Kultur
Kunst im ehemaligen Autoshowroom: Werke von Alain Garnier sind in Aadorf zu sehen

Der ehemalige Aadorfer Garagist Heinz Ruckli besitzt einen Grossteil des Nachlasses des französischstämmigen Künstlers Alain Garnier. Ab Samstag ist ein kleiner Teil der 1300 Objekte im Hinterthurgau ausgestellt.

Olaf Kühne
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Sein Hund Carlo ist stets mit von der Partie: Heinz Ruckli in seiner Alain-Garnier-Ausstellung.

Sein Hund Carlo ist stets mit von der Partie: Heinz Ruckli in seiner Alain-Garnier-Ausstellung.

(Bild: Olaf Kühne)

KKS. In der Ostschweiz steht dieses Kürzel gemeinhin für Bundesrätin Karin Keller-Sutter. Nicht so für Heinz Ruckli. Er eröffnet am kommenden Samstag eine Ausstellung unter dem Motto KKS – und meint damit «Kunst, Kultur und schöne Autos». Dass sich der ehemalige Automechaniker und Garagist für Letzteres begeistern kann, liegt auf der Hand. Zur Kunst kam er hingegen wie die sprichwörtliche Jungfrau zu ihrem Kind.

«1971, also vor genau 50 Jahren, habe ich in Aadorf eine kleine Autowerkstatt eröffnet», blickt der 73-Jährige zurück. Eines Tages sei dann der Künstler Alain Garnier mit seinem kaputten Citroën just vor seinem Geschäft liegengeblieben. «Er hat mich gefragt, ob ich sein Auto flicken könne, mir aber auch gleich gesagt, dass er kein Geld habe», sagt Ruckli und lacht. «Da habe ich es ihm eben gratis repariert.» Wenige Tage später sei Garnier wieder in seiner Werkstatt gestanden, das Auto wieder defekt. «Dieses Mal sagte er mir, er habe zwar immer noch kein Geld, aber er wolle mich mit einer seiner Skulpturen bezahlen.»

Ab 1947 gehörten auch Keramiken zum Repertoire Alain Garniers.

Ab 1947 gehörten auch Keramiken zum Repertoire Alain Garniers.

(Bild: Olaf Kühne)

Aus dieser Episode ist im Laufe der Jahre eine Freundschaft entstanden. Und eine Verbundenheit mit der ganzen Familie. Kaufte doch Heinz Ruckli, nachdem Alain Garnier 2005 verstorben war, von dessen Witwe seinen künstlerischen Nachlass. 1300 Objekte sind so in Rucklis Besitz gelandet. Hunderte Lithografien und Keramiken. Und 240 der für Garnier typischen Eisenplastiken aus Altmetall, viele davon 24 Karat blattvergoldet.

Altmetall, 24 Karat blattvergoldet: eine Skulptur von Alain Garnier.

Altmetall, 24 Karat blattvergoldet: eine Skulptur von Alain Garnier.

(Bild: Olaf Kühne)

Eine weitere Plastik, zweieinhalb Meter hoch und nicht vergoldet, stammt indes nicht aus Garniers Nachlass. Vielmehr ziert sie seit drei Jahrzehnten die Liegenschaft in der Verzweigung von Wängistrasse und Sirnacherstrasse, wo nun die Ausstellung gezeigt wird. «Die hat eine ganz besondere Geschichte», sagt Heinz Ruckli und grinst verschmitzt. «Ich konnte einst vom Zürcher Nobelhotel Baur au Lac einen Rolls-Royce erwerben. Mit dem hatte ein Chauffeur des Hotels einen Gast nach Holland zum Flughafen gefahren. Auf der nächtlichen Rückfahrt ist er eingenickt und hat das Auto geschrottet.» Rucklis Plan war es, die Luxuskarosse wieder herzurichten und sie zu verkaufen. Doch dann habe Alain Garnier das zerbeulte Auto bei einem Werkstattbesuch gesehen und gefragt, ob er daraus eine Plastik herstellen dürfe. «Tarababuba» heisst das Objekt, und so manchem Passanten oder Autofahrer dürfte es in den vergangenen 30 Jahren schon aufgefallen sein.

Der ehemalige Autoshowroom in der Liegenschaft an der Wängistrasse 2 dient nun also als Galerie. Am Samstag eröffnet Heinz Ruckli die Ausstellung, welche danach für mindestens zwei Monate bestehen bleiben und jeweils von 10 bis 16 Uhr geöffnet sein soll. Doch weshalb jetzt und weshalb in Aadorf? Ruckli grinst erneut verschmitzt und erklärt: «Ich konnte es mir ja leisten, bereits mit 45 in Pension zu gehen und in die Heimat meiner Frau, ins Wallis, umzusiedeln.» Aadorf sei er aber stets verbunden geblieben, hier besitze er nach wie vor mehrere Liegenschaften und sogar eine «Ferienwohnung».

Ein hundertjähriger Citroën ist das automobile Highlight der Ausstellung.

Ein hundertjähriger Citroën ist das automobile Highlight der Ausstellung.

(Bild: Olaf Kühne)

«Für meinen Erfolg bin ich Aadorf und seiner Verwaltung sehr dankbar», erzählt Ruckli weiter. «Mit dieser Ausstellung just zum 50-Jahr-Jubiläum meiner Geschäftsgründung möchte ich der Gemeinde etwas zurückgeben.» Und weil der Wahlwalliser weiss, dass sich manche potenzielle Ausstellungsbesucher eher für Autos denn für Kunst begeistern können, stehen Garniers Werke inmitten einiger neuer Fiat 500 sowie eines Urahns des italienischen Kultmobils. Das automobile Highlight ist für Ruckli indes ein hundertjähriger Citroën, der einst in Steckborn restauriert wurde und nach einer langen Odyssee schliesslich im Hinterthurgau landete.

Bei allem Idealismus rührt Heinz Ruckli aber auch ein kleines bisschen die Werbetrommel. «Die Lithografien und Keramiken verkaufe ich auch gerne, wenn jemand Interesse hat», sagt er. «Die 240 Grossobjekte möchte ich jedoch beieinander behalten.»