Kommentar
Korrekt Maurer und Apparatebauer sollen weiterturnen: Der Bedarf für die neue Turnhalle in Frauenfeld ist ausgewiesen

In zwei Wochen stimmt die Thurgauer Bevölkerung über den Kredit für eine Doppeldecker-Turnhalle beim Bildungszentrum für Technik in Frauenfeld ab. Es geht um 13,65 Millionen Franken.

Thomas Wunderlin
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Bild: Donato Caspari

Die Thurgauer Stimmberechtigten entscheiden am 29.November über einen Kredit von 13,65 Millionen Franken für eine Turnhalle an der Maiholzstrasse in Frauenfeld. Benützt werden soll sie ab 2023 von 1100 Berufsschülern des Bildungszentrums für Technik.

Seit seinem Umbau vor zehn Jahren verfügt das Bildungszentrum über keine eigene Turnhalle mehr. Sie nützt die zwei Kilometer entfernte Militärsporthalle und die ebenso weit entfernte Kantonsschulturnhalle. Die Militärsporthalle soll demnächst abgerissen werden. Wenn die angehenden Apparatebauer, Maurer und Sanitärinstallateure weiterhin turnen sollen, braucht es Ersatz. Daran besteht kein Zweifel, auch wenn derzeit coronabedingt Ballspiele verboten sind.

Ein Modell geplante Doppelturnhalle an der Maiholzstrasse Frauenfeld.

Ein Modell geplante Doppelturnhalle an der Maiholzstrasse Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder

Das Projekt umfasst zwei übereinanderliegende Turnhallen. Der elegante Holzbau fügt sich in das Wohnquartier ein. Die Kosten bewegen sich im Rahmen vergleichbarer Projekte. Die kompakte Gestaltung des Baukörpers trägt dazu bei, den Wärmebedarf gering zu halten. Der Standort ist ideal: keine 200 Meter vom Berufsbildungszentrum entfernt. Der Kanton hat das Grundstück 2015 für einen marktüblichen Preis von 631 Franken pro Quadratmeter gekauft.

Frauenfelder Vereine hätten andere Bedürfnisse

Im Grossen Rat, der dem Bau im Übrigen mit 119 zu 0 zustimmte, war von einem «unsinnigen Alleingang des Kantons» die Rede. Die Frauenfelder Vereine hätten Bedarf nach einer Zweifachhalle für Mannschaftssportarten, was ignoriert werde. Kritisiert wurde zudem, dass der Grosse Rat bei der Planung nicht einbezogen wurde.

In erster Linie dient der Neubau aber dem Schulsport. Einfachhallen sind ausserdem für Schulen ebenso wie für Vereine besser geeignet. Werden Doppelturnhallen mit Trennwänden unterteilt, bleibt ein akustisches Problem. Nach Ansicht der Stadt Frauenfeld eignet sich das Quartier ohnehin nicht für grössere Sportanlässe. Die kantonale Bauverwaltung hat sich durchaus mit ihr abgesprochen. Dies nicht zuletzt, weil die Stadt das Grundstück von der Wohnzone 2 in die Zone für öffentliche Bauten umteilen muss. Der Stadtrat hat zugesichert, dass er sich dafür einsetzen werde.

Es wäre aus demokratischer Sicht sicher sinnvoll, den Grossen Rat früher in die Planung einzubeziehen. Wie weit diese Forderung im Grossen Rat Rückhalt hat, ist aber nicht klar. Eine entsprechende Diskussion müsste zuerst stattfinden. Deswegen das vorliegende Projekt abzulehnen, wäre unsinnig.

Der Bedarf ist ausgewiesen. Das aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangene Projekt überzeugt. Das Thurgauer Volk hat kürzlich den erheblich teureren Ergänzungsbau des Regierungsgebäudes bewilligt. Es wäre unverständlich, wenn es nun das bescheidene Anliegen der Berufsschule abschmettern würde.