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Standort-Kampagne des Kantons hat Erfolg: Pendler suchen vermehrt Jobs im Thurgau

Die kantonale Kampagne «Leben statt pendeln» verlief positiv. Viele Personen meldeten sich danach auf der Stellenplattform an. Dem Wirtschaftsbarometer ist zu entnehmen, dass die Thurgauer Industrie vorsichtig geworden ist.

Larissa Flammer
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Diesen Monat wies das Thurgauer Amt für Wirtschaft und Arbeit Pendler auf die Vorzüge eines Jobs im Kanton hin.

Diesen Monat wies das Thurgauer Amt für Wirtschaft und Arbeit Pendler auf die Vorzüge eines Jobs im Kanton hin.

Bild: PD

Es war nicht das letzte Mal. Das Thurgauer Amt für Wirtschaft und Arbeit wird auch nächstes Jahr wieder eine Aktion zur Kampagne «leben statt pendeln» organisieren. Das sagt Amtschef Daniel Wessner auf Anfrage. «Der Rahmen und der mittlerweile bekannte Slogan werden dieselben sein, aber wir wollen inhaltlich etwas Neues und Überraschendes machen.»

Diesen Frühling startete die Kampagne mit Speeddates zwischen Firmen und Pendlern an Bahnhöfen, diesen Monat wurden die Autofahrer angesprochen: Mit Plakaten wurden Pendler darauf aufmerksam gemacht, was sie bei einem Job in der Nähe mit der gewonnenen Zeit machen könnten. Frühstücken, Freunde bekochen oder den Kindern Gute Nacht sagen zum Beispiel. Auf Park-and-Ride-Plätzen wurden beschriftete Sonnen- und Frostschutzmatten für die Windschutzscheibe verteilt sowie Gespräche geführt.

Daniel Wessner, Leiter Amt für Wirtschaft und Arbeit.

Daniel Wessner, Leiter Amt für Wirtschaft und Arbeit. 

Bild: Andrea Stalder

Wessner bilanziert:

«Wir erhielten von allen Seiten ein sehr gutes Echo. In den Gesprächen haben alle Pendler gut auf die Aktion reagiert und auch die verwendeten Matten wurden gerne angenommen und nicht einfach liegengelassen.»

Die Kampagne «leben statt pendeln» verweist auf das Stellenportal karriere-thurgau.ch. Thurgauer Unternehmen können dort kostenlos Stellenangebote veröffentlichen, interessierte Arbeitnehmer erhalten eine Übersicht. Nach der Aktion diesen Monat haben sich gut 2500 Arbeitnehmer als neue Nutzer registriert, weiss Wessner. Insgesamt hätten sich seither fast 4500 Leute eingeloggt, die durchschnittlich drei Minuten auf der Website geblieben seien. Er folgert: «Viele haben also wirklich nach Jobs gesucht.» Auch auf Facebook sei die Aktion von mehreren tausend Personen beachtet worden.

(Quelle: Kanton Thurgau)

Wirtschaftsbarometer: Industrie ist vorsichtig geworden

Das Umfeld für die Thurgauer Industrie ist schwieriger geworden. Sie spürt die schwächere Weltkonjunktur, heisst es im Thurgauer Wirtschaftsbarometer November 2019, den die Dienststelle für Statistik des Kantons kürzlich veröffentlicht hat. Auch Daniel Wessner vom Thurgauer Amt für Wirtschaft und Arbeit sagt:

«In Gesprächen mit Unternehmen aus der Industrie spüre ich eine zunehmende Zurückhaltung bei der Einschätzung der wirtschaftlichen Aussichten.»

Der Protektionismus, den die USA und China betreiben, schüre Unsicherheit. Und auch weil der Franken wieder zugelegt hat, seien viele Unternehmer in jüngster Zeit vorsichtig geworden. Im dritten Quartal 2019 gingen in der Thurgauer Industrie erneut weniger Bestellungen ein. Auch gewichtige Exportbranchen mussten Rückschläge hinnehmen, etwa für Teile des Maschinenbaus oder die Metallindustrie.

Wessner weist darauf hin, dass schon Ende 2018 die Aussichten nicht allzu gut waren, das Jahr 2019 aber dann doch positiver verlief als erwartet. Es werde spannend zu beobachten, wie das erste Quartal 2020 werde. Auf dem Arbeitsmarkt sei die Situation weiterhin hervorragend, Fachkräfte immer noch dringend gesucht. Der Amtsleiter sagt: «Ich könnte mir vorstellen, dass die Wirtschaft auch 2020 positiver wird als in aktuellen Einschätzungen.»

Detailhandel besser, Tourismus bricht ein

Der Thurgauer Detailhandel blickt auf ein recht erfreuliches drittes Quartal 2019 zurück, heisst es im Wirtschaftsbarometer weiter. Die Branche sei zuversichtlicher, formuliert es Wessner. Er gibt aber auch zu bedenken, dass es viele Betriebe nicht mehr gebe, die Konkurrenz daher kleiner sei. «Und gerade die grossen Rabatte am Black Friday zeigen, dass die Branche hart kämpft.» Sogar kleine Bäckereien würden mit Sonderaktionen an diesem Tag versuchen, Kunden anzulocken. Vor einigen Jahren habe es Rabatte erst nach dem Weihnachtsgeschäft gegeben.

Rabattschlachten wie der Black Friday stehen auch in der Kritik. Der Gegentrend geht in Richtung nachhaltiger Konsum. Dass sich im Thurgau deshalb vermehrt Unternehmen darauf spezialisieren, kann Wessner aber nicht beobachten. Er sagt: «Es gibt Nischen.»

Die Thurgauer Hotel- und Kurbetriebe mussten in den ersten drei Quartalen 2019 bezüglich Logiernächten das niedrigste Ergebnis seit zehn Jahren hinnehmen. Gegenüber der gleichen Periode im Vorjahr sank die Anzahl Logiernächte um 5,6 Prozent. Die genauen Gründe kann Daniel Wessner nicht einschätzen.

Es gibt aber auch erfreuliche Nachrichten für die Tourismus-Branche: Bei den Übernachtungen auf Thurgauer Campingplätzen wird es einen erneuten Rekordwert geben. Bis Ende September wurde bereits häufiger übernachtet als im ganzen Jahr 2018.

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Christian Kamm