Bluttat in Konstanzer Disco: Tatwaffe kam aus der Schweiz +++ Verkäufer müssen heute vor Gericht +++ Ein Angeklagter fehlt – Prozess vertagt

Zwei Männer aus Kreuzlingen sollten am Dienstag vor dem Bezirksgericht erscheinen, weil sie dem Todesschützen in der Konstanzer Diskothek Grey die Tatwaffe verkauft haben. Einer der beiden fehlte jedoch unentschuldigt. Nun wird die Verhandlung vertagt. 

Urs Brüschweiler
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Der «Grey Club» ist wegen der Grenznähe und tiefer Getränkepreise bei Ostschweizern beliebt. 2017 kam es in der Diskothek zum tödlichen Schuss. (Bild: KEYSTONE)

Der «Grey Club» ist wegen der Grenznähe und tiefer Getränkepreise bei Ostschweizern beliebt. 2017 kam es in der Diskothek zum tödlichen Schuss. (Bild: KEYSTONE)

Die Richter, der Staatsanwalt und die beiden Verteidiger waren vor Ort, aber nur einer der beiden Angeklagten. Vom zweiten Beschuldigten, dem 32-jährigen Österreicher war aber am Dienstagmorgen, 8.15 Uhr, im Bezirksgericht Kreuzlingen nichts zu sehen oder zu hören. Dessen Anwalt konnte ihn dann auch telefonisch nicht erreichen. Er lebe mittlerweile wieder ihn Österreich. Auch bis am Mittag gab es noch keine Nachricht vom Angeklagten. 

Der Prozess um den Verkauf der Tatwaffe, welche beim Amoklauf in der Konstanzer Diskothek Grey verwendet wurde, konnte deshalb am Dienstag nicht stattfinden. Ein neuer Termin muss nun gesucht werden, wann es zur Verhandlung kommen wird, ist noch nicht bestimmt. Ob es nachträglich noch zu einer Dispensation kommt oder dem unentschuldigt abwesenden Angeklagten eine neue Vorladung mit Strafandrohung bei erneuter Versäumnis zugestellt werden muss, ist derzeit laut Gericht noch offen. 

Den Angeklagten droht Landesverweis

Die Angeklagten werden des Landes verwiesen, wenn sie die Richter in allen Punkten für schuldig befinden. «Gefährdung der öffentlichen Sicherheit mit Waffen» sei ein Delikt, welches diese Strafe zwingend nach sich ziehe, erklärt Bezirksgerichtspräsidentin Ruth Faller.

Die Staatsanwaltschaft hat zwei Männer aus Kreuzlingen deswegen und wegen Vergehen gegen das Waffengesetz angeklagt. Am Dienstag, 11. Juni, müssen sie sich vor Gericht verantworten.

Täter stand unter Drogeneinfluss

Die fragliche Waffe, ein M16-Sturmgewehr der US-Streitkräfte, erlangte am 30. Juli 2017 traurige Berühmtheit. Es ist die Tatwaffe des Todesschützen in der Schreckensnacht in der Konstanzer Diskothek Grey.

Ein 34-Jähriger mit irakischen Wurzeln hatte nach einem Streit mit dem damaligen Betriebsleiter um halb fünf Uhr morgens in der Disco das Feuer eröffnet, einen Türsteher getötet und mehrere Personen schwer verletzt. Dabei stand er unter Einfluss von Kokain und THC.

Waffenkauf im Februar, Tat Ende Juli

Der Täter wurde durch Schüsse der Polizei tödlich verletzt. Sein Gewehr, eine halbautomatische Kriegswaffe, war illegal in seinem Besitz. Solche Feuerwaffen sind sowohl in Deutschland, wie auch in der Schweiz verboten.

Erst ein knappes halbes Jahr zuvor, im Februar 2017, hatte ein 32-jähriger österreichischer Staatsangehöriger aus Kreuzlingen, einer der beiden heutigen Angeklagten, dem Täter die Waffe verkauft.

Der andere, ein deutscher Staatsangehöriger, heute 35 Jahre alt und ebenfalls in Kreuzlingen wohnhaft, soll laut der Staatsanwaltschaft den Kontakt vermittelt haben. Er soll mit dem späteren Todesschützen von Konstanz bekannt gewesen sein.

Gemäss Anklageschrift sei er der ehemalige Lebenspartner der Schwester des Grey-Schützen. Erst kurz zuvor, Ende November oder Anfang Dezember 2016, habe der spätere Verkäufer das Sturmgewehr von einem Schweizer aus Weinfelden erworben. Dieser illegale Waffenbesitz sei in einem separaten Verfahren bereits abgehandelt worden, sagt die Bezirksgerichtspräsidentin.

Der damalige Konstanzer Polizeipräsident Ekkehard Falk zeigt bei einer Pressekonferenz nach der Schiesserei die Tatwaffe, ein M16-Sturmgewehr der US-Streitkräfte. (Bild: Oliver Hanser, 30. Juli 2017)

Der damalige Konstanzer Polizeipräsident Ekkehard Falk zeigt bei einer Pressekonferenz nach der Schiesserei die Tatwaffe, ein M16-Sturmgewehr der US-Streitkräfte. (Bild: Oliver Hanser, 30. Juli 2017)

Ein Verbrechen in Kauf genommen?

Knackpunkt in der heutigen Gerichtsverhandlung wird die folgende Frage sein: Haben die beiden Männer mit dem Verkauf der Waffe in Kauf genommen, dass damit ein Vergehen oder ein Verbrechen begangen wird? Beziehungsweise, hätten sie damit rechnen müssen, dass der Käufer zum Todesschützen wird?

Die Staatsanwaltschaft vertritt die Auffassung, aufgrund der psychischen Verfassung und seinem Drogenkonsum hätten die Angeklagten ihm nie eine Waffe überlassen dürfen.

Drohender Landesverweis

Wie die Bezirksgerichtspräsidentin sagt, hätten die beiden Männer in Befragungen jedoch angegeben, dass sie keine Ahnung von irgendwelchen Absichten des Waffenkäufers gehabt hätten. Sie gaben an, dass sie das Gewehr, dessen ursprüngliche Herkunft unklar ist, wieder loswerden wollten.

Die Staatsanwaltschaft beantragt für den Österreicher eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten und eine Busse von 3000 Franken, für den Deutschen 10 Monate Freiheitsstrafe bedingt und 2000 Franken Busse, sowie für beide einen Landesverweis von fünf Jahren.