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Kritische Fragen zur Grossinvestition der Thurgauer Gebäudeversicherung

Die Thurgauer Gebäudeversicherung tätigt in Frauenfeld Ost die grösste Investition ihrer Geschichte. Der Preis sei zu hoch, heisst es in der Baubranche. Zu reden gibt die Doppelrolle eines Verwaltungsrats.
Thomas Wunderlin
Die Thurgauer Gebäudeversicherung zieht in den vierten Stock des Neubaus beim Autobahnanschluss Frauenfeld Ost. (Bild: Andrea Stalder)

Die Thurgauer Gebäudeversicherung zieht in den vierten Stock des Neubaus beim Autobahnanschluss Frauenfeld Ost. (Bild: Andrea Stalder)

Für Verkäuferin und Käuferin stellt es einen Höhepunkt der Geschäftsgeschichte dar. Gemeint ist ein Büro- und Gewerbehaus namens Goldäcker, das zurzeit an der Frauenfelder Oststrasse entsteht. Dort zieht die Thurgauer Gebäudeversicherung (GVTG) im November in den vierten Stock ein und belegt 1000 der 8700 Quadratmeter Nutzfläche.

Für die Erbauerin, die Gewerbehaus in der Au AG, Gachnang, ist es das bisher grösste Bauprojekt, wie Verwaltungsratspräsident Ruedi Bütikofer beim Spatenstich im November 2017 sagte. Für die Käuferin, die Gebäudeversicherung Thurgau (GVTG), ist es «die grösste Investition, die wir je tätigten», wie Verwaltungsratspräsident Urs Obrecht sagte.

Ein Mann sitzt bei beiden im Verwaltungsrat

Eine weitere Gemeinsamkeit verbindet Verkäuferin und Käuferin und gibt in der Branche zu reden: Der Müllheimer Steuerberater Wolfgang Maute sitzt bei beiden im Verwaltungsrat. Über die Höhe der Investition kann nur spekuliert werden. Die Beteiligten schweigen sich darüber aus.

Vor der Unterzeichnung des Kaufvertrags holte die Gebäudeversicherung eine Vergleichsofferte ein, die dieser Zeitung vorliegt. Diese Offerte belief sich auf 28 Millionen Franken; der Preis war als Verhandlungsbasis gemeint, hätte also gedrückt werden können. Stattdessen soll er gestiegen sein. Zu hören ist, dass ein Kaufpreis von 34 Millionen Franken vereinbart wurde.

Direktinvestitionen in Immobilien ausbauen

Auf Anfrage deutet Verwaltungsratspräsident Obrecht zunächst einen noch höheren Betrag an. Von der Konkurrenzofferte habe er keine Kenntnis. Daraufhin verschickt Obrecht eine ausführliche Stellungnahme. Darin nennt er keine Zahl. Er schreibt: «Ich distanziere mich dezidiert vom Vorwurf, dass die GVTG einen überhöhten Kaufpreis für die Liegenschaft Goldäcker 1 bezahlen wird. Wir haben mit der Bauherrschaft ein sehr umfassendes Leistungspaket ausgehandelt, das deutlich über das Grundangebot hinausgeht und dafür einen adäquaten Kaufpreis vereinbart.»

Ausserdem heisst es in der Mitteilung: «Der definierte Kaufpreis gilt nur bei Vollvermietung (90 Prozent); sollte diese Vorgabe nicht erfüllt werden, wird sich der Preis entsprechend reduzieren. Das Risiko von Leerbeständen wird damit vollumfänglich ausgelagert.»

Kantonales Monopol

Knapp 100'000 Gebäude sind bei der Gebäudeversicherung Thurgau gegen Feuer- und Elementarschäden versichert. Die seit 1806 existierende Monopolanstalt ist eine juristische Person des öffentlichen Rechts und untersteht der Kontrolle des Grossen Rats. Im Verwaltungsrat sitzen Parteivertreter: Urs Obrecht, (Verwaltungsratspräsident, CVP), Cornelia Komposch (Vizepräsidentin, Vertreterin des Regierungsrats, SP), Andreas Aeberhardt (SVP), Daniel Anthenien (GP), Brigitte Gallucci-Widmer (SP), Peter Haag (SVP), Wolfgang Maute (FDP).

Die Gebäudeversicherung will ihre Direktinvestitionen in Immobilien ausbauen, wie in der Mitteilung weiter erklärt wird. Das «aufstrebende Gebiet Frauenfeld Ost» sei ein attraktiver Standort. Die Gebäudeversicherung habe sich «unter Einbezug eines erfahrenen Bauberaters» für die «zukunftsorientierte Anlage mit nachhaltiger Rendite» entschieden.

Maute: Stets in den Ausstand getreten

Der Mitteilung angefügt ist eine Erklärung von Verwaltungsrat Maute. Darin schreibt er, eine Interessenkollision liege nicht vor, «da ich, wie protokollarisch festgehalten, in sämtlichen Belangen des Projekts Goldäcker im VR der Gebäudeversicherung jeweils in den Ausstand getreten bin und den Raum verlassen habe». Er habe keinerlei persönlichen Nutzen aus dem Geschäft gezogen.

Auf Nachfrage schreibt Obrecht:

«Zu Ihren Fragen bezüglich Kaufpreis und Vermietung können wir zum heutigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben machen. Detaillierte Kosten werden frühestens im Geschäftsbericht 2019 öffentlich kommuniziert.»

Dem Vertragsabschluss seien «langwierige Abklärungen mit verschiedensten Kostenberechnungen» vorausgegangen: «Ich kann Ihnen versichern, dass der VR dieses Geschäft sehr gründlich geprüft hat, bevor der Entscheid zur Investition gefällt wurde.»

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