Kleinbrauereien in der Region Frauenfeld brauen noch wie zu Miraculix’ Zeiten

Brauereien wie die Elementbrauerei in Pfyn und das Schlossbier in Hüttlingen-Mettendorf zeigen ihr Handwerk. Es ist fernab von jenem von Grossbrauereien.

Manuela Olgiati
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Barbara und Marco Gaggia produzieren in ihrem Maischekessel Bier vor allem für ihren Freundeskreis.

Barbara und Marco Gaggia produzieren in ihrem Maischekessel Bier vor allem für ihren Freundeskreis. 

(Bild: Manuela Olgiati)

Im Garten von Barbara und Marco Gaggia wachsen Kräuter und Gemüsesetzlinge. Kein Hopfen. Nebst dem Gärtnern hat das Ehepaar aus Pfyn ein weiteres Hobby. Bierbrauen in der eigenen Elementbrauerei ist ihre Passion. Dazu braucht es Wasser, weitere Zutaten beziehen die Gaggias von Lieferanten. «Wir brauen handwerklich, ohne elektronische Steuerung», sagt Marco Gaggia. In den Genuss von Pfyner Bier aus Fässern kommen primär ihre Freunde.

Eines Tages wollen die beiden ihr Hobby zum Beruf machen. Der gelernte Elektromonteur arbeitet noch als Informatiker. Barbara Gaggia ist gelernte Köchin. Das Ehepaar stellt Bier nach den Grundregeln der alten Bierbraukunst in kleinen Mengen selber her. Vom natürlichen Brauvorgang sind die beiden fasziniert.

Mit gutem Riecher den Kindheitstraum erfüllt

Früher brauten nämlich die Frauen, auch Mönche in Klöstern. Einer Legende nach wird erzählt, dass dem Bier vor einer Schlacht noch Pilze beigemischt wurden, um den Männern Mut zu machen. Sie sagt:

«Der Zaubertrank von Druide Miraculix aus Asterix und Obelix dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach ein Bier gewesen sein.»

Die Gaggias haben neben ihrem Wohnhaus einen Raum mit Braukessel und Zubehör eingerichtet. Im Moment steht die Anlage still. Ein technischer Defekt muss behoben werden. Die Zeit des Wartens nutzt das Paar für kreative Ideen. Das Brauen erfordere Geduld, sagt er und verlässt sich dabei auch auf den Geruchssinn seiner Nase.

Für ihn ist das Bierbrauen ein Kindheitstraum. Er wuchs in Zürich neben einer Brauerei auf und wusste schon mit 14 Jahren, dass er Brauer werden möchte. Die Eltern waren dagegen. Seine Neugier für die Braukunst ist geblieben. Seine Familie schenkte ihm ein Brauset. Damit setzte er 30 Liter Bier auf. Das reichte jedoch nicht für alle Bierliebhaber. Gaggia nahm an Braukursen teil und eröffnete 2005 die Elementbrauerei.

Zwei Freunde brauen im ehemaligen Bahnhofsgebäude

Eine weitere Kleinbierbrauerei in der Region Frauenfeld gibt’s mit dem Schlossbier beim Bahnhof Hüttlingen-Mettendorf, das von Alex Schwarz und seinem Kollegen Manuel Hollenstein ebenso als Hobby betrieben wird. Die beiden schalten ab und zu einen Brautag ein. Ein solcher dauere acht Stunden. «Genauso wie das Prozedere des Brauens kommt alles zu seiner Zeit», sagt Schwarz. Bis das Bier genussfertig ist, wird es rund acht Wochen gelagert.

Die Schlossbierbrauerei im ehemaligen Bahnhofsgebäude von Hüttlingen-Mettendorf.

Die Schlossbierbrauerei im ehemaligen Bahnhofsgebäude von Hüttlingen-Mettendorf.

(Bild: Manuela Olgiati)

Schlossbier hat nach einem Braukurs im Jahr 2008 gestartet. Die Brauer verfeinerten das Bier und produzieren heute ein ungefiltertes helles Lagerbier. Jeder Arbeitsschritt, vom Anrühren des Sudes bis zum Etikettieren der Flaschen, erfolge von Hand, sagt Schwarz.

Dabei verwenden die beiden auserlesene Zutaten wie Gerste, Wasser, Hopfen und Malz. Bis endlich wieder ein Sud aufgesetzt werden kann, hecken die Bierbrauer Rezeptideen aus. «Gekühlt ist das Bier ein Durstlöscher», sagen die Erfinder. Die Qualität des Schlossbieres zeige sich idealerweise von gelb bis golden glänzend, und das Hopfenaroma sei ausgeprägt.

Warten auf das Wartehäuschen

HÜTTLINGEN. Seit bald zwölf Jahren rechnet Hüttlingen mit neuen Wartehäuschen am Bahnhof. Mit einer Einsprache beim Bundesamt für Verkehr macht der Gemeinderat nun Druck. Doch die SBB wissen nichts von einer Zusage.
Stefan Hilzinger