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Kommentar

Ja zum Landverkauf im Frauenfelder Sonnmatt-Quartier, Nein zu Fake News

Schaffung von Arbeitsplätzen, Einnahme von zusätzlichen Steuerfranken und adäquate Zonenkonformität: Diese Vorteile überwiegen beim Landverkauf an den Reiseveranstalter Twerenbold im Frauenfelder Sonnmatt-Quartier, worüber das Stimmvolk am 10. Februar abstimmt.
Samuel Koch
Die Visualisierung zeigt die Dimensionen des geplanten Reiseterminals samt Wohnüberbauung entlang der Schaffhauserstrasse (Pappelallee) mit Sicht aus Westen. (Bild: PD/Architektur Strut)

Die Visualisierung zeigt die Dimensionen des geplanten Reiseterminals samt Wohnüberbauung entlang der Schaffhauserstrasse (Pappelallee) mit Sicht aus Westen. (Bild: PD/Architektur Strut)

Ein umstrittenes Grundstück im Westen Frauenfelds polarisiert und dominiert seit Tagen und Wochen nicht nur Stammtischgespräche. Am 10. Februar befindet das Stimmvolk über den Landverkauf der städtischen Liegenschaft an der Ecke Sonnenhof-/Schaffhauserstrasse an Twerenbold in Höhe von 5,7 Millionen Franken.

Sofern an der Urne ein Ja resultiert, will der Reiseveranstalter aus dem aargauischen Baden auf dem rund 9500 Quadratmeter grossen Grundstück für 30 Millionen Franken unter anderem ein Betriebsgebäude mit Büros, eine Careinstellhalle mit Reiseterminal, ein Parkhaus sowie eine Wohnüberbauung realisieren.

Es ist wichtig und richtig, dass Abstimmungsvorlagen im öffentlichen Diskurs stehen. Dass Landverkauf-Gegner mobilisieren, Meinung machen und Emotionen ins Spiel bringen, ist ihr gutes Recht. Hingegen fragwürdig und unseriös mutet an, dass Widersacher mit teils manipulativen Falschmeldungen argumentieren und damit Fake News verbreiten. Dass Reiseterminals landesweit nur in Industriezonen stehen, ist falsch. Dass den Anwohnern – die zurecht Lärm und Mehrverkehr fürchten – ein 24-Stunden-Betrieb blüht, ist unwahr.

Dass Twerenbold keinen einzigen Steuerfranken in die Frauenfelder Stadtkasse abliefern wird, ist frei erfunden. Laut dem Gesetz über Staats- und Gemeindesteuern berappen juristische Personen über das sekundäre Steuerdomizil und einer Aufteilung gemäss Interkantonaler Steuerausscheidung dort Fiskalbeträge, wo sie Betriebsstätten führen – selbst wenn das Hauptsteuerdomizil von Twerenbold in Baden bleibt.

Frauenfeld tut gut daran, das seit über 30 Jahren brachliegende Grundstück zu veräussern. Wer sich entwickeln will, braucht Mut und Wandel. Genau das verfolgt der Stadtrat mit der Ansiedlung einer wachsenden Firma in einer boomenden Branche, die mit ihren Fahrten in Zeiten steigender Angst rund um den Klimawandel noch eine der ökologisch sinnvolleren Reisen anbietet.

Die Schaffung von mindestens 60 neuen Arbeitsplätzen überzeugt, denn Frauenfeld soll nicht nur zum Wohnen attraktiv sein, sondern auch zum Arbeiten. Und das hiesige Gewerbe darf mit Aufträgen liebäugeln, auch weil Twerenbold weder eine Tankstelle noch eine Werkstatt plant. Diese Vorzüge erkannte übrigens auch die deutliche Mehrheit des Gemeinderats (25 Ja gegenüber 9 Nein bei zwei Enthaltungen).

Dass es auch kleinere Schönheitsfehler gibt, ist nicht von der Hand zu weisen. Gerade in der Hauptsaison zwischen März und Oktober sowie im Dezember und vermehrt an Wochenenden dient der Reiseterminal als Knoten für mehrtätige Rundreisen. Busse wie auch PKWs fahren aufs Gelände und wieder weg, was unweigerlich zu Mehrverkehr führt. Verglichen mit den durchschnittlich 7700 Fahrzeugen jeden Tag auf der Schaffhauserstrasse ist eine Zunahme von täglich maximal 400 Fahrzeugen aber vergleichsweise verkraftbar.

Die Anfahrt sämtlicher Busse erfolgt nach vertraglicher Abmachung über die Schaffhauserstrasse. Eine Garantie, dass keiner der PKWs über die Sonnenhofstrasse anfährt, gibt es nicht. Wer sich jedoch mit Hilfe von elektronischen Hilfsmitteln zum Reiseterminal navigieren lässt, kommt zum Schluss, dass die Autofahrer grossmehrheitlich über die Schaffhauserstrasse anreisen werden. Übrigens hätte eine reine Wohnsiedlung statt des Reiseterminals eine wesentlich grössere Zunahme von Mehrverkehr zur Folge.

Die Gegnerschaft argumentiert mit der Beeinträchtigung des Naherholungsgebiets Burgerholz mit dem Robinsonspielplatz sowie dem Schulweg für Kinder und Jugendliche. Direkt daneben führt die Autobahn A7 vorbei mit täglich weit über 30'000 Fahrzeugbewegungen. Rundherum domiziliert sind Gewerbe und Industrie wie die Zuckerfabrik oder X-Bau. Die Befürchtungen, dass umliegende Anwohner tagtäglich um ihren Schlaf gebracht werden, ist unbegründet. Wieso sollte ein Bauherr in einer Überbauung 32 Wohnungen im Minergie-Standard planen, wenn er selber davon ausginge, dass der Lärm für Mieter oder Käufer nicht zumutbar wäre?

Auf dem Grundstück, das sich annähernd hälftig in Wohn- und Gewerbezone sowie reine Gewerbezone teilt, könnte für einen Mischbau aus Terminal und Wohnbau optimaler nicht sein. Das von der Grösse her vergleichbare Land in der östlichen Industriezone Im Alexander wäre zwar verkehrstechnisch ebenso gut erschlossen. Ob sich hingegen Wohnungssuchende neben der Paketpost niederlassen, darf angezweifelt werden.

So preisgünstig wie in Genossenschaftswohnungen kommen Mieter in der geplanten Wohnüberbauung nicht davon. Kritik, wonach sich die Stadt nicht um die Förderung von preisgünstigem Wohnraum einsetzt, gilt trotzdem nicht. Im Sonnmatt unweit entfernt sind 80 Genossenschaftswohnungen geplant. Dass die Schulgemeinde als Eigentümerin der benachbarten Parzelle auf Realersatz pocht und eine übergeordnete Planung verunmöglicht, ist nicht dem Stadtrat anzukreiden.

Veränderungen brauchen Courage. Und es braucht die Einsicht, dass die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Einnahme von zusätzlichen Steuerfranken und die adäquate Zonenkonformität für dieses Grundstück als Gesamtpaket einen nicht überbietbaren Wert haben. Als i-Tüpfelchen wäre es dem Stadtrat allenfalls gut zugestanden, statt des einmaligen Gewinns durch den Landverkauf eine Abgabe im Baurecht anzustreben. Trotzdem ist ein Ja für den Landverkauf die beste Lösung für ein weltoffenes, fortschrittliches und tolerantes Frauenfeld. Denn die Stadt darf nicht das gefährliche Zeichen aussenden, dass Firmenansiedlungen unerwünscht sind.

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