Kommentar
Stadt Frauenfeld ist gut beraten, die Warnsignale für den finanzpolitischen Balanceakt richtig zu deuten

Plus statt Minus, Millionengewinn statt Millionendefizit. Die Rechnung 2020 der Stadt Frauenfeld schliesst mit einem Überschuss von 2,15 Millionen Franken ab, 4,31 Millionen besser als budgetiert. Das gute Resultat und die stabile Lage sind aber mit Vorsicht zu geniessen, denn der Balanceakt wird schwieriger, gerade mit Corona.

Samuel Koch
Samuel Koch
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Blick eines Gemeinderates in den Budget-Ordner der Stadt Frauenfeld.

Blick eines Gemeinderates in den Budget-Ordner der Stadt Frauenfeld.

Bild: Reto Martin (Frauenfeld,
9. Dezember 2020)

Überraschend schwarz sind die Zahlen im Abschluss 2020 der Stadt Frauenfeld. Das budgetierte Minus hat sich in ein Plus verwandelt, und das erst noch nach Coronajahr 1. Zwar hat die Pandemie zu Mehrkosten und Ertragsausfällen geführt. Mit der grossen Kelle eingeschenkt haben deren Auswirkungen aber noch nicht. Unausweichlich sind sie trotzdem, etwa bei den Sozialen Diensten. Der Balanceakt des Stadtrates geht also weiter, bei zukünftig wohl noch unvorteilhafteren Bedingungen.

Ein Blick aufs grosse Ganze zeigt: Die Lage ist stabil, das ist lobenswert. Die Stadt sitzt auf einem Polster von 73 Millionen Franken im Bilanzüberschuss und knapp 145 Millionen im Eigenkapital. Zu Recht also hat der Gemeinderat bei der geplanten Steuerfusserhöhung vor zweieinhalb Jahren insistiert und den Stadtrat in die Schranken gewiesen.

Der gute Abschluss ist aber auch mit Vorsicht zu geniessen, denn der überraschende Gewinn hat mit einer glücklichen Fügung aus Folgebewertungen von Liegenschaften zu tun. Das gibt es nicht jedes Jahr. Zudem schlägt sich der aufziehende Wind mit der Pandemie wohl erst in den kommenden Jahren so richtig im städtischen Finanzhaushalt nieder. Der Einbruch bei den Steuereinnahmen und die roten Zahlen beim Alterszentrum Park dienen als Warnsignale. Ums dicke Polster wird man noch froh sein.