Klimapolitik, Finanzen und Corona-Virus: Darüber diskutieren die Thurgauer Regierungsratskandidaten am Podium

Sieben Kandidaten für fünf Sitze: So präsentiert sich die Ausgangslage für die Regierungsratswahlen. Am Podium der Thurgauer Zeitung haben alle sieben die verbalen Klingen gekreuzt.

Sebastian Keller
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TZ-Podium zu den Regierungsratswahlen im Rathaus Frauenfeld: Carmen Haag, Cornelia Komposch, Monika Knill, Walter Schönholzer, Karin Bétrisey, Ueli Fisch und Urs Martin.

TZ-Podium zu den Regierungsratswahlen im Rathaus Frauenfeld: Carmen Haag, Cornelia Komposch, Monika Knill, Walter Schönholzer, Karin Bétrisey, Ueli Fisch und Urs Martin.

(Bilder: Andrea Stalder)

Podium beendet

20:45 Uhr

So, liebe Leserinnen und Leser, wir bedanken uns herzlich für das Interesse. Das Podium endet mit Applaus kurz vor 21 Uhr.

Gewählt wird am 15. März. Dann wissen wir spätestens, wer bei den Wählerinnen und Wählern tatsächlich punkten konnte.

Die Berichterstattung über das Podium lesen Sie demnächst in der Thurgauer Zeitung und online. Gute Nacht!

20:36 Uhr

Thomas Götz, Komiker aus Weinfelden, fragt, was Militärdirektorin Cornelia Komposch von der Beschaffung der Kampfjets halte. Die Sozialdemokratin sagt: «Da bin ich dafür.» Auch im Luftraum müsse das Land geschützt werden. «Die Kampfjets sind wie die Polizei in der Luft.» Und diese brauche es in Zeiten der vielen Bedrohungen.

20:28 Uhr

Auch das Klima kommt zur Sprache. Energieminister Walter Schönholzer spricht vom Erfolgsmodell der Umstiegsprämie von Benzin- auf Elektroautos. «Jeder muss bei sich schauen», sagt Cornelia Komposch. Monika Knill meint, der Strauss von Massnahmen müsse umgesetzt werden. Sie setzt auch auf Forschung und Innovation. «Es gibt auch kleiner Massnahmen wie Bäume pflanzen.»

Urs Martins Beitrag zum Klimaschutz? Er findet, man müsse dem Wald mehr Sorge tragen. Er sei als OL-Läufer viel zwischen den Bäumen unterwegs. «Ich bin auch in Zeiten des Corona-Virus unterwegs, heute morgen fast alleine.»

Ueli Fisch erinnert daran, dass er den Klima-Notstand wollte ausrufen lassen. Das wollte die Regierung nicht, aber es führte dazu, dass der Kanton eine Klimaschutz-Fachstelle schafft. «Den Druck des Parlament hat es gebraucht.» Carmen Haag informiert: «Wir sind derzeit daran, jemanden einzustellen.»

Karin Bétrisey fordert ein Umdenken. «Gerade in der Mobilität.» Breite Strassen seien «70-er-Jahre» gewesen. Nachholbedarf gebe es bei der Förderung des Langsamverkehrs und des öffentlichen Verkehrs. «Es braucht mehr Ressourcen.»

Walter Schönholzer sagt, auch E-Autos brauchen Strassen. «Die künftige Mobilität wird anders sein.» Man müssen gut aufpassen, dass man nicht in Infrastruktur investiere, die man in der Zukunft nicht mehr brauchen. Er zeigt sich aber überzeugt, dass es auch künftig Strassen brauche.

20:15 Uhr

Nun ist das Publikum an der Reihe und kann Fragen stellen. Ein Besucher fragt Bétrisey und Fisch zu den Strassenprojekten im Thurgau.

Bétrisey nennt die BTS (Bodensee-Thurtalstrasse) eine Schneise durch den Kanton. Das wolle sie nicht, es sei nicht zeitgemäss.

Fisch sagt: «Wir haben ein Verkehrsproblem auf dieser Achse.» Er hätte sich einen anderen Weg gewünscht.

Carmen Haag sagt, man hätte noch mehr Verkehr in den Dörfern wenn man einen anderen Weg gewählt hätte. Sie plädiert für die BTS: «Ich bin sicher, dass der Bund anerkenne, dass man die Strasse ganzheitlich gedacht hat.» Es könne sogar Modellcharakter haben. Haag verneint nicht, dass es wohl die eine oder andere Einsprache geben wird.

Carmen Haag sagt, dass das Viadukt in Weinfelden nicht in Stein gemeisselt sei. Ueli Fisch sagt, dass das Volk womöglich in Kenntnis des Viadukts anders entschieden habe.

Urs Martin ist auch ein BTS-Befürworter. Er sei zwar oft mit dem öV unterwegs. «Wir haben ein Verkehrsproblem im Thurtal.»

Karin Bétrisey findet es schade, dass man das Heft aus der Hand gegeben habe. Die Linienführung sei nun Sache des Bundes. Urs Martin findet es gut, dass das Projekt jetzt beim Bund sei. Er wünscht sich, dass man als Thurgau geeint hinstehe für die neue Strasse durch den Kanton.

Carmen Haag sagt, die Linienführung sei fixiert. Jeder Veloweg sei eingezeichnet.

20:03 Uhr

Jetzt geht es um Ja- und Nein-Fragen. Es geht darum, wer einen Notvorrat zuhause hat. Alle haben einen - Ueli Fisch nicht. Monika Knill sagt, sie habe keine Ravioli. In Urs Martins Keller lagern dafür 200 Flaschen Wein.

20:01 Uhr

Und jetzt geht es um Kunst. Genauer um das Kunstmuseum. Moderator Mario Testa fragt: «Was läuft da schief?»

Kulturministerin Monika Knill erwähnt den schwierigen Weg – der auch über das Bundesgericht in Lausanne ging. «Wir müssen sagen, ein Zeitgeist hat sich geändert.» Es seien Lehren gezogen worden.

Heute habe man das Rechtsverhältnis zwischen Kanton und der Stiftung Kartause Ittingen geklärt. «Derzeit ist es noch offen, ob es zu einer Erweiterung auf der Kartause kommt.»

Sie kündigt nun an, dass es Zeit sei beim Kunstmuseum und beim Historischen Museum Nägel mit Köpfen zu machen. «Am liebsten vor dem Sommer.»

Bétrisey sagt: «Es ist Zeit, dass die Wahlen vorbei sind, dann werden mutigere Entscheide gefällt.»

19:52 Uhr

Der Fall Hefenhofen – ein Tierschutzskandal - hat den Thurgau lange beschäftigt. Gerade auch Walter Schönholzer als für den Tierschutz verantwortlicher Regierungsrat:

«Der wahre Skandal ist, dass ein renitenter Bürger jahrelang allen Behörden auf der Nase hat herumtanzen können.»

Urs Martin lobt die unabhängige Untersuchungskommission, welche die Regierung eingesetzt hat, nachdem sie das Ausmass erkannt hatte.

Karin Bétrisey schwenkt auf die Weilerzonen um. Ein Raumplanungsproblem. «Der heisse Härdöpfel wurde lange herumgereicht», sagt die Raumplanerin.

Carmen Haag sagt, dass der Auftrag 2018 vom Bundesrat erneuert wurde. «Es ist eine ganz schwierige Aufgabe.» Das Problem sei, dass vieles in der Bauzone sei, was eigentlich nicht in der Bauzone sein dürfe. Betroffen seien rund 60 bis 80 Gemeinden. «Wir sind seit mehr als einem Jahr am Arbeiten – zusammen mit den Gemeinden.»

Bétrisey sagt, sie finde es schade, dass man nicht mit anderen Kantonen zusammenarbeite. «Zusammen wäre mehr möglich gewesen.» Sie findet, man hätte kämpfen müssen. «Eine Speziallösung für den Thurgau wäre möglich.»

Carmen Haag entgegen: «Wir haben mit dem Bund gesprochen.» Und das habe auch etwas gebracht. «Der Kanton Thurgau hat tatsächlich aufgrund seiner Siedlungsstruktur eine spezielle Herausforderung.»

19:42 Uhr

Nun geht es um den Rollenwechsel: Wer schafft es, vom Kantonsrat in die Rolle des Regierungsrats zu schlüpfen. Ueli Fisch betont, man habe immer seine Rolle. Er könne auch unangenehme Entscheide gegen aussen vertreten. «Es wäre ein grosser Wechsel - und zwar politisch.» Er gibt zu, auf sozialen Medien «etwas spitzig» unterwegs zu sein. Aber das könnte er ablegen.

Urs Martin sagt, er würde den Wechsel schaffen. Er habe über 60 Vorstösse gemacht während seiner 12 Jahren als Kantonsrat . Er würde gerne den Kanton als Regierungsrat weiterbringen.

Und die Grüne Karin Bétrisey, seit bald zwei Jahren im Grossen Rat? «Für mich wäre das ein Spaziergang», sagt sie. Sie habe schon seit Jahrzehnten Projekte, die sie in der Öffentlichkeit vorstellen dürfe. «Ich bin es gewohnt, mehrheitsfähige Lösungen zu finden», betont Bétrisey.

19:34 Uhr

Walter Schönholzer sagt, das wichtigste seien die Mitarbeiter – auch auf dem Weg zur digitalen Verwaltung. «Wenn wir die Leute nicht begeistern, wird die Digitalisierung scheitern», sagt der FDP-Regierungsrat.

Monika Knill nimmt Bezug auf die Bildung. Es gebe viele offene Fragen. «Wer schütz die Schüler?», fragt sie. Da sei man an einem schweizweit koordinierten Projekt dran. Das Tempo und die Klärung der Details von Datenschutz passen nicht zusammen.

Urs Martin sagt, dass teilweise die Menschen die Digitalisierung bremsen. So würden sich ältere Ärzte zum Beispiel gegen das elektronische Patientendossier wehren, weil sie sagen, sie werden sowieso bald pensioniert. Martin arbeitet für die Privatklinikgruppe Hirslanden.

19:30 Uhr

Mario Testa fragt nach dem Sparpotential beim Kanton. Ein weiteres Sparpaket will im Moment niemand schnüren. GLP-Kandidat Ueli Fisch findet, man müsse das Personalwachstum beim Kanton aber bremsen.

Cornelia Komposch sagt zum Stellenwachstum. Wir sind froh, dass wir ein schlanker Staat sind. Es müsse aber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut gehen. Die Anforderungen in den Ämtern würden grösser. Sie sieht auch Nachholbedarf. Sollte Fisch gewählt werden, müsse er seine Sicht revidieren.

«Ich würde in die Sicherheit investieren», sagt Sicherheitschefin Cornelia Komposch. Sie nennt die Polizei.

Urs Martin sagt, er habe Verwaltungsrevisionen im Militär gemacht. Da habe es sich gezeigt, dass man das gleiche effizienter machen kann. So würde er auch als gewählter Regierungsrat vorgehen.

Weiter verweist er darauf, dass wir in einer schwierigen wirtschaftspolitischen Lage sind. Er nennt die Leitzinssenkung des FED. «Wir müssen die Wirtschaft am Laufen halten.»

Walter Schönholzer sagt, ein Nein zur SVP-Begrenzungsinitiative am 17. Mai würde der Wirtschaft helfen. Verhaltener Applaus im Publikum.

Carmen Haag (CVP) sagt, es gehe nicht immer ums Geld. «Manchmal fehlt es am politischen Willen.»

Kartin Bétrisey sagt, sie merke, dass die Leute in den Ämtern an der Belastungsgrenze seiend. Als Raumplanerin hat sie mit Gemeinden und Kantonen zu tun. «Ich habe überhaupt nicht den Eindruck, dass es zu viele Leute hat.» Ueli Fisch findet, es brauche den Blick von aussen.

19:19 Uhr

Urs Martin sieht bezüglich Corona-Virus ein Problem. Er findet die angeordneten Massnahmen angebracht. Auch die Absage von Veranstaltungen.

Carmen Haag sagt, sie habe immer noch den Reflex des Händeschüttelns. Sie gibt die Frage an Cornelia Komposch weiter, als DJS-Chefin auch Chefin des kantonalen Führungsstabes. Sie sagt, es gebe bisher 81 Verdachtsfälle im Thurgau, acht seien in Quarantäne. Einen bestätigten Fall gib es bisher nicht.

Die Hotline laufe heiss. Es gebe viele Fragen aus der Bevölkerung.


Karin Bétrisey, die Kandidatin der Grünen, sieht in jedem Departement Handlungsbedarf. Als Raumplanerin sei für sie das DBU am attraktivsten.

Ueli Fisch gibt zu verstehen, dass er nicht wahlkampfmüde sei. "Ein Exekutivamt hat mich vor vier Jahren gereizt und tut es noch immer." Das Department für Finanzen und Sozialen bezeichnet er als spannend. Es ist das Departement, welches Regierungsrat Jakob Stark hinterlässt.

Urs Martin ist mit 41 Jahren der jüngste Kandidat. Als neuer Regierungsrat würde er jedes Departement nehmen. Er kämpfe darum, überhaupt eines zu erhalten...

19:10 Uhr

Ist SVP-Mann Urs Martin der Lieblingskandidat von SP-Regierungsrätin Cornelia Komposch? Sie sagt: Die SVP vertrete nicht ihre Positionen.

Bezüglich Departementswechsel lässt sich Carmen Haag wenig Neues entlocken: Das entscheide die Regierung nach den Wahlen. Bei Cornelia Komposch tönt es eher danach, dass sie gerne das Departement für Justiz und Sicherheit behalten will. Monika Knill sagt, sie stehe immer noch jeden Morgen gerne auf. Auch so tönen nicht unbedingt Wechselgelüste. «Es ist ein Mannschaftssport», sagt sie über die Regierungsarbeit. Fakt ist: Sie dürfte wählen - als Dienstälteste. Es komme auf die Transfersumme an, witzelt sie.

Walter Schönholzer sagt, er sei voll angekommen. Viele Themen, die ihm Spass machen. Er bezeichnet das Amt als Privileg mit vielen spannenden Themen.

19:00 Uhr

Das Podium beginnt: Mario Testa begrüsst das Publikum und stellt die sieben Kandidaten vor. Einige Kantonsräte wurden im Publikum gesichtet. Ueli Fisch (GLP) und Urs Martin (SVP) teilen sich einen Tisch. Karin Bétrisey (GP) steht neben Regierungsrat Walter Schönholzer (FDP). Bétrisey hatte gestern Geburtstag, sie ist 49 Jahre alt. Herzliche Gratulation! Das Podium dauert rund eine Stunde, dann ist das Publikum an der Reihe, um den Kandidaten Fragen zu stellen. Gute Unterhaltung wünscht ihnen TZ-Redaktor Sebastian Keller am Ticker-Tisch.

18:50 Uhr

Alle Besucher werden erfasst - wegen des Corona-Virus

Auch Regierungsrätin Carmen Haag muss sich in der Liste eintragen. Eine Vorsichtsmassnahme wegen dem Corona-Virus.

Auch Regierungsrätin Carmen Haag muss sich in der Liste eintragen. Eine Vorsichtsmassnahme wegen dem Corona-Virus.

18:48 Uhr

Gaste wärmen sich mit Gesprächen auf...

Besucherinne und Besucher des TZ-Podiums in Frauenfeld.

Besucherinne und Besucher des TZ-Podiums in Frauenfeld.

18:44 Uhr

Alle Kandidatinnen und Kandidaten sind eingetroffen. Sie werden nun mit Mikrofonen ausgerüstet. Am 19 Uhr beginnt Moderator Mario Testa mit der ersten Frage. GLP-Kandidat Ueli Fisch ist extra für das Podium aus den Ferien angereist; er weilt diese Woche in Scuol. Nach dem Podium fährt er direkt wieder zurück in die Ferien.

18:15 Uhr

Zuerst werden Würste gereicht...

Die Würste werden offeriert.

Die Würste werden offeriert.

Auch Wahlbeilagen der TZ liegen bereit.

Auch Wahlbeilagen der TZ liegen bereit.

Die Stühle stehen bereit.

Die Stühle stehen bereit.

18:14 Uhr

Am Sonntag in einer Woche sind im Thurgau Wahlen. Erstmals werden Parlament und Regierung gleichentags gewählt - der erste Super-Wahltag steht also praktisch vor der Tür. Am heutigen Abend konzentrieren wir uns auf die Regierungsratswahlen. Die Thurgauer Zeitung hat zum Podium nach Frauenfeld ins Rathaus eingeladen.

Das Podium und die Wahl versprechen Spannung. Für die fünfköpfige Thurgauer Kantonsregierung kandidieren sieben Personen - vier bisherige und drei neue. Jakob Stark (SVP) tritt nicht mehr an - er wurde am 20. Oktober für den Kanton Thurgau in den Ständerat gewählt. Bis Ende Mai übt er das kantonale und das nationale Mandat nebeneinander aus. Er ist derzeit auch amtierender Regierungsratspräsident. Den Wahlkampf um seine Nachfolge kann er entspannt mitverfolgen - wie Sie, liebe Leserinnen und Leser.

Folgende Personen wollen weiterhin oder neu im Thurgauer Regierungsrat mitarbeiten. Und sie stehen auf dem Podium, das TZ-Redaktor Mario Testa moderiert.

  • Monika Knill (SVP, Alterswilen, seit 2008 im Regierungsrat)
  • Carmen Haag (CVP, Stettfurt, 2014)
  • Cornelia Komposch (SP, Steckborn, 2015)
  • Walter Schönholzer (FDP, Neukirch an der Thur, 2016)
  • Karin Bétrisey (Grüne, Kesswil, neu)
  • Ueli Fisch (GLP, Ottoberg, neu)
  • Urs Martin (SVP, Romanshorn, neu)
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