Kultur
«Unglaublich, was wir alles gemacht haben»: Vor 40 Jahren stieg das Phönix-Theater Steckborn aus der Asche

Heuer wird das Phönix-Theater 81 Steckborn 40 Jahre alt – eine Erfolgsgeschichte. Am 17. und 18. September lädt das Phönix zu seinen Jubiläumsfeierlichkeiten ein.

Dieter Langhart
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Zeitzeuge von den Anfängen des Phönix-Theaters Steckborn, mit Philippe Wacker (vorne, zweiter von rechts).

Zeitzeuge von den Anfängen des Phönix-Theaters Steckborn, mit Philippe Wacker (vorne, zweiter von rechts).

Bild: PD (Steckborn, aus dem Jahr 1983)

Nächste Woche beginnt ein neuer Kurs in Steckborn, «Kids in Dance»: Längst ausgebucht, sagt Philippe Wacker. Und am 17. und 18. September wird richtig gefeiert: 40 Jahre Phönix-Theater.

Damals, Ende der Siebzigerjahre, war die Theaterlandschaft in Bewegung, in Aufbruchstimmung: Die grossen Städte hatten ihre Schauspiel- und Opernhäuser, die freie Theater- und Tanzszene wich aus, allerorten entstanden Kleintheater, auch im Thurgau, in Kreuzlingen, Bürglen, Sirnach, Frauenfeld. Auch einige Steckborner wollten Theater spielen, gar einen Theaterverein gründen. Ihr erster Gast Toni Vescoli trat noch im Kehlhof-Saal auf, dann bauten sie den Keller zu einer Bühne aus, stellten Jahr für Jahr ein Gastspielprogramm zusammen, erst später zogen sie um ins ehemalige Pumpenhaus. Während fünf Jahren bestand auch ein Filmclub.

Tanz mit Bachelors der ZHdK

Am 17. und 18. September lädt das Phönix-Theater Steckborn zu seinem Jubiläumsanlass mit Gästen, Apéro, einem Kurzfilm des Lokalfernsehens, Musik und einer Tanzvorstellung mit den Bachelors des BA Contemporary-Studiengangs der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) ein. Am Freitagabend stehen zusätzlich Grussworte der Regierung des Kantons Thurgau und der Stadt Steckborn auf dem Programm. Die Türen öffnen jeweils um 18 Uhr. Es gilt Zertifikatspflicht. (red)

Alle Infos unter: www.phoenix-theater.ch

Wacker war 1981 wie die Jungfrau zum Kind gekommen. «Du bist von hier», sagten seine Mitstreiter, «du wirst Präsident.» Das ist er inzwischen auch wieder. «Unglaublich, was wir alles gemacht haben», sagt Philippe Wacker:

Philippe Wacker, Geschäftsleiter Phönix-Theater Steckborn.

Philippe Wacker, Geschäftsleiter Phönix-Theater Steckborn.

Bild: Reto Martin
«Eigenproduktionen, Experimente, Happenings – Highlights und Tiefschläge.»

Was hat sich in den 40 Jahren seit den Anfängen geändert, was bewährt? «Wir haben auf mehr Tanz gesetzt, haben grössere und anspruchsvollere Theaterproduktionen eingeladen, sind technisch professionell geworden. All das liess sich nicht mehr im Ehrenamt bewältigen.»

Anspruchsvolles Theater, zeitgenössischer Tanz

Die Theatergruppe schöpfte ihre Energie aus den Eigenproduktionen – die erste war «Der Andere» von Otto Müller, 1982 – und führte im Kollektiv Regie. «Das Miteinander war uns ganz wichtig», sagt Wacker. «Wir sind längst kein verschworener Kern mehr, sondern ein selbstverwaltetes Team: Rund 30 Engagierte betreiben das Phönix-Theater.» Der Anspruch ist hoch, das Phönix zeigt anspruchsvolles Theater, zeitgenössischen Tanz, fördert die Jugend und bindet sie ein. Froh sind alle Bühnen um das Wohlwollen und die Unterstützung von Politik und Verwaltung, also ihr Interesse an der Kulturarbeit. Philippe Wacker erwähnt mit leiser Wehmut die gegenseitigen Besuche während der Thurgauer Theatertage.

Wie steht es um den Tanz – nun, da die Thurgauer Kulturstiftung die Reihe «tanz:now» nicht mehr fördert? Wacker sagt:

«Wir wollen weiterhin Tanz anbieten, aber die Finanzierung ist noch offen.»

Demnächst wird die neue Leistungsvereinbarung mit dem Kanton diskutiert. Die Förderung des Tanzes liegt Wacker am Herzen; Tanzkompanien lädt das Phönix wegen des Aufwands stets für zwei Vorstellungen ein, Engagements für einen einzigen Abend seien aber künftig denkbar.

Anbau für mehr Platz als grosser Wunsch

Was wünscht er dem Phönix für die kommenden zehn Jahre? «Dass es weitergeht mit anspruchsvollen Gastspielen, dass die Wertschätzung anhält und der Erfolg als Juwel am Untersee, dass wir neue Inhalte finden.» Und dass sein grosser Wunsch in Erfüllung gehe: ein Anbau, «damit wir mehr Platz haben». Und natürlich, dass das gute Team weiter bestehe.

Die Jüngste, Leonie Moser, ist Anfang 20, hat bereits inszeniert und einen Filmpreis gewonnen. «Es wird Zeit, sich auf einen Wechsel vorzubereiten», sagt Philippe Wacker, 67. Angst vor Langeweile hat er nicht. Vielleicht macht er künftig Theater mit Jugendlichen, vielleicht greift er eine alte Leidenschaft wieder auf, die Fotografie.

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