Kommentar
Absage fürs Open Air Frauenfeldli: Alle haben geschlafen

Zwei Wochen vor der Durchführung ziehen der Kanton Thurgau und die Stadt Frauenfeld dem Mini-Open-Air Frauenfeldli den Stecker. Ohne 3-G wird das alles so weiter gehen. Die vierte Welle ist Realität. Denn wir alle haben wieder einmal geschlafen.

Peter Exinger
Peter Exinger
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Luftaufnahme des letztmaligen grossen Open Air Frauenfeld 2019.

Luftaufnahme des letztmaligen grossen Open Air Frauenfeld 2019.

Bild: PD

Jetzt haben Kanton Thurgau und Stadt Frauenfeld die Reissleine gezogen. Der kleine Ersatz für das Mega-Event Open Air Frauenfeld ist auch abgesagt: Das Frauenfeldli darf nicht stattfinden – keine Genehmigung. Kanton und Stadt sehen sich ausserstande, Betten für allfällige Notfälle von derlei Konzertereignissen zur Verfügung zu stellen. Die Situation am Spital Frauenfeld ist zu angespannt. Kein Intensivbett mehr frei. Patienten werden bereits auf andere Kantone verteilt. Nichts geht mehr.

Logischerweise appellieren die von der Absage überraschten Veranstalter mit einer Bitte: Lasst Euch impfen! Die Schweiz findet sich im europäischen Vergleich bei der Durchimpfungsrate tatsächlich schon ziemlich als Schlusslicht.

Ein paar Fragen bleiben: Haben wir nicht wieder die ganze Ferienzeit verschlafen? Wie letztes Jahr auch schon, als wir uns im Sommer sorglos von der ersten Welle und dem Lockdown erholt haben und keinen Gedanken an den Herbst verschwenden wollten.

Nicht daran gedacht, dass Urlaubsrückkehrer möglicherweise Corona im Gepäck mitbringen? Wären Quarantäne-Regeln nicht das kleinere Übel gewesen? Jedenfalls: Ohne 3-G wird das alles so weiter gehen. Das steht fest. Die vierte Welle ist Realität. Das steht auch fest.

Selber schuld, könnte man nun sagen. Die Leidtragenden sind die vielen solidarisch Geimpften – langsam könnte deren Geduld mit der ungemütlichen Situation ein Ende haben. Denn viele Vernünftige verzichten und nehmen Einschränkungen in Kauf. Wegen der Pandemietreiber, wegen der ungeimpften Erkrankten – vielleicht aber auch, weil wir alle wieder mal geschlafen haben.

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