«In zwei Jahren sind unsere Reserven aufgebraucht»: Dem Kloster Fischingen geht das Geld aus

Das Kloster Fischingen schreibt Jahr für Jahr ein Defizit von einer halben Million Franken. Wenn der Staat keine regelmässige Unterstützung leistet, ist in zwei Jahren Schluss, sind die Verantwortlichen überzeugt.

Olaf Kühne
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Das Kloster Fischingen mit einer Projektion des Lichtkünstlers Gerry Hofstetter im November 2018. (Bild: Andrea Stalder)

Das Kloster Fischingen mit einer Projektion des Lichtkünstlers Gerry Hofstetter im November 2018. (Bild: Andrea Stalder)

«Nennen wir es beim Namen», sagt Werner Ibig, «was wir machen, ist beharrliches Betteln.» Der Fischinger Klosterdirektor und sein Vereinspräsident, Bruno A. Hubatka, hatten vor der Generalversammlung zu einer Medieninformation eingeladen. Und dabei gab es nur ein Thema: Geld.

Nun sind finanzielle Sorgen wahrlich nichts Neues im Kloster Fischingen, eher sogar ein Dauerbrenner. Die Offenheit, mit der insbesondere Werner Ibig über die monetäre Situation der Einrichtung spricht, überrascht dennoch. «Wir schreiben Jahr für Jahr rund eine halbe Million Franken Verlust», sagt er. «In zwei Jahren sind unsere Reserven aufgebraucht.» Bruno A. Hubatka präzisiert:

«Selbst wenn all unsere Betriebszweige wie Hotel, Restaurant und Schreinerei jederzeit voll ausgelastet wären, was völlig utopisch ist, würden wir wohl immer noch ein Defizit erwirtschaften.»
Klosterdirektor Werner Ibig und Vereinspräsident Bruno A. Hubatka zeigen die frisch installierte Elektrotankstelle. (Bild: Olaf Kühne)

Klosterdirektor Werner Ibig und Vereinspräsident Bruno A. Hubatka zeigen die frisch installierte Elektrotankstelle. (Bild: Olaf Kühne)

Suche nach Spenden wird immer schwieriger

Mit betriebswirtschaftlichen Massnahmen ist den roten Zahlen also nicht beizukommen. Das Kloster finanziert sich denn auch seit jeher auch durch Spenden, Legate und andere Beiträge – was indes nicht bloss eine Sisyphusarbeit ist, sondern laut Ibig immer schwieriger werde.

«Uns sterben die katholischen Spender weg», sagt er ganz unverblümt. Insbesondere in der Ostschweiz gebe es ein vermögendes, katholisches Milieu, welches das Kloster Fischingen und ähnliche Institutionen mit Spenden oder via Testament mit einem Legat unterstütze. Nur würden diese Menschen naturgemäss immer weniger und die nachfolgende Generation zeige weit weniger Spendenfreude.

«Kulturstiftungen sagen uns – zurecht –, dass sie nicht Gebäude oder Bauunternehmen finanzieren können.»

Zwar gebe es allerorten Geldtöpfe, die man anzuzapfen versuche, sagt Ibig – das besagte «beharrliche Betteln». Die Krux sei jedoch eine grundlegende: «Wenn wir bauen, erhalten wir Unterstützung beispielsweise durch den Lotteriefonds oder die Denkmalpflege. Das Teure an unseren alten Liegenschaften ist aber der laufende Unterhalt, und dafür gibt es nichts.»

Landeskirche hat sich verabschiedet

Auf der anderen Seite gebe es zahlreiche potente Stiftungen, welche Kultur unterstützen. «Die sagen uns – zurecht –, dass sie nicht Gebäude oder Bauunternehmen finanzieren können.» Und die katholische Landeskirche habe sich gleich ganz vom Kloster Fischingen verabschiedet. «Von dort hören wir: ‹Das ist nicht mehr unsere Aufgabe.›»

So alt die Gemäuer auch sind, mangelnde Innovationsfreude kann man dem Verein Kloster Fischingen schwerlich vorwerfen. So baute man vor sechs Jahren die einstige Pilgerherberge zu einem Seminarhotel mit drei Sternen um, ohne aber die Pilger völlig zu vergessen. Vor vier Jahren nahm man eine neu gegründete Brauerei als Mieterin auf, die seither unter der Marke «Pilgrim» braut. «Das Bier ist für uns ein Renner, was die Aussensicht auf uns anbelangt», schwärmt Werner Ibig.

Seit Donnerstag mit Elektrotankstelle

Die neueste Errungenschaft des Klosters ist weit weniger spektakulär, liegt aber mindestens genau so im Trend wie hochpreisige Biere: Seit Donnerstag fliesst auf dem Klosterparkplatz Strom aus einer Elektrotankstelle. «Die ist nicht nur für Autos, man kann hier auch sein E-Bike aufladen. Es soll ja auch Pilger geben, die mit dem Velo nach Santiago de Compostela fahren», sagt Werner Ibig und lacht. Seinen Humor hat der Klosterdirektor nicht verloren.

Den Ernst der Lage will er dennoch betont wissen. «Entgegen anders lautenden Gerüchten: Wir erhalten keine regelmässige staatliche Unterstützung. Doch genau das brauchen wir.» Ein entsprechendes Gesuch habe der Kanton zwar bereits abgelehnt – aber: «Wir bleiben mit Hochdruck dran und verhandeln weiter.»

Fischingen: Konzertkultur im Kloster

Kultur Kloster Fischingen hat ein erfolgreiches Jahr hinter sich. Das neue Konzertprogramm beginnt am Sonntag – doch für den Star muss sich das Publikum bis Ende Oktober gedulden. Dann spielt Heinz Holliger Schumann, Beethoven und sich selber mit einem Trio.
Dieter Langhart