krise im Advent
Erste Coronafälle und akuter Personalnotstand im Frauenfelder Alterszentrum Park: «Aber an Weihnachten wollen wir den Bewohnern so viel Normalität wie möglich bieten»

Bis Anfang Dezember blieben Bewohner des städtischen Alters- und Pflegeheims Park vor der Coronapandemie verschont. Mittlerweile sind im Haus Ergaten von 76 Bewohnern deren 29 in Isolation. Zudem fallen derzeit über 20 Mitarbeitende aus. Das zehrt an den Nerven.

Mathias Frei
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Eingangsbereich des Hauses Talbach des Alterszentrums Park. In diesem Teil der Institution sind keine Coronafälle zu verzeichnen, aber es gilt ein strenges Besuchsregime.

Eingangsbereich des Hauses Talbach des Alterszentrums Park. In diesem Teil der Institution sind keine Coronafälle zu verzeichnen, aber es gilt ein strenges Besuchsregime.

Bild: Andrea Stalder

Es war gewissermassen ein Hilfeschrei an die Öffentlichkeit. Diesen hatte Stadträtin Elsbeth Aepli als Vorsteherin des Departements für Alter und Gesundheit am Mittwochabend in der Budgetdebatte des Frauenfelder Gemeinderats platziert. Aepli hatte die aktuell prekäre Personalsituation im Alterszentrum Park (AZP) angesprochen und von den ersten Coronafällen in der städtischen Heiminstitution berichtet.

«Bis Anfang Dezember mussten wir unter den Bewohnerinnen und Bewohnern keinen einzigen Covid-19-Fall registrieren.»

So erläutert die Stadträtin nun gegenüber diesem Medium die Lage. Doch dann schlug es ein. Mittlerweile sind von 76 Bewohnern im Haus Ergaten deren 29 in Isolation.

Bernhard Liepelt, AZP-Zentrumsleiter.

Bernhard Liepelt, AZP-Zentrumsleiter.

Bild: Andrea Stalder

Weil einzelne Testresultate noch ausstehen, sind nicht alle der 29 isolierten Personen bestätigt positiv getestet, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es so kommen wird. Im Haus Ergaten sind verschiedene Wohngruppen daheim. Weitaus am stärksten betroffen sei die Wohngruppe 2.Stock, sagt Zentrumsleiter Bernhard Liepelt. In anderen Ergaten-Wohnformen gebe es lediglich vereinzelte Fälle. Alle anderen Bewohner sind in Quarantäne, da nach dem Entscheid der AZP-Taskforce das ganze Haus Ergaten als wichtige Sicherheitsmassnahme unter Quarantäne gesetzt wurde.

«Das Haus Talbach dagegen ist komplett coronafrei.»

Ebenfalls versöhnlich: «An Weihnachten wollen wir unseren Bewohnerinnen und Bewohnern so viel Normalität wie möglich bieten», sagt Aepli. Die grossen Weihnachtsfeiern seien zwar schon seit längerem abgesagt. Aber es werden Videobotschaften ausgestrahlt und es gibt Festtagsessen, entweder halt allein im Zimmer oder - im Haus Talbach - in kleinen Gruppen.

Dringend Pflegepersonal auf Stundenlohnbasis gesucht

Aufgrund der aktuellen Massierung an ressourcenaufwendigen Covid-19-Fällen sucht das Alterszentrum Park (AZP) derzeit dringend qualifiziertes Pflegepersonal bis zum Pensionsalter. Im Fokus stehen folgende Aufgaben: Pflege und Betreuung der Bewohner, Aktivierung der Bewohner in deren Alltagsgestaltung, Erledigung von hauswirtschaftlichen Tätigkeiten. Die Anstellungen erfolgen befristet auf Stundenlohnbasis. Alle Ausbildungsstufen sind gesucht, also diplomiertes Pflegepersonal, Fachangestellt Gesundheit, Assistenz Gesundheit & Soziales und auch Pflegehelfer SRK mit Erfahrung in der Pflege. Gewünschte Unterlagen für die Bewerbung bei Marius Schnell, AZP-Bereichsverantwortlicher Personelles (Telefon 052 728 77 08), sind ein kurzer Lebenslauf, das Ausbildungsdiplom und Arbeitszeugnisse der letzten drei Arbeitgeber. (ma)

Ohne Fiebermessen kommt niemand rein

Elsbeth Aepli, Stadträtin Alter und Gesundheit.

Elsbeth Aepli, Stadträtin Alter und Gesundheit.

Bild: Reto Martin

Das Alterszentrum Park habe im Vergleich mit anderen Institutionen ein eher strenges Schutzkonzept unterhalten - und das seit Mitte März, wie Stadträtin Aepli erklärt. «Das hat bis Anfang Dezember hervorragend funktioniert.» So wurde Personal bereits bei ersten Symptomen unverzüglich in Quarantäne und zum Test geschickt. Für die einzelnen Häuser galt zeitweise ein Besuchsverbot mit der Möglichkeit von Sonderbewilligungen.

«Das betrifft primär die terminale Phase von Bewohnenden.»

So sagt es Liepelt. Aktuell gilt dieses Besuchsverbot für das Haus Ergaten. Im Haus Talbach ist pro Tag ein Besuch durch zwei Personen aus demselben Haushalt möglich - und zwar von 9 bis 17 Uhr während maximal 45 Minuten. Einlass erhalten nur absolut symptomfreie Besucher nach einer Temperaturmessung bei der Eingangskontrolle. Man stehe regelmässig in Kontakt mit den Angehörigen und habe für das grosse Engagement des AZP-Personals von dieser Seite viel Zuspruch und Dankbarkeit erfahren. Darüber freuen sich Aepli und Liepelt sehr.

Wie der Zentrumsleiter erklärt, kam ein erster Bewohner Anfang Dezember positiv getestet von einem Spitalaufenthalt ins AZP zurück. «Darauf konnten wir uns problemlos einstellen.» Danach habe sich das Virus aber auch asymptomatisch im Haus Ergaten eingenistet.

«Eine Person schleppt das Virus unwissentlich ein, und sofort sind fünf weitere Bewohner infiziert.»

Man habe daraufhin das ganze Haus Ergaten durchtesten wollen. Der Kanton indes habe diese Massnahme anfangs nicht befürwortet, sich aber schliesslich von derem Nutzen überzeugen lassen.

Blick auf die Anlage des Alterszentrum Park (in der Mitte).

Blick auf die Anlage des Alterszentrum Park (in der Mitte).

Bild: Olaf Kühne

Aktuell fallen 21 Mitarbeitende aus

Die Situation ist nicht nur für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie für deren Angehörige belastend, sondern auch für das Personal, die Zentrumsleitung und die Stadträtin. «Wir müssen jetzt einfach durchhalten, sicher bis Anfang 2021», sagt Aepli. Denn nebst den Bewohnern in Isolation oder Quarantäne fallen derzeit auch 21 Mitarbeitende des Pflegepersonals aus. Sie harren der Dinge in Isolation, symptomfrei oder nicht, sowie in Quarantäne. Sechs der ausfallenden Mitarbeiterinnen sind Fachangestellte Gesundheit, drei haben einen Pflege-Diplomabschluss Höhere Fachschule/Fachhochschule. Liepelt sagt:

«Diesen Sonntag erwarten wir wieder eine diplomierte Pflegefachfrau aus der Quarantäne zurück.»

Die Krux ist laut Liepelt, dass der Aufwand in der Pflege und Betreuung der in Isolation oder Quarantäne befindlichen Personen massiv zunimmt. Zudem benötige man auch ungleich mehr Zeit in der Begleitung der Angehörigen. «Aber zugleich schmilzt der Personalbestand dahin wie Glace in der Sonne.» Auch beim Personal setze man nun auf regelmässige Reihentests. So sei es leider möglich, dass bei Erhalt von Testresultaten auf einmal einfach ein halbes Dutzend Mitarbeitende ausfalle.

Komme hinzu, dass eine Person, die zur Arbeit etwa ins Haus Ergaten delegiert werde, auch dort bleibe. «Denn wir wollen das Personal auf den verschiedenen Abteilungen nicht mischen», sagt Liepelt. So fehlt dann wieder jemand im Haus Talbach. Dabei sei der Personalmarkt in der Pflege sowieso schon ausgetrocknet.

Schild am Alterszentrum Park.

Schild am Alterszentrum Park.

Bild: Mathias Frei