Kommentar
Weshalb der Rücktritt von Carmen Haag doch nicht ganz überraschend ist

Als die Thurgauer Regierungsrätin ihren Rücktritt bekannt gab, waren alle überrascht. Obwohl es Anzeichen gab.

David Angst
David Angst
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Carmen Haag am Mittwoch im Grossen Rat.

Carmen Haag am Mittwoch im Grossen Rat.

Bild: Andrea Tina Stalder

Carmen Haag kündigt ins Blaue hinein, um ihrer Laufbahn eine neue Wende zu geben. Die Mitte-Politikerin ist 47 Jahre alt, also mitten in ihrer Karriere. Der Rücktritt kommt überraschend. Man hätte ihn aber auch erahnen können. Der eine oder andere scheint es sogar gespürt zu haben. Sie sei in letzter Zeit dünnhäutiger gewesen, hört man. Die Affäre um ihren Impfstatus (negativ) muss nicht den Ausschlag gegeben haben, auch sie war aber ein Symptom dafür, dass für Carmen Haag nicht mehr alles stimmte.

Schon mit 40 Jahren wurde sie in dieses verantwortungsvolle Amt gewählt. Das Departement für Bau und Umwelt, welches sie übernahm, ist das schwierigste überhaupt. Als dessen Vorsteherin kann man sich zwar Respekt, aber auch viel Ärger einhandeln. Mit den Gemeinden, den Grundeigentümern, den Hausbesitzern, den Baufirmen, den Bauern, etc. Carmen Haag hat ihren Job gut gemacht. Vielleicht zu gut.

Zusammen mit ihrem Team erledigte Carmen Haag unbeirrt und gegen teilweise heftigen Widerstand ihre Aufgabe. Besonders konfliktträchtig waren die Umsetzung des eidgenössischen Raumplanungsgesetzes, die Renaturierung der Thur und jüngst die Kleinsiedlungsverordnung. Die Kritik richtete sich nicht nur gegen die Regierungsrätin, sondern auch gegen einzelne ihrer Ämter, etwa das Amt für Raumentwicklung ARE. Carmen Haag stellte sich vor ihre Leute, fing die Kritik ab. Auch der Chefin des besagten ARE, die von aussen kritisiert wurde, stärkte sie stets den Rücken. Sie bewies damit hohe Führungsqualität, wofür ihr auch Kritiker Respekt zollten. Man attestiert ihr – positiv gesagt – Standhaftigkeit. Weniger Wohlwollende nannten es Sturheit.

Solche Konflikte auszuhalten ist auf die Dauer zermürbend, gerade im Thurgau, wo jeder jedem ständig über den Weg läuft. Ein Departementswechsel hätte Carmen Haag womöglich gut getan, aber er liess sich nicht realisieren. Und so kommt nun dieser Rücktritt zwar überraschend. Unverständlich ist er aber nicht.

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