Laichfischfang auf Felchen im Bodensee muss erstmals abgesagt werden

Die Felchen weisen in diesem Herbst so wenig Energie wie noch nie seit Beginn der Messungen auf und das Verhältnis von Eimenge zu Fischgewicht ist historisch niedrig. Der Laichfischfang, der den Berufsfischern oft noch die Saison gerettet hat, muss dieses Jahr abgesagt werden.

Larissa Flammer
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Eine frisch gefangene Felche auf dem Bodensee. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Eine frisch gefangene Felche auf dem Bodensee. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Immer Ende Jahr fahren die Berufsfischer für den Laichfischfang auf den Bodensee. Eigentlich läuft während dieser Jahreszeit die Schonfrist. Doch während einiger weniger Tagen, wenn ein Grossteil der Felchen und Gangfische laichreif sind, haben die Fischer zu tun. Sie fangen Fische und streifen mit sanftem Druck auf die Bauchhöhle die Eier und Samen aus den Tieren.

«Noch auf den Schiffen befruchten sie die Eier und liefern sie danach bei den Brutanstalten ab»

erklärt Roman Kistler, Amtsleiter der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung. Im Frühling wird die Brut dann in den See entlassen. Dadurch erwartet man eine Stabilisierung der jährlichen Erträge.

Eine Bodenseefelche mit Laich. Während des Laichfischfangs wird der Laich am lebenden Fisch mit sanftem Druck auf die Bauchhöhle abgestreift. (Bild: Luca Linder)

Eine Bodenseefelche mit Laich. Während des Laichfischfangs wird der Laich am lebenden Fisch mit sanftem Druck auf die Bauchhöhle abgestreift. (Bild: Luca Linder)

Voraussetzung für den Laichfischfang ist die Freigabe durch eine Arbeitsgruppe der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF). Diese organisiert im Vorfeld Versuchsfänge, um den Zeitpunkt, zu dem die Felchen gleichzeitig laichen, zu erkennen. In diesem Jahr musste der Laichfischfang jedoch zum ersten Mal seit 1964 abgesagt werden, wie die IBKF mitteilt. Während der Versuche wurden nur sehr wenige laichreife Fische gefangen.

Bodensee hat immer noch relativ hohe Temperaturen

Im Durchschnitt der vergangenen Jahre war ein Grossteil der Tiere jeweils etwa am 8.Dezember laichreif, wie Kistler sagt. Warum es in diesem Jahr keinen gemeinsamen Laichzeitpunkt gab, ist nicht klar.

Die IBKF äussert in ihrer Mitteilung einige Vermutungen. So war das Futterangebot für die Felchen das ganze Jahr über ungenügend. Das Wasser weise einen niedrigen Nährstoffgehalt auf und die steigende Anzahl Stichlinge könnte ihnen die Nahrung wegfressen. Kistler sagt:

«Die vielen Hitzetage in diesem Jahr könnten auch eine Rolle gespielt haben.»

Felchen laichen bei niedrigen Temperaturen, der Bodensee weise aber immer noch eine relativ hohe Temperatur auf. Dass der Zeitpunkt, an dem die meisten Fische laichen, noch kommt, hält Kistler für unwahrscheinlich: «Ein recht grosser Teil der Fische ist schon verlaicht.» Nur sei das verzettelt über einen längeren Zeitraum geschehen.

Berufsfischer erleiden wirtschaftlichen Verlust

Nachdem die Fischer den Tieren den Laich abgestreift haben, werden diese getötet und verkauft. In einem schlechten Jahr – wie es 2018 war – könnte dieser Fang prozentual noch viel ausmachen. Dass er nun ausfällt, ist für die Berufsfischer ein wirtschaftlicher Verlust, sagt Kistler. Der Entscheid sei aber richtig gewesen.

In der Medienmitteilung heisst es auch: «Die anwesenden Vertreter der Berufsfischerei unterstützen den Beschluss.» Wie der Thurgauer Amtsleiter ergänzt, müssen auch die Kunden akzeptieren, dass im Moment keine Bodenseefelchen erhältlich sind.

Die Fische aus den Brutanlagen fehlen im See

Noch nie in den vergangenen 38 Jahren ist während der Laichfischerei weniger als insgesamt 2000 Liter Laich von Blaufelchen und Gangfischen gewonnen worden. Die Fische aus den Brutanlagen kamen zwar immer nur zusätzlich zur natürlichen Verlaichung, wie Kistler betont. Doch sie werden 2019 im Bodensee fehlen. Wie sich der Fischbestand entwickelt, muss sich zeigen.

Der Amtsleiter weiss noch nicht, welche Massnahmen nun ergriffenen werden. Die aussergewöhnliche Situation werde aber sicher für Diskussionen sorgen. Kistler sagt:

«Das biologische System können wir nicht beeinflussen.»

Vielleicht werde man früher oder länger Versuchsfänge durchführen, um dem Laichverhalten besser auf die Spur zu kommen.

Etwa 70 Berufsfischer nehmen jeweils teil

Für die Laichfischerei erhalten die Berufsfischer genaue Vorgaben: die Netzzahl, die verwendende Maschenweite und die Einsatztage. Alle Fischer, die ein entsprechendes Patent haben, sind prinzipiell zur Teilnahme an der Laichfischerei verpflichtet. In den vergangenen Jahren nahmen etwa 70 Berufsfischer teil. Dies ist Informationen zu entnehmen, die der Kanton Thurgau am Mittwoch verschickte.