Laufmeter für eine halbe Ewigkeit in Stettfurt

Wo früher eine Garage war, steht jetzt der neue Archivraum der Gemeinde. Gut 40000 Franken kosteten Umbau und Einrichten. Dauer: anderthalb Monate.

Tizian Fürer
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Gemeindepräsident Markus Bürgi und Gemeindeschreiberin Janine Bohner im Archiv (Bild:Andera Stalder)

Gemeindepräsident Markus Bürgi und Gemeindeschreiberin Janine Bohner im Archiv (Bild:Andera Stalder)

Auch das Stimmrecht für Frauen war vor langer Zeit ein Thema in der Gemeinde Stettfurt. Dies beweist eine Korrespondenz aus dem Jahre 1971, welche sich mit diesem Thema befasst und mittlerweile mit anderen spannenden Zeitzeugnissen im neuen Archiv der Gemeinde liegt.

Wenige Monate sind verstrichen, seit die Stettfurter ihr Gemeindehaus saniert haben. Im Zuge dieser Erneuerung wurde auch das neue Archiv erstellt: Wenige Meter vom Gemeindehaus entfernt findet sich die Tür zu einem Nebengebäude. «Früher war hier eine Garage», erklärt Gemeindepräsident Markus Bürgi. Sie wurde zu einem kleinen brand- und einbruchsicheren Archivraum umgebaut.

Eine Treppe führt gleich nach der Türe hinab in das abgegrabene Archiv der Gemeinde Stettfurt. Sichtlich stolz präsentiert der Gemeindepräsident den neuen Lagerraum. «Wir haben uns Mühe gegeben, ein Archiv gemäss aktuellem Standard aufzubauen.»

Die guten in Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen

Zwölf Laufmeter Bücher und ganze 64 Laufmeter Ordner sind hier gelagert. Die Akten, die früher im ganzen Gemeindehaus verteilt waren, wurden zusammengesucht, fein säuberlich sortiert und abgelegt. Für die Archivierungsarbeit hat die Gemeindeverwaltung sich Hilfe bei der Archivierungsfirma Fokus AG aus Zürich geholt. «Die meisten Akten können laut Gesetz nach zehn Jahren aussortiert und entsorgt werden», sagt Gemeindeschreiberin Janine Bohner, welche das Projekt operativ geleitet hat, «doch wollten wir die älteren Akten kontrollieren, ehe man sie fortwirft.» Spezialisten lasen jede einzelne Akte und beurteilen, ob sie archivierungswürdig oder zu entsorgen sei.

Als nächstes folgt die Digitalisierung

Etwa anderthalb Monate dauerte der Prozess, der gut 40000 Franken kostete. Die Gemeindemitarbeiter seien sehr zufrieden mit der Arbeit, sagt Bürgi. «Ohne Ordnung kann nichts funktionieren!», sagt der Gemeindepräsident und spricht damit an, dass die Archivierungsarbeit noch nicht fertig ist: Ziel ist es, bis Ende dieses Jahres das ganze Archiv auch digital aufzuzeichnen. Jedes einzelne amtliche Schriftstück der Gemeinde wird gescannt und auf einem Computer abgespeichert. Dies beschleunigt das Heraussuchen von Akten enorm und spart vor allem Lagerort.

Das renovierte Gemeindehaus von Stettfurt (Bild: Reto Martin)

Das renovierte Gemeindehaus von Stettfurt (Bild: Reto Martin)

Die Steuererklärungen der vergangenen 20 Jahre

Begonnen hat die Digitalisierung schon an einigen Orten, wie die Gemeindeschreiberin zeigt. Zum Beispiel haben die Gemeindearbeiter die ganzen Steuererklärungen von diesem Jahr bereits gescannt und digital abgespeichert. «Steuererklärungen darf eine Gemeinde erst nach 20 Jahren entsorgen. Die Ältesten, die wir hier finden können, sind aus dem Jahre 1997/98. Jedes Jahr fällt der älteste Jahrgang weg», erklärt Gemeindeschreiberin Bohner.

Beinahe alle Akten sind im neuen Archiv gelagert. Nur die noch offenen Dokumente haben den Weg nicht ins Lager gefunden. So kommt es, dass die Bauakte des Archivs selbst noch nicht im Archiv zu finden ist.