Diessenhofen wird zum Mekka für Kunst

Am Wochenende präsentierten im Rahmen der Ausstellung «Offene Ateliers» 21 Künstler an acht Standorten ihre Werke. Ein Besuch in Diessenhofen macht die Vielfalt deutlich. Nebst Bildern gab es auch Skulpturen und Kurzfilme zu sehen.

Dieter Ritter
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Eine gemalte Geschichte: Künstler Joachim Mierisch vor seinem Bild mit dem Titel «Lebensweg». (Bild: Bilder: Dieter Ritter)

Eine gemalte Geschichte: Künstler Joachim Mierisch vor seinem Bild mit dem Titel «Lebensweg». (Bild: Bilder: Dieter Ritter)

Im Rathauskeller zeigte Erich Milz aus Diessenhofen Skulpturen und Bilder. Er ist Initiator des jährlichen Anlasses «Offene Ateliers». Im gleichen Raum konnten Werke von Monika Sommerhalder aus Feuerthalen und Rolf Neuweiler aus Büsingen (D) bewundert werden. Sommerhalder ist Kunstmalerin und Neuweiler stellt bunte Fantasie-Gebilde aus Keramik her.

Im Rathaus-Saal zeigte Joachim Mierisch aus Steckborn gemalte Geschichten. Mit ihren klaren Farben sind seine Werke äusserst dekorativ.

«Meine Bilder regen zu Diskussionen an. Das gibt mir Inputs für neue Interpretationen»

sagte er. Im Foyer zum Rathaussaal waren nebst Bildern auch Drechslerarbeiten von Erhard Kieper aus Gailingen (D) ausgestellt. Seine Schöpfungen sind schön und praktisch. Er stellt Gewürzmühlen aus Olivenholz her, das er selbst importiert.

Kay Christinger lud in ihr Einfamilienhaus an der Höhenstrasse ein. Sie malt Tiere und Landschaften aus Südafrika.

«Obwohl ich seit vielen Jahren in Diessenhofen wohne, sind meine Bilder von meiner Heimat Südafrika inspiriert»

sagte sie.

Leonardo da Vinci und der Mond

Thema in der ehemaligen Tigerfinkli-Fabrik an der Steinerstrasse war der Mond. Die Ausstellung «Leonardo Lunatic» von Andrea Buck und ihrem Lebenspartner Fritz Franz Vogel zeigt Darstellungen des Mondes im Zusammenhang mit Leonardo da Vinci. Hinter einer mit Goldpapier überzogenen Wand war ein kleines Kino eingerichtet. Dort zeigte Buck, dass sie auch Videokünstlerin ist. Ihr Film mit Szenen von Mond und da Vinci war sehr lustig anzusehen.

Im Foyer des Unterhofs stellte die Kunstmalerin Susanne Wanner aus. Sujets ihrer Bilder sind Altstadt-Impressionen. «Durch meinen Wohnortwechsel haben sich auch meine Bilder verändert», sagte sie.

Ganz oben im Turm des Unterhofs waren die Bilder des Kunstmalers Michael Albisser zu sehen.

«In meinem Kopf entsteht eine Geschichte, dann muss ich sie malen»

sagte er. Sein neuestes Werk ist eine Vision, wie Diessenhofen und die Nachbargemeinde Gailingen aussehen könnten, wenn die Geschichte anders verlaufen wäre. Auf seinem Bild ist Diessenhofen eine wohlhabende Altstadt, die Architektur mittelalterlich, aber aus Platznot grotesk in die Höhe gezogen. Gailingen hingegen wäre in seiner Parabel kommunistisch mit kühlen Wohntürmen. Beide Orte sind durch den ausgetrockneten Rhein getrennt.

Das Bild «Bianca» des Künstlers Michael Albisser. (Bild: Dieter Ritter)

Das Bild «Bianca» des Künstlers Michael Albisser. (Bild: Dieter Ritter)

Auch seine anderen Werke regen zum Nachdenken an. Beim Bild «Bianca», das eine schöne junge Frau umgeben von Puppen zeigt, habe ihn seine Fantasie in eine psychiatrische Klinik versetzt, wo eine einsame Frau nur noch mit Puppen kommuniziert.

Engagierte Künstlergruppe mit 45 Mitgliedern

Erich Milz gründete vor elf Jahren die freie Künstlergruppe «art Diessenhofen». Sie organisiert seit 2011 jedes Jahr den Tag der offenen Ateliers. Heute vereinigt sie 45 Kunstschaffende aus Diessenhofen und der näheren Umgebung. Viele der Mitglieder sind Berufskünstler, einige wirken nebenberuflich. Sie schaffen Gemälde und Grafiken sowie Skulpturen oder Gebilde aus Blumen. Mit dabei sind auch eine Geigenbauerfamilie und eine Festspielautorin.