Kriminalität
Das zeigt die Thurgauer Kriminalstatistik: Mehr sexuelle Handlungen mit Kindern und mehr Straftaten im Bereich Pornografie

Die Kantonspolizei Thurgau verzeichnet im Jahr 2020 insgesamt deutlich weniger Verstösse gegen das Strafgesetzbuch. Im Bereich der sexuellen Integrität zählt sie indes mehr Delikte, ebenso wurden wieder mehr Beamte bedroht.

Sebastian Keller
Merken
Drucken
Teilen
Im Bereich der Pornografie stellt die Kantonspolizei eine Zunahme fest.

Im Bereich der Pornografie stellt die Kantonspolizei eine Zunahme fest.

Bild: iStockphoto

Das grosse Ganze ist erfreulich: Die Gesamtzahl der Straftaten nach Strafgesetzbuch sank 2020 im Thurgau um 9,5 Prozent auf 8527 Delikte. Das zeigt die gestern veröffentlichte polizeiliche Kriminalstatistik. Es wurde weniger gestohlen, weniger Fahrzeuge geklaut und weniger eingebrochen. Diese Zahlen sind laut Polizei zwar schon seit einigen Jahren rückläufig.

«Doch 2020 dürfte die Coronapandemie diese Entwicklung noch verstärkt haben», schreibt die Polizei in einer Mitteilung zur Statistik. Einerseits blieb die Bevölkerung mehr zu Hause, wodurch potenzielle Einbrecher abgeschreckt worden seien. Andererseits haben «die weniger durchlässigen oder geschlossenen Grenzen spezialisierten Tätergruppen die Einreise erschwert». Zur Eindämmung des Coronavirus führte die Schweiz im Frühling 2020 wieder Grenzkontrollen ein, Ein- und Ausreisen waren kaum mehr möglich.

Entwicklung der Straftaten gegen die sexuelle Integrität im Kanton Thurgau

Sexuelle Handlungen mit Kindern
Vergewaltigung
Exhibitionismus
Pornografie
2014201520162017201820192020020406080100120

In einigen Bereichen muss die Polizei aber auch eine Zunahme registrieren. Namentlich bei den Straftaten gegen die sexuelle Integrität, was einem schweizweiten Trend entspricht. So zählt die Polizei mehr sexuelle Handlungen mit Kindern. Waren es 2019 31 Fälle, stieg die Zahl 2020 auf 48 an. Wie dem Strafgesetzbuch zu entnehmen ist, wird mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe bestraft, wer mit einem Kind unter 16 Jahren eine sexuelle Handlung vor­nimmt. Eine Erklärung für die Zunahme nennt ein Polizeisprecher auf Anfrage nicht. Er sagt aber:

«Drei Tätern konnten jeweils mehrere Taten zugeordnet werden.»

Weiter zugenommen haben auch die Straftaten im Bereich der Pornografie, sie überschritten 2020 die Grenze von 100. Dieser Straftatbestand erfasst Personen, die beispielsweise Kinder unter 16 Jahren zur Mitwirkung in einem Film dieses Genres anwerben. Aber auch die Verbreitung pornografischen Materials ist unter Umständen illegal. «Für die leichte Zunahme bei der Pornografie haben wir keine Erklärung», sagt der Polizeisprecher.

Allgemein ist zu beobachten, dass die Pandemie den Pornokonsum angekurbelt hat. Von der «Porno-Pandemie» berichtet das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» unlängst. Allein der Konsum von Filmen, die den sexuellen Akt in den Vordergrund rücken, ist nicht in jedem Fall strafbar. Laut Schweizer Kriminalprävention sind pornografische Darstellungen mit Kindern, Tieren und Gewalttätigkeiten generell unter Strafe gestellt.

Zurück ging die Zahl der Vergewaltigungen: von 15 auf 9 Delikte im Jahr 2020. Im vergangenen Jahr ereigneten sich laut Kantonspolizei Thurgau fünf Vergewaltigungen im privaten Bereich, vier im öffentlichen.

Mehr Drohungen und Gewalt gegen Beamte

Ein Anstieg ist auch im Bereich Gewalt und Drohung gegen Beamte festzustellen: Insgesamt 62 Fälle wurden 2020 registriert, was einer Zunahme von sechs Fällen entspricht. Blättert man etwas zurück in der Statistik, zeigt sich: Im Jahr 2014 waren es erst 13 Fälle.

In etwas mehr als einem Drittel der Fälle waren 2020 Polizistinnen und Polizisten betroffen. Auf die Frage, ob auch die Durchsetzung der Coronamassnahmen – Stichwort Maskenpflicht – eine Rolle spielte, sagt der Polizeisprecher: «In einem einzigen Fall wurde ein Zugbegleiter bedroht.» Laut Strafgesetzbuch zählen auch Mitarbeiter von Eisenbahnunternehmen als Beamte, wenn sie während der Berufsausübung Gewalt erfahren.

Zugenommen haben die Delikte gegen Leib und Leben: von 598 auf 629. Dazu sagt der Polizeisprecher: «Eine Erklärung für die leichte Zunahme bei den Delikten gegen Leib und Leben haben wir nicht.» Für das Plus von 5,2 Prozent sind die schweren, aber vor allem einfachen Körperverletzungen (+11) verantwortlich.

Vollendete Tötungsdelikte verzeichnet die Polizei im Thurgau drei, versuchte vier. Alle konnten aufgeklärt werden. Insgesamt kann die Kantonspolizei Thurgau vermelden, dass die Aufklärungsquote gestiegen ist: 43,3 Prozent aller Delikte, die das Strafgesetzbuch erfasst, klärte sie auf. Im Jahr zuvor lag die Quote bei 41,6 Prozent.

Weniger Unfälle: Corona bremst den Verkehr

Elf Prozent weniger Unfälle: Das ist die Bilanz auf Thurgaus Strassen für das Jahr 2020. Total bearbeitet die Kantonspolizei im vergangenen Jahr 1053 Verkehrsunfälle, wie sie am Montag mitteilt. Im Vorjahr waren es 1183. Als Grund nennt sie in einer Mitteilung den Rückgang der Mobilität der Bevölkerung als Folge der Coronapandemie. Dies führte auch zu einem Rückgang des Verkehrsaufkommens.

Ein Verkehrsunfall mit vier beteiligten Fahrzeugen im Dezember 2020.

Ein Verkehrsunfall mit vier beteiligten Fahrzeugen im Dezember 2020.

Bild: Kapo Thurgau

Rückläufig sind vor allem die Zahl der Unfälle mit Sachschaden, wohingegen die Zahl der Unfälle mit Personenschaden weiterhin auf dem tiefen Niveau von 538 verharrt. Auf den Strassen zwischen Bodensee und Hörnli verloren 2020 sechs Personen ihr Leben. Das ist laut Polizei nach 2019 mit fünf Todesopfern der zweittiefste Wert seit Beginn der Erfassung in den 1970er-Jahren. Als zentrale Unfallursache schwappt Alkoholeinfluss obenauf. Bei jedem achten Verkehrsunfall – oder in 132 Fällen – spielt das Genussmittel die Hauptrolle. Auf Platz zwei folgt «nicht angepasste Geschwindigkeit». Die meisten Unfälle mit Personenschaden ereignen sich 2020 auf Hauptstrassen innerorts.