«Wir haben ein eher langweiliges Budget»: Wängi bittet seine Bürger an die Urne und verzichtet auf die Gemeindeversammlung

Der Wängemer Gemeinderat budgetiert tiefere Steuereinnahmen und sagt die Gemeindeversammlung ab.

Olaf Kühne
Drucken
Teilen
Trotz einem Minus im Gemeindebudget muss Wängi die Fahnen nicht auf Halbmast setzen.

Trotz einem Minus im Gemeindebudget muss Wängi die Fahnen nicht auf Halbmast setzen.

Bild: Olaf Kühne

Eine Nachtübung wäre die Wängemer Gemeindeversammlung nicht geworden. So waren schon im vergangenen Jahr die Budgets von Schule und Gemeinde sowie weitere Traktanden bereits um 20.35 Uhr im Trockenen. Für die auf den 3. Dezember angesetzte Gemeindeversammlung hatte der Gemeinderat gar nur zwei Einbürgerungen und das Budget 2021 traktandiert.

Zu einem wahrscheinlichen neuen Geschwindigkeitsrekord in Versammlungsführung wird es nun aber nicht kommen. Wie in zahlreichen anderen Gemeinden auch, haben in Wängi Gemeinderat und Schulbehörde entschieden, coronabedingt auf eine Versammlung ihrer Stimmbürger zu verzichten. Stattdessen unterbreiten sie ihre Budgets nun am 20. Dezember an der Urne.

Thomas Goldinger Gemeindepräsident Wängi

Thomas Goldinger
Gemeindepräsident Wängi

(Bild: Olaf Kühne)

Der Entscheid, die Versammlung abzusagen, sei leichtgefallen, berichtet Gemeindepräsident Thomas Goldinger aus dem Gemeinderat. «Eine Bürgerversammlung ist zwar der ideale Ort, um ein Geschäft zu diskutieren», sagt er. «Aber für 2021 haben wir ein eher langweiliges Budget erstellt. Zudem haben wir als Behörde auch eine Vorbildfunktion.» So «langweilig» das Wängemer Budget 2021 auch sein mag, einige Anmerkungen hat Goldinger im Gespräch mit unserer Zeitung dann aber doch. So hatte die Coronapandemie bereits Auswirkungen auf die budgetierten Steuereinnahmen. Zwar sagt Goldinger: «Bezüglich Steuern leben wir in Wängi mehrheitlich von den Privatpersonen.» Weil der Gemeinderat aber davon ausgeht, dass auch zahlreiche Wängemer im auslaufenden Jahr in Kurzarbeit waren, hat er die Steuereinnahmen drei Prozent oder 135000 Franken tiefer als für 2020 budgetiert. Im Sozialbereich hingegen geht die Behörde davon aus, dass sich die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erst später auf den Gemeindehaushalt auswirken werden.

Weil aber so oder so Sparen angesagt ist, und deshalb auf der Wängemer Gemeindeverwaltung wohl kaum jemand mit einer Lohnerhöhung rechnen würde, betont FDP-Mann Goldinger dennoch: «Für unser Personal gibt es eine Nullrunde.»

Wie schon wiederholt in der Vergangenheit, budgetiert Wängi ein Defizit – für 2021 in Höhe von 540000 Franken. Doch während bis anhin der effektive Rechnungsabschluss dann doch ein Plus auswies, könnte dies kommendes Jahr anders aussehen. Den Steuerfuss will der Gemeinderat dennoch bei 49 Prozent belassen. «Für das Thema warten wir ab, wie wir 2021 tatsächlich abschliessen werden.»

Die Investitionsrechnung schliesslich schrumpft nach einem «teuren» 2020 mit Sanierung des Gemeindehauses und Neubau der Heiterschenbrücke im kommenden Jahr wieder auf das gewohnte Niveau von unter zwei Millionen Franken.