Kommentar
Rücktritt nach Dauerquerelen in Steckborn: Viel zu späte Einsicht und mangelhafte Kommunikation

Roman Pulfer legt sein Amt als Stadtpräsident von Steckborn noch vor der Hälfte der Legislatur nieder. Viel zu spät kommt seine Einsicht, dass er das Ruder nicht mehr herumreissen kann.

Samuel Koch
Samuel Koch
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Stadtpräsident Roman Pulfer verkündet seinen Rücktritt.

Stadtpräsident Roman Pulfer verkündet seinen Rücktritt.

Bild: Andrea Stalder

Lange hat er eisern geschwiegen. Jetzt kündigt er am Montagmorgen spontan eine Medieninformation an, um seinen Rücktritt per Ende Mai zu verkünden. Der Abgang von Stadtpräsident Roman Pulfer nach nicht einmal zwei Jahren im Amt überrascht keineswegs, zu gross ist der vorliegende Scherbenhaufen im Unterseestädtchen.

Vielmehr kommt die Einsicht viel zu spät, dass Pulfer das Ruder nicht mehr herumzureissen im Stande ist, nachdem eine funktionierende Gemeinde mit mehreren Rücktritten aus dem Stadtrat und Abgängen von wichtigen Mitarbeitenden über Monate hinweg ein Stück weiter im Untersee versunken ist. Mit den Auswirkungen auf die Sozialen Dienste und damit auf viele umliegende Gemeinden hat der Sturm zusätzlich derart heftige Ausmasse angenommen, dass der deeskalierende Rücktritt unumgänglich wurde.

Immer wieder traten neue Vorwürfe an die Öffentlichkeit, doch der Stadtpräsident hüllte sich in Schweigen und versteckte sich hinter dem Amtsgeheimnis und dem Persönlichkeitsschutz. Noch heute. Das ist sträflich, denn ohne Dementi bei zum Teil happigen Anschuldigungen entsteht bei Aussenstehenden umgehend der Eindruck, dass etwas dran ist. Als Grund für die schwierige Situation beklagt Pulfer entgegengebrachte Skepsis und Opposition. Dabei kam schon im vergangenen Mai ein zu Rate gezogener, externer Berater zur Erkenntnis, dass der Stadtpräsident «nicht das Opfer, sondern die Ursache für vieles» sei.

Die Erkenntnis, dass es zum Wohle der Stadt besser ist, zurückzutreten und für einen Neuanfang Platz zu machen, hätte viel früher kommen müssen. Ebenso die Einsicht, dass es für eine funktionierende Gemeinde in deren Führung viel Fingerspitzengefühl und Kommunikationsgeschick benötigt. Die ausbleibenden Antworten von Roman Pulfer und Vizestadtpräsidentin Kathrin Mancuso zur Frage, wie lange Pulfer noch Lohn erhält, sprechen da für sich. Für die Bürgerinnen und Bürger ein Hohn, immerhin geht es dabei um ihre Steuergelder.