Königin Molly hält wild Hof: So baut das Cinema Luna in Frauenfeld sein Programm für Kinder aus

Neu gibt’s im x-fach preisausgezeichneten Frauenfelder Studiokino von September bis Mai siebenmal «Mollys Filmpalast». Hinter der Kinderkino-Animation stecken der Theatermacher Oliver Kühn und die Laienschauspielerin Martina Flück.

Mathias Frei
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Ein Bild so verrückt wie «Mollys Filmpalast»: Martina Flück alias Königin Molly balanciert im grossen Saal des Cinema Luna auf den Schultern von Oliver Kühn, der Minister Steini spielt. Luna-Programmchef Christof Stillhard hält der Königin die Hand.

Ein Bild so verrückt wie «Mollys Filmpalast»: Martina Flück alias Königin Molly balanciert im grossen Saal des Cinema Luna auf den Schultern von Oliver Kühn, der Minister Steini spielt. Luna-Programmchef Christof Stillhard hält der Königin die Hand.

(Bild: Mathias Frei)

Eigentlich ist Molly ja Putzfrau im Kino. Aber für sie ist das ihr Filmpalast mit ihr als Königin. Immer mit dabei, wenn sie Hofstaat hält: Hansrudolf von Steinemann, Steini, Minister für Kinematografie. «Mollys Filmpalast» ist speziell aufbereitetes, weil pädagogisch wertvolles Kino für Kinder ab sechs Jahren. Das Angebot gibt es neuerdings auch im Cinema Luna. Premiere ist am Mittwoch, 23. September, um 14 Uhr. «Pünktchen und Anton» läuft dann.

«Kino wird noch lange seine Berechtigung haben, sei es als Ort der Filmkunst oder auch als sozialer Treffpunkt.»

Das sagt Christof Stillhard, Programmchef des Cinema Luna. Während andernorts die Besucherzahlen einbrechen, betreibt das Luna selber Nachwuchsförderung. Damit die Filmfreunde auch in Zukunft kommen. Schon seit längerem gibt es im x-fach preisausgezeichneten Studiokino am Bahnhof Frauenfeld die Kinderfilmreihe «Kids-Kino» sowie für Jugendliche die «Sputnik»-Reihe. Königin Mollly und Steini halten nun im Rahmen von «Kids-Kino» siebenmal zwischen September und Mai Hofstaat im Cinema Luna. Kinder können ein Abo lösen für die sieben Vorführungen und sind dann Teil von Mollys Hofstaat.

Besondere Kinofilme für Kinder ab sechs Jahren

«Kids-Kino» für Kinder ab sechs Jahren gibt es von September bis Mai jeden Sonntagvormittag und neu auch jeden Mittwochnachmittag (14 Uhr). Der Eintritt beträgt einen Fünfliber (ab zwölf Jahren: zehn Franken). «Mollys Filmpalast» im Rahmen von «Kids-Kino» startet am Mittwoch, 23. September, mit dem Film «Pünktchen und Anton». Weitere Daten für den Filmklub sind folgende Mittwochnachmittage: 11. November, 9. Dezember, 13. Januar, 17. Februar, 24. März und 5. Mai. Wer ein Abo für siebenmal «Mollys Filmpalast» für 35 Franken löst, darf in die Weihnachtsvorstellung ein Gespänli oder Elternteil mitnehmen. Für die Abobestellung schreibt man ein E-Mail an programm@cinemaluna.ch und gibt Name sowie Adresse des Kindes an. (ma)

Weitere Informationen und Programmdetails unter www.cinemaluna.ch

Eine Hebamme und ein Theatermacher

Der bekannte Theatermacher Oliver Kühn (Theater Jetzt) und die Laienschauspielerin Martina Flück, die im anderen Leben Hebamme ist, führen «Mollys Filmpalast» schon seit einigen Jahren in einem Wiler Kino durch. Kühn hat vor 20 Jahren für den aus Neuenburg stammenden Filmklub Zauberlaterne mit Kinderkino-Animation begonnen. Später hat er ein eigenes Angebot entwickelt, eben «Mollys Filmpalast». Beim Filmklub Zauberlaterne fand er den «Frontalunterricht» nicht mehr zielführend.

«Bei unserem pädagogischen Ansatz lernen die Kinder etwas über Kino, indem sie es erleben.»

Das sagt Kühn. Die Kinder werden von Palastdamen (Mütter oder Grossmütter) am Kinoeingang empfangen. Danach geht’s in den Saal, wo Mollys Thron steht und wo es im Dialog mit den kleinen Besuchern eine animierte Einführung in den Film respektive in ein cineastisches Thema gibt, sei es die Projektionstechnik, der Schwarz-Weiss-Film oder die Schauspielerei. Dazu gibt es Popcorn und etwas zu trinken. «Wir haben oft auch Gäste, etwa einen Pianisten oder einen Feuerspucker», sagt Martina Flück.

Dabei gehe es bisweilen zu und her wie um 1600 im Shakespeare’schen Globe-Theater in London, erklärt Kühn. «Die Kinder schreien herum oder buhen einen Gast wieder hinaus.» Molly und Steini sind immer die Guten und seien sehr beliebt beim Kinderpublikum.

«Während ich als Steini das ‹Filmbulletin› bin, also das Filmfachblatt, stellt Molly eher die ‹Gala› dar.»

So erklärt es Kühn. Beide sind toll kostümiert, Molly trägt ein ausschweifendes Barockkleid, das bei den Mädchen immer gut ankomme. Zwischendurch brauche es einen Blockbuster wie «Toystory» oder «Ein Schweinchen namens Babe». Nie fehlen dürften Charlie-Chaplin-Filme, «Dick und Doof» oder Kinderfilmmeisterwerke aus Osteuropa und Skandinavien.

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