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Spitex-Organisation Thurgau Nordwest löst sich auf: Kosten sind der Knackpunkt

Vier von sieben Gemeinden an Untersee und Rhein treten per Ende 2020 aus dem Spitex-Zweckverband Thurgau Nordwest aus. Die Qualität, aber auch die Aufwände für die Gemeinden sind gestiegen.
Mathias Frei
Unterwegs mit einer Spitex-Mitarbeiterin. (Bild: Benjamin Manser (9. August 2018))

Unterwegs mit einer Spitex-Mitarbeiterin. (Bild: Benjamin Manser (9. August 2018))

Erst 2013 operativ tätig geworden – und schon kommt es beim Spitex-Zweckverband Thurgau Nordwest (TGNW) zum grossen Knall. Offenkundig liegt es an den Kosten. Oder wie es in der Medienmitteilung des Spitex-Zweckverbands heisst, sei der Spagat zwischen Pflegequalität und Kosten der Grund. Auf jeden Fall haben die Gemeinden Eschenz und Wagenhausen Ende 2018 fristgerecht ihren Austritt aus dem Zweckverband per Ende 2020 eingereicht. Die beiden Gemeinden wollen ab 2021 mit einer privaten Spitex-Firma zusammenarbeiten. Den beiden Austritten folgten präventiv auch Steckborn und Mammern. Die eingereichten Austritte werden mit Genehmigung der jeweiligen Gemeindeversammlung rechtskräftig.

50 Mitarbeitende und 400 Klienten

Die Spitex Thurgau Nordwest ist eine Nonprofit-Organisation. Die Trägerschaft des Zweckverbands bilden die Gemeinden Schlatt, Basadingen-Schlattingen, Diessenhofen, Eschenz, Wagenhausen, Mammern und Steckborn. Aktuell betreut die Spitex mit 50 Mitarbeitenden (25 Vollzeitstellen) rund 400 Klienten. Stützpunkte gibt es in Diessenhofen und Steckborn. Im Jahr 2017 wurden 23976 Leistungsstunden erbracht, davon betrafen über 9000 Stunden Grundpflege und 6400 Stunden Behandlungspflege. (ma)

Eine Aussprache der Spitex-Betriebskommission mit den Präsidien der austrittswilligen Gemeinden hat laut Betriebskommissionspräsident Andreas Gäumann gezeigt, «dass die Basis für eine weiterführende Zusammenarbeit fehlt». Deshalb beantragt die Betriebskommission den Delegierten der Verbandsgemeinden die Auflösung per Ende 2020.

Aufwand steigt stärker als der Ertrag

Andreas Gäumann, Betriebskommissionspräsident. (Bild: Reto Martin)

Andreas Gäumann, Betriebskommissionspräsident. (Bild: Reto Martin)

Es ist ein Teufelskreis: Seit Inbetriebnahme der Spitex TGNW ist der Ertrag zwar um 14 Prozent gestiegen, der Aufwand aber um 31 Prozent. Der Bund hat die Tarife zu Lasten der Krankenkassen seit 2011 nicht mehr erhöht. Derweil erhalten aber Spitex-Organisationen wie Thurgau Nordwest vom Kanton immer mehr kostenintensive Vorgaben gestellt. Ein weiteres Problem ist der ausgetrocknete Arbeitsmarkt für Fachpersonal.

So lagen die Gemeindebeträge bei der Spitex TGNW 2013 bei 750000 Franken. Derweil rechnet das Budget 2019 mit einem Betriebsbeitrag der Trägergemeinden von 1,115 Millionen Franken: eine Kostensteigerung von rund 49 Prozent. Im innerkantonalen Bereich lag die Spitex Thurgau Nordwest nicht völlig ausser Traktanden. Im Jahr 2017 zahlten die Gemeinden an Untersee und Rhein knapp 41 Franken pro erbrachter Leistungsstunde, was vergleichbar ist mit der Spitex Region Frauenfeld, aber über dem Wert der Spitex Kreuzlingen und Müllheim liegt.

In der Medienmitteilung der Spitex TGNW heisst es weiter:

«Die austretenden Gemeinden vermissen den Sparwillen. Die Betriebskommission und die Betriebsleitung verweisen auf ihre stetigen Bemühungen um wirtschaftliches Handeln unter Einhaltung der hohen Leistungsqualität.»

Ziel der Betriebskommission sei es, «dass die Klienten in der Zeit des Übergangs wie auch nach 2020 sicher versorgt und die Mitarbeitenden bei neuen Arbeitgebern beschäftigt sein werden».

Befürchtung, dass gutes Personal abwandert

Betriebskommissionspräsident Andreas Gäumann ist Mitgründer der Spitex Thurgau Nordwest. Zuvor hatte er seit 2008 dieselbe Funktion bei der Spitex Steckborn inne. Er sagt:

«Der 2013 gegründete Gemeindezweckverband war damals die richtige Lösung, aber eine Bilanz im Jahr 2019 zeigt, dass die derzeitige Struktur des Betriebs nicht mehr angemessen ist.»

Die Auflösung sieht er als Chance, die Organisationsstrukturen der Pflege in der Region zu überdenken. Im Zentrum solle dabei nebst den Kosten die derzeit «sehr hohe Qualität der Pflege» stehen. Dass die hoch qualifizierten Mitarbeitenden der Spitex Thurgau Nordwest keine Arbeitsstelle mehr fänden, davor hat er keine Angst. Vielmehr befürchtet er aber, «dass den Nachfolgeorganisationen nicht ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung steht».

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