Lebensmittelladen in Frauenfeld überfallen: «Das Tatmotiv war finanzielle Not»

Letzte Woche verurteilte das Frauenfelder Bezirksgericht zwei Räuber.

Barbara Hettich
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Softair-waffen kamen beim Überfall zum Einsatz.

Softair-waffen kamen beim Überfall zum Einsatz.

Bild: Chris Iseli

«Heftig, was da vorgefallen ist», sagte die Vorsitzende des Bezirksgerichts Frauenfeld bei der Urteilsverkündung. Ein 36-jähriger Deutscher und ein 19-jähriger Schweizer hatten maskiert und bewaffnet im Oktober 2015 einen portugiesischen Lebensmittelladen in der Kantonshauptstadt überfallen und dabei nicht mehr als wenige hundert Franken erbeutet.

Das Urteil lautet auf 30 Monate Haft

Letzte Woche hatten sich deswegen die beiden Männer vor dem Bezirksgericht zu verantworten. Der ältere wurde zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten unbedingt und einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen verurteilt, der jüngere zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten, einer bedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen und einer Busse über 1400 Franken.

So unterschiedlich die beiden Urteile ausgefallen sind, so unterschiedlich waren auch die beiden Täter. Der heute 40-Jährige hat ein langes Vorstrafenregister, nebst dem Raub wurden ihm unter anderem mehrfacher Diebstahl und mehrfache grobe Verletzungen der Verkehrsregeln zur Last gelegt. Auch nach dem Raub beging er weitere Straftaten, ein deutsches Gericht hat ihn in eine Leipziger Entzugsklinik eingewiesen. An der Gerichtsverhandlung in Frauenfeld konnte er deshalb nicht teilnehmen.

Sein Pflichtverteidiger machte geltend, dass die unbestritten hohe kriminelle Energie auf die Drogensucht seines Mandanten zurückzuführen sei, er sei abhängig von Crystal Meth, dem Teufel aller Drogen. Der Anwalt plädierte für Milde: «Lange Freiheitsstrafen können nicht resozialisieren.» Die von der Staatsanwältin geforderten 34 Monate Freiheitsstrafe (davon 18 bedingt) seien auf 28 Monate (davon 18 bedingt) zu reduzieren. Die zusätzlich geforderte Geldstrafe von 20 Tagessätzen sei sinnlos, da sein Mandant über kein Einkommen und Vermögen verfüge.

Schlechte Prognose für den Einen

Die Staatsanwältin hatte dem 40-Jährigen eine schlechte Prognose ausgestellt. Dem jungen Mann hingegen musste sie zugestehen, dass er sich seither nichts mehr hat zu Schulden kommen lassen. Der heute 23-Jährige arbeitet in einer Gebäudeunterhaltsfirma und hat dort eine zweijährige Lehre zum Unterhaltspraktiker absolviert. «Wir sind alle mega stolz auf ihn», bezeugte seine Arbeitgeberin. Sie helfe ihm zudem, seine Finanzen einzuteilen, damit er aus seinen Schulden herauszukomme.

Finanzielle Not war denn auch der Grund, warum er sich auf den Raub eingelassen habe. «Ich war Mitläufer und mir war nicht bewusst, welche Auswirkungen das haben wird», erklärte der junge Mann dem Gericht. «Es war nicht einfach eine Gehilfenschaft, Sie waren Mittäter, auch wenn Sie bei der Tat nicht federführend waren», hielt die Staatsanwältin dagegen.

«Sie haben den Raub gemeinsam geplant und auch ausgeführt, sie haben die täuschend echt aussehende Softairwaffe auf die Opfer gehalten und damit deren Sicherheitsverständnis beschädigt.»

Der junge Mann hat sich als 19-Jähriger auch kaum um Vorschriften gekümmert, wiederholt lenkte er ohne Fahrerlaubnis einen Personenwagen. Die Staatsanwältin forderte für ihn eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten, eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen und eine Busse von 600 Franken. Sein Anwalt plädierte dafür, die Geldstrafe ebenfalls bedingt zu erlassen, da es dem jungen Mann jetzt schon schwer falle, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen.

Geldstrafe oder Busse, die beiden Straftäter werden ihre Tat in finanzieller Hinsicht noch lange spüren, auch wenn das Gericht in seinem Urteilsspruch auf die finanziellen Verhältnisse der Täter Rücksicht genommen hat. Alleine die Verfahrenskosten belaufen sich für jeden auf rund 12 000 Franken. Dazu kommen Anwaltskosten von mehreren Tausend Franken