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Mit Kuhglocken und Schweizerfahnen ins Tirol: Seine treuesten Fans begleiten den Wilener Radprofi an die WM in Innsbruck

An der Weltmeisterschaft schaffte es der Hinterturgauer Radprofi Stefan Küng im Einzelzeitfahren nicht in die Top Ten. Am Support hat es nicht gelegen. Mutter, Gotte, Nachbarn und weitere Fans waren nach Innsbruck mitgereist.
Theres Schurter
Radprofi Stefan Küng posiert nach dem Einzelzeitfahren mit seinen treuesten Fans: Nachbarin Brigitte Mathis, Mutter Brigitte Küng und Gotte Helena Leu, die auch die Zwillingsschwester von Stefans Mutter ist. Die Fahne schwenkt einer von zahlreichen Liechtensteiner Fans. (Stefan Küng ist Schweizer und Liechtensteiner Doppelbürger.) (Bild: Theres Schurter)

Radprofi Stefan Küng posiert nach dem Einzelzeitfahren mit seinen treuesten Fans: Nachbarin Brigitte Mathis, Mutter Brigitte Küng und Gotte Helena Leu, die auch die Zwillingsschwester von Stefans Mutter ist. Die Fahne schwenkt einer von zahlreichen Liechtensteiner Fans. (Stefan Küng ist Schweizer und Liechtensteiner Doppelbürger.) (Bild: Theres Schurter)

In Innsbruck findet diese Woche die Radweltmeisterschaft statt. Mit dabei ist auch der Hinterthurgauer Stefan Küng. Der Wilener gewann beim Teamzeitfahren die Bronzemedaille mit seinem Team BMC.

Am Mittwoch nahm der Thurgauer auch am Einzelzeitfahren Herren Elite teil. Der Start war um 14.10 Uhr in Rattenberg, wo alle eineinhalb Minuten einer der 60 weiteren weltbesten Fahrer (so Vasil Kiryienka aus Weissrussland mit Jahrgang 1981 als Ältestem und Pavel Sivakov aus Russland mit Jahrgang 1997 als Jüngstem) auf die 52,1 Kilometer lange Strecke bis nach Innsbruck geschickt wurde. Für den 25-jährigen Küng war klar, dass er keine Chance aufs Podest hatte, da eine lange Steigung von bis zu 14 Grad über rund fünf Kilometer zu bewältigen war. Seine Spezialität ist das Rollen und durch den vollbepackten Terminkalender in dieser Rennsaison blieb zu wenig Zeit für eine spezifische Vorbereitung auf diesen kräfteraubenden Bergabschnitt.

«Bei Abfahrten kann ich nicht hinsehen, Stefan hat ja bereits bei zwei schweren Stürzen schlimme Verletzungen
davongetragen.»

Brigitte Küng, Mutter

Auch seine Familie und Freunde waren seit Sonntag im Tirol. Mutter Brigitte, Gotti Helena und Nachbarin Brigitte Mathis fieberten im Zielgelände vor der Grossleinwand mit. 50 Meter vor dem Ziel wartete zudem Nachbar Werner Mathis mit der grossen Schweizerfahne – mit «Stefan Küng» darauf geschrieben – auf die Sportler. Die Fahne war gut im Blickfeld der Fernsehzuschauer zu erkennen.

«KING KÜNG» auf die Strasse gesprayt

Eine weitere «Unterstützung» bemerkte der aufmerksame Zuschauer an der Steigung bei Gnadenwald auf der Strasse: Stefan Küngs Tante Edith Leu hatte am Morgen mit einer Schablone «KING KÜNG» aufwändig auf den Asphalt gesprayt, sogar der Kommentator bemerkte es erfreulicherweise. Sagenhafte Wetterbedingungen, traumhafte Bergkulisse im Inntal, blauer Himmel, trockene Strassen und viele begeisterte Zuschauer säumten den Strassenrand und unterstützten die Athleten.

Um 15.28 Uhr startete dann auch Stefan Küng als neuntletzter von der Rampe in Rattenberg, im Zielbereich eingeblendet auf Grossleinwand. Sein später Start zeigt, dass er zu den weltbesten Fahrern zählt. Eine Minute lang war er sogar nach der ersten Zwischenzeit bei Kilometer 16,6 führend, bevor der Deutsche Toni Martin eine noch schnellere Zeit fuhr. Küngs Mutter und die mitgereisten Fans schwenkten die Kuhglocken bei jeder Einspielung im Fernsehen, denn Stefan Küng wurde über längere Zeit von einem Kameratöff begleitet.

87,7 Stundenkilometer Spitze

Für den Laien ist es immer wieder erstaunlich, so an der Weltspitze mitfahren zu können – aus eigener Motivation und ohne «Beziehungen». Seine Eltern haben nämlich keinen Bezug zum Rennvelofahren. «Bei Abfahrten kann ich nicht hinsehen, Stefan hat ja bereits zwei schwere Stürze mit schlimmen Verletzungen davongetragen», erzählt seine Mutter. Der Bordcomputer zeigte nachher eine Höchstgeschwindigkeit von 87,7 Stundenkilometern an. «Ich hatte keine Ahnung, wie ich unterwegs war, der Funk im Ohr hat bald nach dem Start den Geist aufgegeben «, erklärte der Athlet später entspannt. Schlussendlich gewann sein BMC-Teamkollege aus Neuseeland, Rohan Dennis, den Weltmeistertitel im Einzelzeitfahren, was ihn natürlich sehr freute. Küng erreichte den 12. Schlussrang. Zwar hatte er sich einen Platz unter den Top Ten als Ziel gesetzt, doch die Konkurrenz war zu stark. «Ich habe in der Steigung den Rhythmus nicht gefunden und recht gelitten», sinniert er.

Den Medienmarathon nach dem Rennen erledigte er mit Geduld. Auf dem Weg zum Mannschaftsbus traf er auf seine Familie und er genoss die Zeit mit Freunden und Fans nun ohne Druck. Erstaunlich, wie er nach so einer Anstrengung locker plauderte. Einige zufällig vorbei gehende Menschen baten um Selfies, die er ihnen geduldig gewährte. Unverkrampft und bodenständig.

Bis Samstag bleibt Stefan Küng noch in Innsbruck, da ein BMC-Teamevent auf dem Programm steht. Untergebracht ist er jedoch mit der Schweizer Delegation im Hotel. Eine Truppe von rund 40 Personen mit Physiotherapeuten und Betreuern sind nach Innsbruck gereist, an der Weltmeisterschaft werden ja auch Damen- und Juniorrennen ausgetragen.

Neues Team ab 2019

Das BMC-Team wird nach dem Tod von Hauptunterstützer Andy Rhys aufgelöst und die Fahrer mussten nach neuen Teams Ausschau halten. Es ist aber auch eine Chance für die jungen Fahrer, sich weiter zu entwickeln. Stefan Küng hatte sich bereits vorher vorgenommen, sechs Jahre im selben Team seien genug, er möchte seine Stärken einsetzen und sich weiter entwickeln. Er erhielt mehrere Angebote und hat sich für seinen neuen Arbeitgeber Groupama Français des Jeux FDJ entschieden, für den er ab 1. Januar 2019 unterwegs sein wird. Bereits im November findet das erste Teamtreffen statt.

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