Knatsch in Märstetten: Früherer Gemeindepräsident wettert gegen seine Nachfolgerin: «Sie hat gegen mich gearbeitet»

Nach Vorwürfen gegen ihn nimmt Jürg Schumacher, ehemaliger Gemeindepräsident von Märstetten, Stellung. Zudem erzählt er, dass ihn negative Gerüchte fast in ein Burn-out getrieben hätten.

Sabrina Bächi
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Dieses Bild – vier Monate vor der Amtsübergabe aufgenommen – zeigt die Aktenberge in Jürg Schumachers Büro.

Dieses Bild – vier Monate vor der Amtsübergabe aufgenommen – zeigt die Aktenberge in Jürg Schumachers Büro.

Bild: Werner Lenzin

Keine richtige Amtsübergabe, kein Einarbeiten, keine Übergabe der Passwörter und ein Chaos im Büro. Die Vorwürfe, welche die Märstetter Gemeindepräsidentin Susanne Vaccari-Ruch an der Gemeindeversammlung gegen ihren Vorgänger Jürg Schumacher erhoben hat, sind happig.

Vaccari ist erst seit Juni im Amt und teilte den Stimmbürgern an der Versammlung mit, dass sie mit Startschwierigkeiten zu kämpfen hatte. Doch diese Vorwürfe will der frühere Präsident, Jürg Schumacher, nicht auf sich sitzen lassen. Seine Antwort ist folgende:

«Es hat eine sehr ordentliche Amtsübergabe stattgefunden.»

Es gibt auch ein Protokoll dieser Übergabe. Alles ist darin aufgelistet, sagt Schumacher. «Es beinhaltet die Pendenzenliste und die Zugänge zu den Computerprogrammen», sagt er. Es ist auch aufgelistet, welche Ordner im Büro noch vorhanden sind. Die Übergabe wurde von den Gemeinderäten Heinz Nater und Guido Stadelmann begleitet. Das gut zweiseitige Übergabeprotokoll ist von Schumacher und Vaccari unterschrieben.

«Das Büro war aufgeräumt»

Zudem, sagt Schumacher, habe er an drei Wochenenden alle seine Akten durchgeordnet und Material fürs Archiv ausgemistet. «Das hat etwa sieben nach Geschäftsbereichen sortierte Stapel ergeben.» Der Bürotisch sowie der Sitzungstisch im Büro seien bei der Übergabe leer und aufgeräumt gewesen. Wenn es ein Chaos gegeben hat, meint Schumacher, dann nur, weil Susanne Vaccari-Ruch die Akten wieder aus dem Archiv ins Büro geholt habe.

Ein Einarbeiten gab es aber nicht, bestätigt Schumacher. «Wegen Differenzen in unserer Zusammenarbeit hätte das nicht geklappt.» Vaccari habe vor allem im letzten halben Jahr im Gemeinderat gegen ihn gearbeitet. Von verschiedenen Vorkommnissen spricht der ehemalige Präsident. Geht aber nicht genauer darauf ein.

«Sie verhält sich wie eine Geisterfahrerin, die selber nicht merkt, dass sie auf der falschen Spur unterwegs ist.»

Persönlich habe er nichts gegen Vaccari. «Ich weiss auch nicht, woher ihre Wut gegen mich kommt.» Übertriebener Ehrgeiz vielleicht, meint er achselzuckend. Ironischerweise sei er es gewesen, der sie vor fünf Jahren anfragte, für den Gemeinderat zu kandidieren. «Ich fand, sie ist eine Powerfrau. Ich konnte ja nicht wissen, dass sie zwei Gesichter hat und am Ende gegen mich arbeitet.»

Bei einem Punkt habe sie jedoch teilweise recht: Das Passwort für die Telefonanlage habe er ihr wirklich nicht übergeben. «Ich habe das Passwort vergessen. Es war immer auf meinem Browser gespeichert, deshalb wusste ich es nicht mehr.» Sonst hätte er jedoch alle Passwörter übergeben wollen – wenn auch erst nach der Amtsübergabe. Sein Zugang sei jedoch am 1. Juni gesperrt worden, darum war das unmöglich.

Schlechtes Karma im Gemeindepräsidium

Probleme mit den Gemeinderatskollegen – wie sie auch Vaccari an der Gemeindeversammlung beklagte – kennt auch Jürg Schumacher. «Hätte ich nicht so eine gute Verfassung, hätte ich bestimmt schon lange ein Burn-out erlitten», sagt Jürg Schumacher, der zwölf Jahre lang Gemeindepräsident in Märstetten war.

«Ich hatte verschiedene Projekte vor, die habe ich alle umgesetzt. Acht Jahre wären dafür zu wenig gewesen», sagt er. Im Nachhinein betrachtet, findet er, zehn Jahre Präsidium hätten aber gereicht.

«Ja, ich habe die Lust am Job gegen Ende verloren.»

Er habe sich immer für das Allgemeinwohl eingesetzt und während Jahren mehr als 100 Prozent gearbeitet. Nebst dem Präsidium leitete er auch die Technischen Werke. Als Quittung für dieses Engagement viele negative Gerüchte ertragen zu müssen, sei nicht schön. «Es war eine fast unerträgliche Situation.»

Bereits seine Vorgänger hätten es schwer gehabt im Amt. Es scheine kein gutes Karma für das Präsidium der politischen Gemeinde zu herrschen. «Eigentlich ist es komisch: Das Vereinsleben ist super und harmonisch, es ist toll, hier zu wohnen. Aber auf der politischen Ebene ist das Dorf gespalten», sagt Schumacher. (sba)

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