Leitartikel
Die Abstimmung über eine neue Mehrzweckhalle verhärtet in Münchwilen die Fronten

Die Münchwiler Vereine wollen eine neue Mehrzweckhalle. Der entsprechende Projektierungskredit kommt am 26. September an die Urne. Darüber abzustimmen, sollte ohne persönliche Angriffe machbar sein.

Olaf Kühne
Olaf Kühne
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Visualisierung der neuen Mehrzweckhalle. Mit dem Projektierungskredit soll das Siegerprojekt «Chäferfäscht» zur Abstimmungsreife gebracht werden.

Visualisierung der neuen Mehrzweckhalle. Mit dem Projektierungskredit soll das Siegerprojekt «Chäferfäscht» zur Abstimmungsreife gebracht werden.

Bild: PD/Nightnurse Images

Am 26. September stimmt Münchwilen über einen Projektierungskredit für eine neue Mehrzweckhalle ab. Dabei geht es – vorerst – um just eine Million Franken.

Die Vorlage geht auf einen Antrag der Vereine zurück: Sie sind mit der über 80-jährigen, sanierungsbedürftigen, aber auch denkmalgeschützten Mehrzweckhalle Oberhofen nicht mehr zufrieden.

Olaf Kühne

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Bild: Peter Pfistner

Geht es also in zwei Wochen um eine Million Franken, hängt an der Vorlage der sprichwörtliche Rattenschwanz – wie auch immer am
26. September das Verdikt des Souveräns lauten wird. Kommt der Projektierungskredit durch, muss die Schulbehörde beim Gemeinderat die Nichtunterschutzstellung der alten Halle beantragen. Doch dagegen ist bei der Gemeinde schon im vergangenen Winter eine Petition mit 246 Unterschriften eingegangen. Damit waren auch die Fronten für den Abstimmungskampf bezogen.

Zwischen diesen Fronten bewegte sich bis vor kurzem die Münchwiler Schulbehörde. Weil der Antrag der Vereine einst von der Gemeindeversammlung für erheblich erklärt worden ist, muss sie nun den Projektierungskredit vorlegen. Im Wissen um die Fronten, und um beiden Seiten gerecht zu werden, hat die Behörde aber auch einen Plan B ausgearbeitet. Wird nämlich der Kredit am 26. September abgelehnt, stimmt die Schulgemeindeversammlung Ende November über die Sanierung der alten Oberhofen-Halle sowie über einen Bühnenanbau an die bestehende Sporthalle Waldegg ab.

Nicht mehr zwischen den Fronten bewegt sich die Schulbehörde indes, seit sie in ihrer eigenen Abstimmungsbotschaft den Kredit zur Ablehnung empfiehlt – und dies auch ausführlich erläutert.

Nun ist ein intensiver Abstimmungskampf um eine Vorlage, die den Steuerzahler dereinst je nach Abstimmungsresultat zwischen acht und 16 Millionen Franken kosten dürfte, in einer direkten Demokratie die normalste Sache der Welt. Beide Seiten werfen gute Argumente in die Waagschale. Vor allem aber: Beide Seiten haben legitime Argumente.

Die alte Turnhalle Oberhofen ist denkmalgeschützt. Nach dem Willen der Münchwiler Vereine soll sie dennoch einem Neubau Platz machen.

Die alte Turnhalle Oberhofen ist denkmalgeschützt. Nach dem Willen der Münchwiler Vereine soll sie dennoch einem Neubau Platz machen.

Bild: Donato Caspari

Die Vereine führen ihren Beitrag zum sportlichen und kulturellen Dorfleben sowie ihr Engagement in der Jugendarbeit ins Feld. Damit liegen sie richtig. Die Neubaugegner wiederum berufen sich auf die Schutzwürdigkeit der alten Mehrzweckhalle und sagen, dass man sich in Münchwilen einen teuren Neubau nicht leisten kann – oder, je nach Lesart, auch einfach nicht leisten will. Auch die Gegner liegen richtig.

Handelt es sich doch bei einer neuen Mehrzweckhalle, bei allem Respekt vor der Arbeit der Vereine, schlicht und einfach um eine Sachvorlage, zu welcher der Stimmbürger und Steuerzahler sagen soll, ob er sie will oder nicht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Es ist deshalb schade, dass sich in Münchwilen die Fronten längst wieder verhärtet haben. Persönliche Angriffe sind bis anhin zwar nur hinter vorgehaltener Hand zu vernehmen, aber sie finden statt. Dabei müssten es just die Münchwiler eigentlich besser wissen. Führten doch verhärtete Fronten und persönliche Angriffe letztlich zum vorzeitigen Rücktritt von Gemeindepräsident Guido Grütter. Und das ist noch keine zwei Jahre her.

Ein paar Jahre länger ist es her, dass Lukas Weinhappl, mit zwei weiteren Herausforderern, antrat, den in Ungnade gefallenen Schulpräsidenten aus dem Amt zu jagen. Aus einem Viererwahlkampf ums Schulpräsidium ging Weinhappl als souveräner Sieger hervor und er versprach, notabene als FDP-Mitglied und damaliger Präsident der Thurgauer Jungliberalen, möglichst transparent zu kommunizieren und mit Steuergeldern haushälterisch umgehen zu wollen.

Dass man ihn nun genau dafür kritisiert – auch wenn in Leserbriefen jeweils «die Schulbehörde» steht –, ist unfair und unnötig. Denn die Neubaubefürworter haben, wie bereits geschrieben, gute Argumente für ihr Anliegen. Und wie die Flut an Leserbriefen zeigt, ist es ihnen auch gelungen, diese Argumente breit zu streuen.

Sollte sich nun die schweigende Mehrheit, die in keinem Verein ist, in keiner Ortspartei und sich auch höchst selten an einer Gemeindeversammlung blicken lässt, dennoch gegen eine neue Mehrzweckhalle aussprechen, gehört das eben auch zu einer direkten Demokratie – und darf kein Grund sein, verhärtete Fronten noch weiter zu zementieren.

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