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Achtsame Beobachterin: Die Frauenfelder Künstlerin Vreni Kauth vor ihrer ungefähr hundertsten Ausstellung

«Gegensätze»: Die Frauenfelder Mallehrerin Vreni Kauth stellt in der Baliere aus. Vernissage ist am Donnerstag. Ihre Retrospektive hat sie bereits hinter sich. Jetzt malt sie, um nicht wahnsinnig zu werden.
Mathias Frei
Zwischen abstraktem Pfau und Kühen: Künstlerin Vreni Kauth auf der Leiter. (Bild: Reto Martin)

Zwischen abstraktem Pfau und Kühen: Künstlerin Vreni Kauth auf der Leiter. (Bild: Reto Martin)

Ihre ungefähr hundertste Ausstellung steht an. Vreni Kauth müsste nachzählen. Tut sie aber nicht, sie malt lieber. Sie muss.

«Ohne zu malen, würde ich wahnsinnig werden.»

Seit mittlerweile 43 Jahren ist das Kreative ihre Berufung. Mittlerweile steht sie in ihren Siebzigern, die Künstler-Grand-Dame und Mallehrerin. Die verdiente Retrospektive hat sie bereits hinter sich, 2016 ebenfalls in der Stadtgalerie Balerie. Seither war sie produktiv für die Ausstellung, die am Donnerstag Vernissage feiert. «Gegensätze» trägt die neue Schau als Titel. Konkret und abstrakt, Licht und Schatten, voralpine und alpine Szenerien mit und ohne Kühe. In Öl und Acryl.

Carole Isler, Kuratorin Stadtgalerie Baliere. (Bild: Dieter Langhart)

Carole Isler, Kuratorin Stadtgalerie Baliere. (Bild: Dieter Langhart)

Vreni Kauth beherrscht ungemein viele Maltechniken, hat schon mit jedem erdenklichen Material gearbeitet. Sie hat sich ein Leben lang weitergebildet, was nicht zuletzt auch ihren Malschülern zu Gute kommt. Die Baliere-Kuratorin Carole Isler war vor 20 Jahren selber eine Schülerin Kauths. Und geschadet hat es ihr keineswegs, im Gegenteil. Vreni Kauth jedenfalls kann alles. Aber am liebsten malt sie Öl und Acryl.

«Da kann man fast unendlich oft überarbeiten.»

Grad ihre abstrakten Bilder haben so viele Schichten, man braucht die Finger beider Hände, um sie zu zählen. «Mit Acryl kann nichts schief gehen. Meist wird es sogar besser.»

Retrospektive vor drei Jahren: Vreni Kauth und die damalige Baliere-Kuratorin Milena Oehy. (Bild: Andrea Stalder)

Retrospektive vor drei Jahren: Vreni Kauth und die damalige Baliere-Kuratorin Milena Oehy. (Bild: Andrea Stalder)

Eindrücke aus den Bergen ins Atelier

Da sind zum einen viele konkrete Motive mit Kühen. Kauth hat einen grossen Fundus an eigenen Fotos, bekommt auch von Freunden Bildmaterial und nimmt sich auch mal ein Bild aus einer Zeitung vor. Wandern war ihr lange ein für die Malerei produktives Hobby. Berge waren für sie früher idealer Rückzugs- und Reflexionsort, sei es im Alpstein oder in Mittelbünden. Freunde von ihr leben in Innerglas am Fusse des Piz Beverin. Sie verbrachte selber einst ein halbes Jahr in einer Berghütte.

«Heute mag ich nicht mehr in die Berge, es hat mir zu viele Menschen.»

Früher habe sie zu wenig frech fotografiert, meint Vreni Kauth. Das bereut sie.

Heute hat sie ein geschulteres Auge. «Das Beobachten kann man trainieren.» Und Vreni Kauth schaut genau hin. Das hat aber auch mit Achtsamkeit zu tun. Eine Fähigkeit, die sie ob ihrer empathischen Art einfach hat und nicht mehr trainieren muss. Kühe zum Beispiel seien schwierig zu malen, sagt sie.

«Kühe sind nicht einfach braun. Genauso wie ein Gesicht nicht nur eine Farbe hat.»

Gesichter hätten hundert Farben. Ein Schatten, wie sie ihn malt, hat Schattierungen.

2010: Vreni Kauth hat für das Tertianum Friedau in Frauenfeld Parkbänke designt. (Bild: Susann Basler)

2010: Vreni Kauth hat für das Tertianum Friedau in Frauenfeld Parkbänke designt. (Bild: Susann Basler)

Bei den konkreten Bildern ist es die realitätsgetreue Abbildung, die sie sucht. Die besondere Perspektive der Berglandschaft, die Gegenlicht-Szenerie im Bergtal, der Nebel, der sich um das Massiv gelegt hat. Bilder hat sie auch bei den abstrakten Bildern im Kopf. Aber dann wird doch alles anders. Der geplante Zufall tritt ein, egal, ob sie mit Blattgold, Rost und Notenblättern collagiert oder ob sie mit lebendigen Farben schmiert oder «götscht».

Mit dieser Ausstellung habe sie lange gehadert, sagt sie. Wieso, das weiss sie nicht. «Aber jetzt bin ich sehr zufrieden.» Bei den Besuchern wird es sich wohl gleich verhalten.

Vreni Kauth «Gegensätze». Bis 24.November. Freitag, 17 bis 20Uhr, Samstag/Sonntag, 12 bis 16 Uhr. Vernissage: Donnerstag, 31.Oktober, 19 Uhr. Einführung: Christine Lienhard. Stadtgalerie Baliere, am Kreuzplatz, Frauenfeld.

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