Landwirtschaft
«In der Natur gibt es keine Monokulturen»: Regenerative Landwirtschaft auf dem Hof eines ehemaligen Rockmusikschülers

Markus und Jürg Weber betreiben auf ihrem Landwirtschaftsbetrieb Birkenhof in Diessenhofen regenerative Landwirtschaft. Es geht darum, ganzheitlich zu produzieren. Die Brüder bieten ausserdem einen Gemüselieferservice an, jeweils an drei Tagen pro Woche.

Ruth Bossart
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Jürg und Markus Weber mit den Pensionspferden.

Jürg und Markus Weber mit den Pensionspferden.

Bild: Ruth Bossart

Der Hofplatz des Landwirtschaftsbetriebs von Markus Weber ist das Herzstück. Auf der einen Seite steht der Kuhstall, der umgebaut wurde und heute Pensionspferden beherbergt. Auf der anderen Seite stehen die Scheune, das Wohnhaus und das Elternhaus. Fotovoltaikanlagen auf den Dächern der Betriebsgebäude liefern mit ihren 1740 Quadratmetern durchschnittlich 280'000 Kilowattstunden Strom pro Jahr.

Für Markus Webers Bruder Jürg waren die vergangenen Monate streng. Er kümmert sich um den Gemüsebau auf dem Birkenhof. «Die Pflanzzeit im Frühjahr ist streng und braucht viel Zeit», sagt er. Die tiefen Temperaturen und der Regen haben ihm schlaflose Nächte beschert. Ausserdem kümmerte er sich um das neu angeschaffte unbeheizte Treibhaus. Der Einsatz hat sich gelohnt: In Reih und Glied stehen Tomaten, Auberginen, Chilis und Peperonis. Die Lüftung funktioniert automatisch, indem die Seitenwände angehoben werden. Jürg Weber sagt:

«Für die Vielfalt an Gemüse sind wir auf das Treibhaus angewiesen.»

Er ist weiter verantwortlich für Marketing und Verkauf und weiss aus seiner langjährigen Arbeit bei der Landi, was sich die Kunden wünschen.

Mit natürlichen Prozessen arbeiten

Markus Weber hat, wie sein jüngerer Bruder, eine landwirtschaftliche Ausbildung gemacht. Nach Weiterbildungen im Handel und Verwaltung besuchte er in Los Angeles eine Pop- und Rockschule und übernahm 2001 den Hof seiner Eltern. Er betrieb auf 27 Hektaren Milchwirtschaft und Ackerbau. Durch seine Ex-Frau kam er zu den Pferden. Seit 2008 ersetzten Pensionspferde die Milchkühe. Weber suchte immer nach ganzheitlicheren Methoden für die landwirtschaftliche Arbeit. Als er auf das System der regenerativen Landwirtschaft stiess, besuchte er einen Bodenkurs der deutschen Pioniere Dietmar Näser und Friedrich Wenz.

Birkenhof: Fermentiertes Gemüse als Spezialität

Auf dem Birkenhof von Markus Weber in Diessenhofen werden auf 27 Hektaren Betriebsfläche Kartoffeln, Mais, Weizen, Dinkel, Sonnenblumen und Ackerbohnen gepflanzt. Für den Futterbau gibt es Wiesen, Weiden und extensive Wiesen. Im Gemüseanbau pflanzt Jürg Weber Freilandgemüse, Spargeln, Rhabarber und im neuen Treibhaus Tomaten, Chili, Peperoni, Zucchetti und Gurken an. Als Spezialitäten gibt es fermentiertes Gemüse in verschiedenen Variationen im Glas und Rhabarbersaft sowie Fruchtaufstrich vom Hof. Hecken und Hochstammobstbäume gehören ebenfalls zum Betrieb. Zudem leben auf dem Hof rund 20 Pensionspferde, ein Dutzend Hühner und Hund Merlo. (rb)

Dort lernte Markus Weber den Prozess zur biologischen Vielfalt, gesunden Böden und einem geringen, bis gar keinen Einsatz von Spritzmitteln. Seit 2017 produziert er nach biologischen Richtlinien und seit ein paar Jahren werden Kurse der beiden deutschen Agronomen zur regenerativen Landwirtschaft auf dem Birkenhof durchgeführt. Markus Weber erzählt:

«Das Netzwerk innerhalb der Teilnehmenden wächst und es ist wertvoll, dass ein Betrieb in unmittelbarer Nachbarschaft sich ebenfalls auf diesen Weg macht.»

Als sich sein Bruder Jürg nach zwanzig Berufsjahren entschied, sein Pensum zu reduzieren und sich auf dem Birkenhof mit dem Anbau von Gemüse für die Lebensmittelproduktion einzusetzen, erfüllte sich ein grosser Traum.

CO2 dauerhaft in den Boden bringen

Natürliche Umgebungen sind immer vielfältig, sagt Markus Weber. Und sein Bruder ergänzt: «In der Natur gibt es keine Monokulturen.» Ganz nach diesem Prinzip wird auf dem Birkenhof gearbeitet. Die Äcker werden vielfältig bepflanzt, Mischkulturen, Untersaaten und Zwischenfrüchte mit mehreren Arten fördern ein vielfältiges und stabiles Bodenleben. Davon profitieren Bakterien, Pilze und Regenwürmer – wichtige Komponenten eines durch und durch gesunden Bodens. Aber auch die Erde oberhalb profitiere davon, erzählen die Brüder.

Markus und Jürg Weber im Treibhaus.

Markus und Jürg Weber im Treibhaus.

Bild: Ruth Bossart

Wichtig sei, dass man nicht nur von Biodiversität spreche, sondern sie auch ermöglicht. Die regenerative Landwirtschaft bringe CO2 dauerhaft zurück in die Böden. Dies wiederum bildet die Grundlage für eine ertragsreiche und rentable Landwirtschaft und sei nicht zuletzt auch entscheidend für die Ernährungssicherheit der Bevölkerung. Jürg Weber spricht von einer Verantwortung gegenüber der Kundschaft, aber auch gegenüber den nächsten Generationen und der Natur.

Die Brüder haben wenig Personal. Bei den Pensionspferden und im Gemüsebau arbeitet je eine Person in Teilzeit. Jürg arbeitet in einem Teilzeitpensum, Markus ist vollzeitlich auf dem Hof. Auch die Eltern helfen mit. Auf den Sommer wurde ein regionaler Gemüse-Lieferservice eingeführt. Die Auslieferung per E-Bike wird vom Vater der beiden Brüder, Walter Weber sichergestellt. Das Informationswesen und die Bestellungen erfolgen digital. Per Threema oder Whatsapp kann bis zu dreimal wöchentlich an drei Erntetagen bis morgens um sechs Uhr bestellt werden. Das Gemüse wird anschliessend auf dem Hof geerntet, kommissioniert und ab elf Uhr kann es auf dem Hof in der Kühlzelle oder ab 13 Uhr auf dem Biohof Trottengarten in Stammheim sowie in Hüttwilen abgeholt werden.

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