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Lastwagen-Kontrollen: bei jedem vierten LKW ein Problem

Die Kantonspolizei kontrolliert während 10 000 Stunden pro Jahr den Schwerverkehr.
Die Gefahren reichen von defekten Bremsen bis zu betrunkenen Fahrern, die aus dem Verkehr gezogen werden.
Silvan Meile
Kantonspolizist Matthias Brüschweiler prüft, ob am Lastwagen aus Weissrussland die Abgaswerte manipuliert werden. (Bild: Andrea Stalder)

Kantonspolizist Matthias Brüschweiler prüft, ob am Lastwagen aus Weissrussland die Abgaswerte manipuliert werden. (Bild: Andrea Stalder)

«Deutsch?», fragt der Kantonspolizist und blickt zur Führerkabine des Lastwagens mit weissrussischer Nummer hoch. «Bisschen», entgegnet der gut gelaunte Chauffeur aus Osteuropa, bevor er die Fahrertüre öffnet und mit Dokumenten in der Hand aus seinem Fahrzeug steigt. In Altnau kontrollierte die Thurgauer Kantonspolizei gestern den Schwerverkehr und lud dazu Medien ein. Vom weissrussischen Fahrer bekamen die Thurgauer Polizisten schon beim Aussteigen ein gutes Zeugnis. «Schweiz, keine Probleme», sagt der Fahrer. Er hebt seinen Daumen in Richtung Medienschaffende und gibt ihnen einen Tipp: «Polen: Katastrophe.» In der Schweiz hat er tatsächlich gemahlenen Weisstorf geladen, wie den Papieren zu entnehmen ist, obwohl Torf hierzulande längst nicht mehr abgebaut werden darf. Für die Polizei ist das kein Grund für eine Beanstandung. Die Papiere sind in Ordnung. Seine Ladung fahre er nach Moskau, sagt der Weissrusse. In fünf Tagen sei er dort, mit einer längeren Pause in seiner Heimatstadt Minsk.

Morgens um sechs Uhr mit 1,2 Promille

Rund 10 000 Stunden pro Jahr kontrolliert die Thurgauer Kantonspolizei den Schwerverkehr. Eine Leistungsvereinbarung mit dem Bund verpflichtet sie dazu, erklärt Marcel Rupper, Dienstchef bei der Thurgauer Verkehrspolizei. Der Bund leistet seinerseits eine finanzielle Entschädigung für diesen Aufwand. «Bei jedem vierten Lastwagen müssen wir etwas beanstanden», sagt Ruedi Künzler, Dienstzweigchef Schwerverkehrskontrollen bei der Thurgauer Kantonspolizei.

In Zahlen des vergangenen Jahres heisst das konkret: 856 Strafanzeigen und 418 Ordnungsbussen. «Neben den Führer-, Fahrzeug- und Ladepapieren beurteilen wir auch den Zustand des Fahrers.» Küenzler erinnert sich, wie er morgens um sechs Uhr mal den Fahrer eines Tiertransports mit 1,2 Promille aus dem Verkehr ziehen musste. Und am Tag nach dem Final der Fussball-WM hatte ein Franzose, nachdem er seine Ladung aus Frankreich bereits abgeladen hatte und wieder auf dem Rückweg war, noch immer über ein Promille Alkohol im Blut.

Die Kontrollen laufen immer gleich ab. Die erfahrenen Kantonspolizisten haben ein geschultes Auge, wo eine Unregelmässigkeit auftreten könnte. «Die technischen Kontrollen umfassen eine Auswertung der Fahrtschreiberdaten bezüglich Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten, die Kontrolle des Fahrzeugzustands, etwa der Bremsscheiben oder Reifenprofile, und Überprüfung der Ladungssicherung sowie der Masse und Gewichte», erklärt Küenzler. Es liege ja auf der Hand, welche Gefahr ein bis zu 40 Tonnen schweres Fahrzeug mit defekten Bremsen oder ungesicherter Ladung darstellen könne. Wenn alles in Ordnung ist, dauert die Überprüfung rund eine Viertelstunde. Bei schwerwiegenden Beanstandungen wird eine Weiterfahrt verhindert, bis der Mangel behoben ist.

Mit Händen und Füssen oder Google Translate

Ein Polizist steigt in die Führerkabine des Weissrussen. Die Daten des Fahrtenschreibers werden zeigen, ob die vorgeschriebenen Ruhepausen eingehalten wurden. Mit einer Taschenlampe leuchtet sein Kollege in der Zwischenzeit unter das Fahrzeug. Dem Chauffeur verdirbt das die gute Laune nicht. Er öffnet den Anhänger, damit die Ladung kontrolliert werden kann. Dann prüfen die Polizisten noch, ob ein sogenannter AdBlue-Emulator eingebaut ist, der die Abgaswerte manipuliert. Vor allem Transportunternehmer aus Osteuropa versuchen damit, Kosten zu sparen. Mit Deutsch ist der Chauffeur längst am Ende seines Lateins. «Manchmal kommunizieren wir mit Händen und Füssen», sagt Küenzler. Und wenn das nichts nützt, hat auch schon das Übersetzungsprogramm von Google geholfen. Beim Mann aus Minsk und seinem Lastwagen ist alles in Ordnung. Die zwei Kantonspolizisten halten nun den Verkehr an, damit der Weissrusse sicher zurück auf die Strasse kommt, die ihn nach Moskau bringen soll. «Tschüss», ruft dieser noch aus der Fahrerkabine.

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