Für die Frauenfelder Katholiken gibt's den Leib Christi neu glutenarm

In Frauenfelds katholischen Stadtkirche St.Nikolaus erhalten Kirchgänger jährlich 40'000 Mal die Kommunion gespendet. Seit den Weihnachtstagen gibt es für Leute mit Zöliakie spezielle Hostien, die sehr wenig Weizenprotein enthalten.

Mathias Frei
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Vorne in der kleinen Pyxis befinden sich die schneeweissen, glutenarmen Hostien, das Ziborium hinten ist gefüllt mit den beigefarbenen Hostien, die normal viel Gluten enthalten. (Bild: Mathias Frei)

Vorne in der kleinen Pyxis befinden sich die schneeweissen, glutenarmen Hostien, das Ziborium hinten ist gefüllt mit den beigefarbenen Hostien, die normal viel Gluten enthalten. (Bild: Mathias Frei)

Der Kirchgang in katholisch Frauenfeld sollte Menschen mit einer Gluten-Unverträglichkeit zukünftig keine Bauchschmerzen mehr bereiten. Denn seit dem Gottesdienst an Heiligabend werden bei der Kommunion offiziell auch Hostien verteilt, die sehr wenig von dem Weizenprotein Gluten enthalten. Sie sind schneeweiss und etwas dünner als die beigefarbenen Hostien aus normalem, glutenhaltigen Weizenmehl. Schmecken tun sie nicht spürbar anders und sie sind gleich gross (32 Millimeter Durchmesser). Lukas Schönenberger, Pfarreikoordinator der Pfarrei St. Anna, erklärt:

«Die Grösse ist nicht durch Rom genormt, dafür aber die Zusammensetzung: nur Wasser und Weizenmehl.»

So gelten die glutenarmen Hostien mit maximal 20 Milligramm Glutenanteil pro Kilo speziell aufbereitetem Weizenmehl laut EU-Lebensmittelverordnung als «glutenfrei». Effektiv weizenmehlfrei dürfen aber Hostien gemäss katholischem Kirchenrecht gar nicht sein.

Das neue Angebot für Menschen, die an einer Zöliakie leiden, ist vorerst auf die Eucharistiefeiern in der katholischen Stadtkirche St. Nikolaus beschränkt. Schönenberger zeigt sich aber offen:

«Am besten teilt man uns mit, wenn auch in anderen Kirchen unserer Pfarrei Bedarf nach glutenarmen Hostien besteht.»

Verschiedene Gefässe verhindern Kontamination

Seit der Einführung der glutenarmen Hostien vor zwei Wochen wurde die Kommunion viermal glutenarm gespendet. Der Aufwand dafür sei klein, sagt Schönenberger. Wer einer speziellen Hostie bedarf, reiht sich vorne rechts ein. Der Kommunionsspender teilt zuerst die normal glutenhaltigen Hostien aus. Danach holt er ein döschenartiges, liturgisches Gefäss namens Pyxis aus dem Tabernakel, wo die gewandelten Hostien aufbewahrt werden. In der Pyxis befinden sich die glutenarmen Hostien. Um eine Kontamination zu verhindern, entnimmt der Kommunionswillige selber die Spezialhostie der Pyxis.

Wichtig sei, so sagt Pfarreikoordinator Schönenberger, die Information über das neue Angebot. Das betreffe einerseits die Beteiligten wie die Priester, die 21 Lektorinnen und Lektoren, welche die Kommunion austeilen sowie das Mesmerteam. Andererseits sollen von Zöliakie Betroffene das Angebot kennen. Zudem sollen unbeteiligte Kirchgänger wissen, was der Hintergrund zu dieser speziellen Kommunionsausteilung ist.

«Wir kommunizieren das in den kommenden Gottesdiensten und auch im Pfarrblatt ‹Forum Kirche›.»

Aufgrund der erwarteten eher geringen Zahl an ausgeteilten Spezialhostien ist das neue Angebot kein finanzieller Aufwand. Eine normale Hostie kostet gemäss Richtpreis der Vereinigung der Oberinnen der kontemplativen Orden der Schweiz sieben Rappen. Eine glutenarme Hostie gibt es für 20 Rappen. «Im Zentrum steht für uns, dass alle Gläubigen die Möglichkeit haben, eine Kommunion empfangen zu können, unabhängig von einer Gluten-Unverträglichkeit», erklärt Schönenberger.

Ein riesengrosser Dreikönigskuchen

Am Dreikönigstag findet im Anschluss an den Gottesdienst, der um 10.30 Uhr in der katholischen Stadtkirche St. Nikolaus beginnt, ein Dreikönigsapéro statt. Die Kirchenvorsteherschaft in neuer Zusammensetzung nimmt den Dreikönigstag zum Anlass, die Kirchbürger willkommen zu heissen im neuen Jahr und der neuen Legislatur. Die Einladung erfolgt mit den abgetretenen Vorsteherschaftsmitgliedern und dem Seelsorgeteam der Pfarrei St. Anna. Vor der Stadtkirche werden Heissgetränke gereicht. Zudem steht ein riesiger Dreikönigskuchen bereit mit 400 Stücken, gebacken von Beck Godi Truniger. (ma)

Aargauer Benediktinerinnen backen glutenarm

Glutenarme Hostien sind nicht neu. In Einzelfällen und informell seien in der Vergangenheit bereits solche Hostien in Frauenfeld gewandelt und ausgeteilt worden, sagt Schönenberger. Zuletzt habe ein Mädchen vor der Erstkommunion im Religionsunterricht das Bedürfnis geäussert. Aufgrund dessen machte sich Schönenberger Gedanken zur Offizialisierung des Angebots und kam auf die besagte Lösung. Die normalen Hostien bezieht die Pfarrei St. Anna von der Hostienbäckerei des Dominikanerinnenklosters Maria Zuflucht im sankt-gallischen Weesen. Glutenarme Hostien werden seit etwa sechs Jahren in der Schweiz fa-briziert, und zwar nur vom Benediktinerinnenkloster St. Martin im aargauischen Hermetschwil. Dort bezieht die Frauenfelder Pfarrei ihre speziellen Hostien.

Wie Schönenberger erklärt, werden die Hostien in der Eucharistie zum Leib Christi gewandelt, sie bedeuten die Realpräsenz Christi. Die glutenarmen Hostien sind, was das Sakrament betrifft, also gleichwertig zu normalen Weizenmehl-Hostien.

FRAUENFELD: Aushilfspriester, zum Glück

Ein Stadtpfarrer ist noch nicht in Sicht. Bis nächsten Sommer konnte die Pfarrei St. Anna zwar befristet Priester verpflichten. Ohne diese Aushilfen wird es in der Gottesdienstplanung aber eng.
Mathias Frei