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Leere Wohnungen im Thurgau: Tausende Mieter gesucht

Im Thurgau stehen so viele Wohnungen leer wie seit fünfzehn Jahren nicht mehr. Die hohe Bautätigkeit ist ein Grund dafür. Nun gibt es Anzeichen, dass diese etwas nachlassen könnte.
Sebastian Keller
In der Schweiz werden viele neue Mehrfamilienhäuser gebaut. (Bild: Ralph Ribi)

In der Schweiz werden viele neue Mehrfamilienhäuser gebaut. (Bild: Ralph Ribi)

Um 23 Prozent ist die Zahl leer stehender Wohnungen im Thurgau innerhalb eines Jahres gestiegen. Per 1. Juni 2018 – dem Stichtag – waren 3212 Wohnungen unbewohnt; ein Jahr zuvor wurden 2598 gezählt. Das zeigen neuste Zahlen des Bundesamtes für Statistik.

Die Leerwohnungsziffer, welche die Zahl nicht bewohnter Wohnungen ins Verhältnis zum gesamten Bestand setzt, erreichte ein 15-Jahres-Hoch. Am Stichtag dieses Jahres waren 2,42 Prozent (Vorjahr: 2 Prozent) aller Wohnungen zwischen Bodensee und Hörnli nicht bewohnt. Der Schweizer Durchschnitt lag bei 1,62 Prozent.

Bei 85 Prozent der leer stehenden Wohnungen handelt es sich um Objekte zur Miete. Besonders oft stehen Wohnungen mit drei oder vier Zimmern leer. Dies ist einer Aufschlüsselung der Thurgauer Dienststelle für Statistik zu entnehmen.

Steigende Leerwohnungsziffer in allen Thurgauer Bezirken

Leerwohnungsziffer 2017
Leerwohnungsziffer 2018
0,00,51,01,52,02,5Kanton ThurgauBezirk ArbonBezirk FrauenfeldBezirk KreuzlingenBezirk MünchwilenBezirk Weinfelden

Die Leerwohnungsziffer gehorcht nicht dem kapitalistischen Prinzip «Je mehr desto besser». Weder eine zu tiefe noch eine zu hohe Leerwohnungsziffer wird angestrebt. Ein zu tiefer Wert bedeutet: Der Wohnungsmarkt ist ausgetrocknet; Zuzüger finden nur schwer eine Wohnung. Eine hohe Leerwohnungsziffer zeigt, dass mehr Wohnraum geschaffen als nachgefragt wird. Die Räume stehen leer, kosten Geld und bringen keines ein.

«Ich mache mir Sorgen»

Der Präsident des Hauseigentümerverbandes Thurgau sieht die jüngste Entwicklung kritisch. «Ich mache mir Sorgen», sagt Gallus Müller. Der Thurgau habe schon immer einen vergleichsweise hohen Leerwohnungsstand gehabt. Aber: «Jetzt kommen wir in eine Grössenordnung, die sehr hoch ist.» Es werde nicht einfacher, Wohnungen vermieten zu können. Ihm wäre lieber, wenn weniger neu gebaut würde und stattdessen bestehender Wohnraum renoviert und modernisiert würde.

Robert Weinert, Leiter Immo-Monitoring beim Beratungsunternehmen Wüest Partner, beobachtet die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt. Für den weiter wachsenden Leerwohnungsbestand seien zwei Faktoren verantwortlich: «Die Bautätigkeit ist nach wie vor hoch, auf der anderen Seite ist das Bevölkerungswachstum rückläufig.» Das gelte für die ganze Schweiz.

Über 3000 leer stehende Wohnungen im Thurgau

Bezirk Arbon mit den meisten Leerständen
2017
2018
0200400600800ArbonFrauenfeldKreuzlingenMünchwilenWeinfeldenBezirk

Im Thurgau befeuere ein weiterer Faktor den Leerstand. Rund um die Metropole Zürich werde viel gebaut – auch in Gebieten, in denen jüngst Wohnungsmangel herrschte. Als Beispiel nennt er den Raum Winterthur, aber auch das Zürcher Ober- und Unterland. Weinert sagt: «Damit finden Personen, die früher vielleicht in Weinfelden oder Frauenfeld eine Wohnung gesucht hätten, wieder näher am Arbeitsplatzzentrum Zürich eine Wohnung.» Darauf deutet die Entwicklung der Leerwohnungsziffern hin: In Frauenfeld ist sie innert Jahresfrist von 0,89 auf 1,2 Prozent gestiegen; in Weinfelden von 2,81 auf 3,7 Prozent.

Der Kapitalmarkt ist wenig ergiebig

Die hohe Bautätigkeit führt Weinert auf den sogenannten Anlagedruck zurück. Der Kapitalmarkt ist wegen tiefer Zinsen wenig attraktiv; das Geld ist billig zu haben. Der Wohnungsbau drängt sich da als Anlagemöglichkeit – und zwar für institutionelle wie private Anleger – auf. «Weil es in den vergangenen Jahrzehnten auf dem Immobilienmarkt gut lief, haben die Investoren ein grosses Vertrauen in diesen entwickelt», sagt Analyst Weinert.

Nun gibt es aber erste Anzeichen, dass die Bautätigkeit im Thurgau etwas nachlassen könnte. Darauf deutet eine Erhebung von Wüest Partner hin. «Im vergangenen Jahr wurden im Thurgau Baubewilligungen für 1650 neue Wohnungen erteilt», sagt Robert Weinert. In den Jahren 2015 und 2016 waren es jeweils «deutlich über 2000». Ob dies eine Trendwende sei, könne aber noch nicht gesagt werden. «Es scheint aber so, dass die Leerstandsproblematik eine erste bremsende Wirkung hat.»

Vermieter schaffen Anreize

Zunächst sind aber die Immobilienfirmen gefordert, neue Mieter für die Wohnungen zu finden. «Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt», beobachtet Analyst Robert Weinert. So gebe es Vermieter, die mit technischen Geräten neue Mieter anlocken; andere bieten Extras beim Ausbaustandard. Der beliebteste Anreiz sei aber nach wie vor, neuen Bewohnern die ersten Monatsmieten zu erlassen. Dies sei jeweils eng verknüpft mit einer vertraglich fixierten Mindestmietdauer.

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