Kreativität
Heissluftballone mit Wünschen für die ferne Heimat: Workshop mit Erwachsenen und Kindern mit Migrationshintergrund im Kunstmuseum in der Kartause Ittingen

Zum zweiten Mal hat im Juni und Juli im Kunstmuseum in der Kartause Ittingen ein Kooperationsprojekt mit der Stadt Frauenfeld stattgefunden. Rund um die Ausstellung übers Fliegen sind farbenfrohe Heissluftballone entstanden, die bei einem Fest im September einen speziellen Platz erhalten.

Samuel Koch
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Zwei Teilnehmerinnen der Kreativwerkstatt im Kunstmuseum kleistern farbige Ballone.

Zwei Teilnehmerinnen der Kreativwerkstatt im Kunstmuseum kleistern farbige Ballone.

Bild: Tobias Garcia

Sie ist in Bagdad geboren und aufgewachsen. Das erzählt eine der sieben Teilnehmerinnen am Mittwochnachmittag in der Kreativwerkstatt, die zum Basteln einlädt. Der Tisch ist übersät mit farbigen Heissluftballonen, welche die Frauen unter der Leitung von Dorothea Hugentobler kleistern. Das Gestell an der Wand ist gespickt mit Farben, Pinseln, Leimstiften oder Modelliermasse. Die Heissluftballone der Frauen haben einen Bezug zu ihrem Heimatland. Wie alle notiert die Irakerin Wünsche auf Kärtchen, welche sie anschliessend in den Korb legt. «Frieden steht auf diesem Zettel», sagt die Irakerin hinter einer Schutzmaske.

Dorothea Hugentobler leitet das Kooperationsprojekt zwischen dem Kunstmuseum Thurgau und der Stadt Frauenfeld für Erwachsene und Kinder mit Migrationshintergrund. Die Mitarbeiterin des Amtes für Gesellschaft und Integration sagt:

«Wir sind eine total zusammengewürfelte Truppe und erschaffen dank dem grosszügigen Angebot des Kunstmuseums an diesem Kraftort hier gemeinsam etwas Kreatives.»
Dorothea Hugentobler, Kursleiterin, vom Frauenfelder Amt für Gesellschaft und Integration.

Dorothea Hugentobler, Kursleiterin, vom Frauenfelder Amt für Gesellschaft und Integration.

Bild: Tobias Garcia

Eine andere Teilnehmerin aus Peru hat zu Hause ein Foto mit Kartoffelbäuerinnen gefunden und es als Sujet für ihren Heissluftballon ausgewählt. Darüber türmen sich die Berge des Andenmassivs. Für den Ballonkorb hat die Frau ein Lama gestrickt, weil Hugentobler in ihren Ballon zu den Schweizer Alpen eine Kuh platzierte. «Das Basteln in ruhiger Atmosphäre tut den Teilnehmerinnen gut», sagt Hugentobler. Nur zwischenzeitlich dröhnt ein Föhn, wenn der Kleister getrocknet wird.

Bereits gefertigte Heissluftballone mit Sujets aus Peru und der Schweiz.

Bereits gefertigte Heissluftballone mit Sujets aus Peru und der Schweiz.

Bild: Tobias Garcia

In einem Nebenzimmer beschäftigt Dana Siebrecht die Kinder der erwachsenen Teilnehmerinnen. Wo sich normalerweise Erwachsene während eines Seminars in Kreativem üben, greifen die Kinder zu Malstiften, Kreiden oder Stanzwerkzeug.

Dana Siebrecht, Betreuerin der Kinderbastelgruppe.

Dana Siebrecht, Betreuerin der Kinderbastelgruppe.

Bild: Tobias Garcia

«Sollen wir für ein Schattenspiel zum Beamer in die Ausstellung gehen?», fragt Leiterin Siebrecht. «Jaaa», antworten die Kinder begeistert. Zuerst aber geht Siebrecht noch die Verhaltensregeln durch. «Nicht rennen», sagt jemand im Kreis. Ein anderes Kind: «Zusammenbleiben.» Und ein anderes sagt: «Nicht schreien.» Siebrecht ist begeistert und sagt:

«Ihr wisst es ja, super!»

Zurück in der Kreativwerkstatt werden immer mehr Heissluftballone fertig. Sie sind Teil des Festes vom 4. September, welches das Kunstmuseum unter Direktor Markus Landert ermöglicht. Die Flugobjekte sind Teil davon, sagt Dorothea Hugentobler begeistert.

2022 soll übrigens wieder ein Kooperationsprojekt stattfinden. Dann soll sich auch der erste Mann beim Basteln beweisen. Dabei war für heuer ein Mann angemeldet. «Er hat sich aber kurzfristig wieder abgemeldet», sagt Hugentobler und ergänzt: «Ich glaube, seine Frau hat in eingetragen.»

Bruder und Schwester stanzen Sterne.

Bruder und Schwester stanzen Sterne.

Bild: Tobias Garcia

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