Landwirtschaft
«Nachhaltig und enkeltauglich»: Gutsbetrieb Schloss Herdern stellt auf regenerative Landwirtschaft um

Zeitenwende in der Landwirtschaft: Schloss Herdern verabschiedet sich von der konventionellen Landwirtschaft und stellt auf eine tierfreundliche, regenerative Landwirtschaft um. «Es ist eine Zäsur in der Geschichte der über 125-jährigen Institution», erzählt Geschäftsführer Armin Strom.

Christof Lampart
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Informieren auf dem Gutsbetrieb über regenerative Landwirtschaft: Armin Strom, Geschäftsleiter Schloss Herdern, Peter Furger, Leiter Landwirtschaft, Ueli Rothenbühler, Geschäftsführer der EM Schweiz AG, sowie Berater und Experte Gerhard Weisshäupl.

Informieren auf dem Gutsbetrieb über regenerative Landwirtschaft: Armin Strom, Geschäftsleiter Schloss Herdern, Peter Furger, Leiter Landwirtschaft, Ueli Rothenbühler, Geschäftsführer der EM Schweiz AG, sowie Berater und Experte Gerhard Weisshäupl.

Bild: Ralph Ribi

Der Wechsel vom konventionellen Anbau zur regenerativen Landwirtschaft sei «ganz sicher ein Schritt in die richtige Richtung», betonte Schloss Herdern-Geschäftsführer Armin Strom am Mittwoch bei einer Medienorientierung. Es ist vor allem aber auch «eine Zäsur», denn das Schloss Herdern kannte Zeit seines Bestehens nur eine Art, Lebensmittel anzubauen, auf konventionelle Art und Weise. Doch damit ist nun Schluss. Strom sagt:

«Wir haben uns ganz bewusst für die Abkehr von der konventionellen Landwirtschaft entschieden und gehen nun in Richtung einer naturnahen Ausrichtung im Sinne einer regenerativen Landwirtschaftsstrategie mit wenig Pestizideinsatz und naturnaher Produktion.»
Armin Strom, Geschäftsleiter Schloss Herdern.

Armin Strom, Geschäftsleiter Schloss Herdern.

Bild: Ralph Ribi

Warum setzt das Schloss Herdern dann aber nicht gleich auf eine rein biologische Produktion? «Aus einem ganz einfachen Grund: Für unsere Mitarbeitenden, die bis anhin über Jahrzehnte hinweg nur konventionell angebaut haben, wäre dieser Schritt zu gross.» Schloss Herdern habe in der regenerativen Landwirtschaft eine Form gefunden, die von den Mitarbeitenden mitgetragen werde.

Gutsbetrieb Schloss Herdern

Schloss Herdern mit seiner über 125-jährigen Geschichte betreibt Milchwirtschaft inklusive Käseherstellung, Viehzucht, Ackerbau, Obst- und Gemüseanbau. 15 Mitarbeitende, 2 Lernende und 14 Klienten bewirtschaften eine Anbaufläche von 112 Hektaren sowie 78 Hektaren Wald und drei Hektaren Rebberg. Die Landwirtschaft liefert die Rohstoffe für die Herstellung von Eigenprodukten. (art)

Gesunder Boden als Grundlage für alles

Den ersten Workshop leitete am Mittwoch der österreichische Biobauer Gerhard Weisshäupl, der als einer der Pioniere der regenerativen Landwirtschaft gilt. Dieser betonte, dass ein gesunder Boden die Grundlage für alles sei. Er meint:

«Wenn der Boden gesund ist, dann sind es die Produkte auch und wir müssen uns nachher nicht über Krankheiten unterhalten.»
Gerhard Weisshäupl, Berater und Experte für regenerative Landwirtschaft.

Gerhard Weisshäupl, Berater und Experte für regenerative Landwirtschaft.

Bild: Ralph Ribi

Dass man sich über die Jahre hinweg sogar zu einem Biobetrieb entwickle, sei nicht ausgeschlossen, bemerkte Ueli Rothenbühler, Geschäftsführer der EM Schweiz AG, welche den Wechsel von der konventionellen zur regenerativen Landwirtschaft mit Beratungen und Workshops begleitet. EM steht für Effiziente Mikroorganismen und zeigt an, wo die regenerative Landwirtschaft ansetzt. «Durch die regenerative Behandlung mit Mikroorganismen werden Biogas-Substrate so optimiert, dass ein wertvoller Dünger entsteht, der nicht nur pflanzenverträglicher ist, sondern auch das gesamte Bodenleben und den Humusaufbau fördert und stabilisiert», sagte Rothenbühler.

Kalb soll künftig bei Mutterkuh bleiben

Peter Furger, Leiter Landwirtschaft auf Schloss Herdern.

Peter Furger, Leiter Landwirtschaft auf Schloss Herdern.

Bild: Ralph Ribi

Einen weiteren Vorteil dürfte in der Zwischenzeit ganz Herdern festgestellt haben: «Die so veredelte Gülle stinkt bei der Austragung aufs Feld nicht mehr; davon haben alle im Dorf etwas», freute sich der Leiter des Gutsbetriebs Peter Furger. Generell verfolgt der Gutsbetrieb, der in naher Zukunft einer der grössten Schweizer Betriebe für regenerative Landwirtschaft sein dürfte, einen kompletten Kreislauf nach dem «Milch-Käse-Schotte-Gülle-Energie»-Prinzip.

Einen Meilenstein will Schloss Herdern auch mit der tierfreundlichen, muttergebundenen Kälberaufzucht setzen. Strom sagte: «Somit kann das Kalb eine natürliche Beziehung zur Mutter leben, obwohl die Kuh weiter gemolken wird.»