenn nicht für den Neubau, dann wegen der sanierungsbedürftigen Statik.

Saunabereich bringt mehr Glanz und eine Magnetwirkung

Bleibt die zweite Vorlage, ob Frauenfeld für 2,66 Millionen einen Saunabereich benötigt. Der Annexbau mit vergleichbar günstigem Preisschild schafft mit bereits bestehendem Personal sowie frisierter Technik Mehrwert und verleiht dem Jahrzehnteprojekt nicht nur mehr Glanz, sondern auch grössere Magnetwirkung.

Der Stadtrat hat seine Hausaufgaben gemacht, wenn auch mit einzelnen Durchhängern.

Eine transparente Kommunikation zur noch ungelösten Parkplatzfrage hätte viel früher Not getan, als eine Motion kurz und knapp in der Botschaft zu beantworten. Mit zunehmender Digitalisierung wird der Fauxpas mit dem aus Steuergeldern finanzierten Werbevideo als Lehrblätz taxiert.

Am Ziel befindet sich der Stadtrat selbst bei einem Ja am Sonntag noch nicht. Gemeinderat und Bevölkerung beobachten die Kosten mit Argusaugen. Trotzdem darf die Entscheidung bei der Abstimmung nur in eine Richtung gehen, in verkraftbare Investitionen für Generationen. Damit die Kantonshauptstadt seit dem Bau des heutigen Hallenbades in den 70ern weitere Jahrzehnte ein würdiges Bad zu ihrer Infrastruktur zählen darf.