KUNST
Frust, Langeweile, Isolation zu Farbtöpfen und Farbtuben: Arrangierter Auftritt des Wagenhausers Rainer Schoch begeistert

Malen mit dem ganzen Körper: Im Kunstkaufhaus in Stein am Rhein haben sich eine Künstlerin und ein Künstler mit Tanz, Malerei und Schriftkunst in einer Aufführung verschmelzen lassen. Organisiert hat den Auftritt Rainer Schoch aus Kaltenbach.

Dieter Ritter
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Jonas Deubelbeiss, Maler und Break-Tänzer, in Aktion.

Jonas Deubelbeiss, Maler und Break-Tänzer, in Aktion.

Bild: Dieter Ritter

Rund fünfzig Gäste sind durch die 800 Quadratmeter grosse Halle neben dem Migros-Supermarkt im Degerfeld gestreift. Sie betrachteten die ausgestellten Kunstwerke. Es ist 19 Uhr. Rainer Schoch fordert alle auf, zur Bühne zu kommen. Der Künstler aus Kaltenbach ist Hausherr und Organisator des Anlasses. Ein Kameramann bringt sich in Position. Er filmt für das Fernsehen. In der Ausstellung wird es still. Die Bühne besteht aus einem am Boden festgeklebten Papier, daneben Farbtöpfe und Farbtuben sorgfältig aufgereiht, an einer Wand vier weisse Papierbogen.

Rainer Schoch, Künstler aus Kaltenbach.

Rainer Schoch, Künstler aus Kaltenbach.

Bild: PD

Langsam geht eine junge Frau mit dunklen Augen, pechschwarzem Haar und schwarz gekleidet, zum ersten Papierbogen und beginnt zu schreiben. Mit verschieden dicken Filzstiften schreibt sie Worte wie Frust, Langeweile, Isolation. Sie heisst Chris Van Weidmann und ist Schriftkünstlerin. Klaviermusik setzt ein, eine liebliche Melodie von Ludovico Einaudi. Van Weidmann schreibt weiter, bis die Musik verstummt. Sie setzt sich auf den Boden, lehnt lässig an der Wand. Die Musik setzt wieder ein, mit Paukenschlägen, dann sanfter Geigenmusik.

Schriftkünstlerin Chris Van Weidmann.

Schriftkünstlerin Chris Van Weidmann.

Bild: Dieter Ritter

Jonas Deubelbeiss, ein junger Mann, betritt die Szene. Er trägt weisse Hosen und ein weisses Shirt, alles mit Farbklecksen übersät. Er tanzt mit langsamen Bewegungen, malt dazu, in jeder Hand einen Pinsel. Die Musik schwillt an. Deubelbeiss drückt jetzt Farben direkt aus der Tube auf das Papier. Der Tanz wird wilder, akrobatischer, dabei verteilt er mit der Bewegung seines Körpers die Farben. Sein Tanz erstarrt auf der Leinwand zu einem Bild. Es wird eine Kreation mit schwungvollen Linien und kräftigen Farben.

Jonas Deubelbeiss malt tanzend mit seinem Körper ein Bild. Im Hintergrund Chris Van Weidmann, Schriftkünstlerin.

Jonas Deubelbeiss malt tanzend mit seinem Körper ein Bild. Im Hintergrund Chris Van Weidmann, Schriftkünstlerin.

Bild: Dieter Ritter

Van Weidmann sitzt noch am Boden und beobachtet den Tänzer. Plötzlich steht sie auf und schreibt weiter. «Stell Dir vor, du hättest Zeit», schreibt sie. Es geht um Langeweile und Antriebslosigkeit, dann um die Notwendigkeit umzuplanen und in grossen Buchstaben «Es nervt!» Der Text des letzten Schriftbogens ist optimistisch. «Wir stehen auf» und zum Schluss «Wir wollen wieder erwachen. Lass uns Leben!»

Die Musik endet, Deubelbeiss stellt seine Farbtöpfe und Farbtuben akribisch in einer Reihe auf, dann trägt er mit Van Weidmann zusammen die Papierbühne mit dem neuen Bild an die Wand, sie gehen zurück und verneigen sich. Es war eine faszinierende Schau voller Überraschungen und zum Nachdenken anregend. Die Zuschauer bedanken sich mit stürmischem Applaus.

Chris Van Weidmann, Schriftkünstlerin, Rainer Schoch, Organisator des Anlasses und Hausherr, sowie Jonas Deubelbeiss, Maler und Break-Tänzer.

Chris Van Weidmann, Schriftkünstlerin, Rainer Schoch, Organisator des Anlasses und Hausherr, sowie Jonas Deubelbeiss, Maler und Break-Tänzer.

Bild: Dieter Ritter

Rainer Schoch ist fotorealistischer Maler. Er hat ein Netzwerk mit rund 4500 Künstlerinnen und Künstlern aufgebaut und organisiert regelmässig Ausstellungen. Dabei gibt er auch dem Nachwuchs eine Chance. Schoch führt die Galerie Kunstkaufhaus. «Sie haben hier eine Arche Noah für die Kunst geschaffen», habe eine Besucherin die Ausstellung gelobt, meint Schoch. Er organisierte für Deubelbeiss und Van Weidmann einen weiteren Auftritt. Sie dürfen im Juli an der Kunstmesse im Olympiaworld in Innsbruck ihre Schau zeigen.