LANZENNEUNFORN
«Jede dritte Spargel wächst im Thurgau»: Landwirt Arno Meyer baut Grünspargeln im Tunnel an, damit sie nicht krumm wachsen

Gerade statt krumm: Grünspargeln unter dem Plastiktunnel haben eine bessere Qualität und sind früher auf dem Markt. So baut sie Arno Meyer aus Lanzenneunforn unter Plastiktunneln an.

Ruth Bossert
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Unter diesen Tunnels wachsen die Grünspargeln schneller und gerader.

Unter diesen Tunnels wachsen die Grünspargeln schneller und gerader.

Bild: Ruth Bossert

Auf den Spargelfeldern rund um Lanzenneunforn tut sich etwas. Mit ein paar Helfern baut Arno Meyer auf der Hälfte seiner 7,5 Hektaren, auf denen er Spargeln anpflanzt, Minitunnel auf. Diese helfen ihm, dass seine Grünspargeln im Idealfall zwei bis drei Wochen früher auf dem Markt sind und er pro Kilogramm einen höheren Preis bekommt.

In den vergangenen Jahren sei es meistens aufgegangen, sagt er. Was für ihn aber vielmehr zählt, ist die bessere Qualität der Spargeln. Starker Wind könne die Spargeln nicht krumm wachsen lassen, unter dem Tunnel gebe es weniger Schädlinge und auch weniger Abgang, und deshalb sei der Ertrag höher. Hingegen müsse zu Fuss mit Pflückkorb geerntet werden, und das Anheben und wieder Festmachen der Plastikplanen sei arbeitsintensiv. Meyer sagt:

Arno Meyer, Landwirt.

Arno Meyer, Landwirt.

Bild: Ruth Bossert
«Die Plastikplanen haben seitliche Taschen, die mit Sand gefüllt sind und dadurch schwerer sind, um Wind und Wetter zu trotzen.»

Trotz der warmen Temperaturen habe sich der Boden noch wenig erwärmt. Erst wenn die Tunnels gesetzt sind, setze das schnelle Wachstum ein, sagt Meyer. «Durch den vielen Schnee ist der Boden schön feucht, das ist viel besser als im vergangenen Jahr», sagt er.

Grün- und Bleichspargel sind die gleiche Pflanze

Bis vor zehn Jahren hat Meyer nur Getreide, Mais, Raps und Zuckerrüben angebaut. Als er sich dann nach einer neuen, zusätzlichen Kultur umsah, sei er auf den Grünspargel gestossen, erzählt er. Nicht der erste mit Spargeln ist er heute mit einer durchschnittlichen Ernte zwischen 15 bis 20 Tonnen einer der grössten in der Region. Rudolf Grunder, Geschäftsführer der Landi Hüttwilen, sagt:

«Heute wächst jeder dritte Spargel im Thurgau und bei den Grünspargeln liefert unsere Region fast die ganze schweizerische Jahresernte.»

Auch wenn der Spargel grundsätzlich eine anpassungsfähige Pflanze sei, müssen doch einige Einschränkungen beachtet werden. Spargeln bevorzugen leichte bis mittelschwere, sandig-lehmige Böden, die tiefgründig sind, eine gute Wasserführung aufweisen und einen neutralen pH-Wert haben, sagt Meyer. Weil die Böden auf dem Seerücken eher schwer seien, dominieren hier Grünspargel. Physiologisch seien Grün- und Bleichspargeln ähnlich. Letztere wachsen unterirdisch und bleiben daher weiss, der Grünspargel wächst über der Erdoberfläche und werde deshalb grün.

Meyer pflanzt seine Spargeln mit einer Maschine an, welche mit einem Doppelband für Doppelreihen ausgerüstet ist. Die Wurzeln werden auf einem Betrieb in Deutschland gerodet und dann in Säcken abgepackt, der Landi Hüttwilen geliefert, der sie an die Produzenten in der ganzen Schweiz verteilt.

Spargeln lieben lockere Böden

Die Pflanzung erfolgt im April bis spätestens Mitte Mai. Die Triebknospen werden in die Furchenmitte in zehn Zentimeter Tiefe gelegt. Die Wurzelrhizome werden in der Längsrichtung ausgelegt, weil die Pflanzen in den Jahren in der Reihe wandern. Meyer rechnet je nach Standort mit 200 bis 250 Pflanzen pro Are. Der Boden müsse zwischen den Reihen durch flaches Hacken unkrautfrei gehalten werden. Spargeln lieben lockeren, luftigen Boden.

Arno Meyer kontrolliert den Boden, wo später Spargeln wachsen.

Arno Meyer kontrolliert den Boden, wo später Spargeln wachsen.

Bild: Ruth Bossert

Meyer düngt sein Spargelfeld erst nach der Ernte. Die Grunddüngung erfolge mit Kompost eines regionalen Produzenten. Zur Ergänzung oder wenn der Boden nicht mit schweren Maschinen befahrbar sei, werde ein Handelsdünger eingebracht. Pilzerkrankungen können trotzdem auftreten. Durch Düngung werde Stickstoff in drei Gaben verabreicht: zu Vegetationsbeginn, bei Ernteschluss und Ende Juli.

Vollertrag ab dem vierten Jahr

Die ersten Spargeln können erst im dritten Anbaujahr geerntet werden. Den Vollertrag erreiche man aber erst ein Jahr später, sagt Meyer. Die Erntezeit zwischen Mitte/Ende April bis Mitte Juni werde kurz gehalten, damit die Pflanze nicht vollständig erschöpft werde. Sobald die Spargeln 20 Zentimeter lang sind, werden sie mit einem Messer bodennah abgeschnitten. Meyer und seine Erntehelfer, die er sich mit einem Obstbauer aus der Region teilt, ernten mit Maschinen, zumindest die Hälfte seiner Parzelle, welche nicht unter den Plastiktunneln wachsen. Meyer sagt:

«Mit den sechs elektrisch betriebenen Maschinen lässt sich ganz klar Zeit einsparen.»

Trotzdem möchte Meyer nicht mehr auf die Folientunnel verzichten und will vorläufig bei beiden Erntemethoden bleiben. «Die hervorragende Qualität, die frühe Ernte und dadurch der höhere Preis, den ich mit den Tunneln erreiche, machen die Mehrarbeit wett», sagt er überzeugt.

Nach der Ernte ist vor der Ernte

Der durchschnittliche Ertrag pro Quadratmeter liege bei ungefähr 300 Gramm. Es sei auf kontinuierliches Triebwachstum zu achten. Dieses finde bei Temperaturen ab zehn Grad statt. Ideale Wachstumsbedingungen liegen zwischen 20 und 29 Grad Celsius. Je höher die Tagestemperaturen seien, desto grösser sei das Wachstum.

Nach der Ernte beginnen bereits die Vorbereitungen für die nächste Spargelsaison. Meyer bewässert seine Spargeln nicht. Er müsste das Wasser über Hydranten beziehen, was zu teuer und seines Erachtens auch nicht nötig wäre. Er sagt:

«Bei einem Verlust des Spargelkrautes im Sommer durch Hagel kann im nächsten Jahr bis zu 50-prozentigem Verlust entstehen.»

Sonst lasse die Sommerzeit der Spargelpflanze Zeit, Sonnenenergie zu tanken und ihre Reservestoffe wiederaufzubauen. Diese habe sie in den Wurzeln eingelagert und stärke sie, damit im kommenden Jahr eine neue, erfolgreiche Ernte erwartet werden könne.