Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kritik an Thurgauer Asylpolitik: Traumatisierte betreuen sich

Der Kanton Thurgau weist Kritik zurück, dass er unbegleitete minderjährige Asylsuchende nur mangelhaft betreue. Er halte in diesem Bereich nicht einmal die Gesetze ein, findet hingegen eine Kantonsrätin.
Silvan Meile
Ein unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender sitzt vor seinem Handy. (Bild: Key/Gian Ehrenzeller)

Ein unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender sitzt vor seinem Handy. (Bild: Key/Gian Ehrenzeller)

«Mangelhafte Betreuung»: Die grüne Kantonsrätin Brigitta Hartmann kritisiert die Fürsorge minderjähriger Asylsuchender, die nach ihrer Flucht alleine im Thurgau ankommen. Derzeit sind etwa 50 solcher Jugendlicher und Kinder im Kanton untergebracht. Die meist schwer traumatisierten Asylsuchenden wohnten oftmals in Durchgangsheimen in gleichen Zimmern wie Erwachsene, bemängelt Hartmann. «Damit ist weder genügend Schlaf noch der Schutz vor Übergriffen gewährleistet.» 13 dieser Minderjährigen leben in einem Haus in Frauenfeld und werden von einer Flüchtlingsfamilie betreut, die selber Probleme hat, ärgert sich Hartmann.

Statt in der Obhut einer Pflegefamilie seien die Betroffenen unter Aufsicht von anderen Flüchtlingen, die möglicherweise selber traumatisiert seien. Das geht so nicht, sagt Hartmann:

«Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern aufwachsen, haben in unserem Land das Recht auf besonderen Schutz durch den Staat.»

Brigitta Hartmann (GP).

Brigitta Hartmann (GP).

Zusammen mit Kantonsrätin und Parteikollegin Gina Rüetschi fordert sie in einem Vorstoss eine bessere Betreuung, die den gesetzlichen Grundlagen vollumfänglich Rechnung trage. Dabei verweisen sie etwa auf das Kindes- und Erwachsenenschutzgesetz, die Kinderheimaufsicht und die UN-Konvention über die Rechte von Kindern.

Der Kanton sieht keinen Handlungsbedarf

Der Vorwurf, in den Durchgangsheimen finde eine Unterbringung ohne persönliche Begleitung und ohne Schutz statt, sei pauschal gehalten und treffe so nicht zu, antwortet nun der Regierungsrat. Er sieht keinen Handlungsbedarf und rät dem Grossen Rat, diesen Vorstoss abzulehnen. Denn bei selbstständigen Minderjährigen mit viel Eigenverantwortung seien gemischte Unterkünfte mit Erwachsenen Teil des kantonalen Konzeptes. Der Einbezug der Erwachsenen fördere das Heimklima. Und sie seien gegenüber den Minderjährigen oftmals Vorbild. Ausserdem verfügten die unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden im Thurgau seit einem Jahr über einen eigenen Beistand. Dieser habe sich einen Überblick zur persönlichen Situation jedes Einzelnen verschafft. «Er ist dabei zu einem positiven Urteil gelangt.» Doch er habe auch Kritik geäussert, etwa an der Situation in den Baracken des Durchgangsheims Frauenfeld sowie der begrenzten Präsenz des Betreuerteams. Die Peregrina-Stiftung, welcher die Betreuung der Asylsuchenden gemäss eines Leistungsauftrags mit dem Kanton obliegt, habe die Verbesserungsvorschläge des Beistands «umgehend aufgenommen und rasch umgesetzt».

«Es braucht richtige Familienstrukturen»

Nehme man die Empfehlungen der Konferenz der kantonalen Sozialdirektoren, dürfe die Situation im Thurgau generell als positiv beurteilt werden, schreibt die Regierung. «Der Kanton erfüllt die Kriterien für die adäquate Unterbringung und Betreuung dieser besonders sensiblen Gruppe Asylsuchender in allen wesentlichen Punkten.» Das Thurgauer Konzept berücksichtige die gesetzlichen Grundlagen.

Brigitta Hartmann ist da anderer Meinung. Eine Erhebung der Sozialdirektorenkonferenz habe gezeigt, dass die meisten Kantonen daran seien, für die unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden eine geeignete Unterbringungs- und Betreuungsstruktur aufzubauen. «Nicht so im Thurgau», stellt Hartmann fest. Schon mehrmals intervenierte sie beim Kanton für eine bessere Betreuung «dieser schutzlosen Kinder und Jugendlichen». Diese bräuchten echte Familienstrukturen, wie sie für Waisenkinder gelten. Das sei gesetzlich vorgeschrieben. Wer fremde Kinder betreue, unterstehe auch einer unabhängigen Kontrolle. «Nur weil das Ausländerkinder sind, gilt bei ihnen das Gesetz nicht?», fragt Hartmann rhetorisch. Statt hinzustehen und es richtig zu machen, verfolge der Thurgau seine ganz eigene Lösung.

Seit mehr als zwei Jahren engagiert sich Hartmann mit politischen Vorstössen zu diesem Thema. Mit der geänderten Situation in den Baracken in Frauenfeld und dem eingesetzten Beistand, der ebenfalls vom Gesetz vorgeschrieben sei, habe sie immerhin etwas erreicht. «Es muss aber noch viel mehr gehen», sagt sie. Frühstens anfangs Dezember berät der Grosse Rat über ihren Vorstoss

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.