Kommentar
Mit Grundsatzfragen zum innerstädtischen Verkehr kann Frauenfelder Stimmvolk die Weichen für nächste Jahrzehnte stellen

Der Stadtrat spricht von einer grossen Chance für das Herzen der Frauenfelder Innenstadt. Zuerst muss der Gemeinderat das Geschäft über die autofreie Altstadt noch durchwinken. Dann darf das Stimmvolk darüber befinden, ebenso wie über die Aufwertung der Strassenräume. Nach den jahrelangen Diskussionen erhält die Bevölkerung also die Möglichkeit, Tacheles zu reden. Endlich.

Samuel Koch
Samuel Koch
Drucken
Immer wieder Anlass für heisse Diskussionen: Autos in der Freiestrasse der Frauenfelder Altstadt.

Immer wieder Anlass für heisse Diskussionen: Autos in der Freiestrasse der Frauenfelder Altstadt.

Bild: Andrea Stalder

Nun sag, wie hast du's mit einer autofreien Frauenfelder Altstadt? Über diese Gretchenfrage entscheidet das Frauenfelder Stimmvolk Mitte Mai, sofern der Gemeinderat denn will und das Geschäft durchwinkt. Alles andere jedenfalls wäre nach den jahrelang brandheiss geführten Diskussionen eine kalte Dusche.

Ohnehin vors Volk kommt der Brutto-Rahmenkredit von 11,3 Millionen Franken zur Aufwertung der Strassenräume der Innenstadt. Unzählige Bestrebungen für eine attraktivere Altstadt und Verbesserungen der innerstädtischen Verkehrssituation sind in Frauenfeld schon im Sand verlaufen. Die Resultate aus den jüngsten Mitwirkungen deuten aber darauf hin, dass Gewerbe und Volk die Strategie des Stadtrats unterstützen. Deshalb kommt jetzt der Zeitpunkt für die wegweisenden Abstimmungen genau richtig, damit das Volk endlich Tacheles reden kann und die Stadt erfährt, woran sie ist. Denn nicht einmal die umfangreichsten Befragungen kommen einem Grundsatzentscheid, herbeigebracht durch den Volkswillen, gleich.

Im Gesamtbild 2040 der Agglomeration stehen vage Visionen mit blumigen Leitsätzen, wie die Stadt Frauenfeld entwickelt und dereinst aussehen soll. Im Koordinationsplan Stadtentwicklung sind die Leitsätze zwar detaillierter, aber immer noch sehr unkonkret gefasst.

Ob für eine zentrumsnahe Stadtentlastung überhaupt je Geld aus Bundesbern nach Frauenfeld fliesst, liegt nur bedingt in der Macht hiesiger Politikerinnen und Politiker. Dafür legt der Stadtrat kurzfristig mit dem Bruttorahmenkredit zur Aufwertung der Strassenräume der Innenstadt zu Recht den Fokus auf flankierende Massnahmen aus den Agglomerationsprogrammen der ersten beiden Generationen, nachdem ihm die hohe Zustimmung aus der öffentlichen Mitwirkung den Rücken gestärkt hat.

Die Zeit dafür drängt. Die ärgerlichen Verzögerungen lassen sich nicht mehr aufholen. Dafür lassen sich bald wegweisende Entscheide fällen, mit einfachen und konkreten Grundsatzfragen auf niedriger Flughöhe, welche die Stimmberechtigten verstehen und die für sie greifbar sind. Schwarz oder weiss? Ja oder Nein zu einer autofreien Altstadt? Und Ja oder Nein zum Rahmenkredit Aufwertung der innerstädtischen Strassen? So kann das Stimmvolk endlich Tacheles reden und verkehrstechnisch die Weichen für die nächsten Jahrzehnte stellen.

Aktuelle Nachrichten