Klassischer Stoff im Hip-Hop-Kleid mit Kreuzlingerin in der Hauptrolle

Cyrano ist Rapper und Roxane eine selbstbewusste junge Frau. In der modernen «Cyrano de Bergerac»-Verfilmung «Das schönste Mädchen der Welt» stellt die Kreuzlingerin Luna Wedler erneut ihr Talent und ihr natürliches Charisma unter Beweis.

Regina Grüter
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«Ich liebe dich, bin toll, verrückt, von Sinnen; Zum Glockenspiele machtest du mein Herz», heisst es im Versdrama «Cyrano de Bergerac» von Edmond Rostand – und in der wohl bekanntesten und besten Verfilmung mit Gérard Depardieu, der nur in Alexandrinern spricht. Man erinnert sich vielleicht noch an «Der letzte Musketier» mit José Ferrer und Steve Martin mit Wahnsinnszinken in der Komödie «Roxanne».

«Coolste Braut überhaupt, du musst niemandem gefallen; Fliegst in meine Atmosphäre mit nem riesigen Knall», heisst es in «Das schönste Mädchen der Welt», der neusten Verfilmung des 121 Jahre alten Stoffs mit dem Schweizer Shootingstar Luna Wedler in der Hauptrolle.

Roxy hat Power­ und Charakter

Abgesehen von Wedler ist die Teenagerkomödie ein durch und durch deutscher Film – es ist die erste Rolle der 18-Jährigen in einer ausländischen Produktion. Sie ist also Roxy, «das schönste Mädchen der Welt», das Lars Kraume («Der Staat gegen Fritz Bauer») in seinem Drehbuch mit wesentlich mehr Power und Charakter ausgestattet hat als Rostand seine Roxane. Die Rap-Zeilen stammen von Cyril (Aaron Hilmer), der wegen seiner grossen Nase von seinen Mitschülern gemobbt wird. Auf Klassenfahrt nach Berlin geht er deshalb nur widerwillig mit; da muss ihm seine Mutter (Anke Engelke) schon einen gehörigen Schubs geben. Davon, dass er, das Gesicht hinter einer goldenen Maske versteckt, die Battle-Rap-Szene gehörig aufmischt, weiss niemand.

Rap und Graffiti: Luna Wedler und Aaron Hilmer als modernes Roxane-Cyrano-Paar. (Bild: Impuls)

Rap und Graffiti: Luna Wedler und Aaron Hilmer als modernes Roxane-Cyrano-Paar. (Bild: Impuls)

Roxy liefert sich derweil ein wüstes Wortgefecht mit ihrem Vater, der sie, eben vom englischen Internat geflogen, vor dem Car mit ihrer neuen Klasse absetzt. «Mit nem riesigen Knall» also lässt sich Roxy in den Sitz neben Cyril fallen, und die beiden verstehen sich auf Anhieb; sie haben denselben Humor, lieben dieselbe Musik. Äusserlichkeiten scheinen dieses Mädchen nicht davon abzuhalten, den Aussenseiter zu mögen.

Schweizer Filme und europäische Fernsehserie

Mit ihrer coolen, selbstbewussten Art nimmt sie auch die anderen Klassenkameraden sofort für sich ein. Als sich Roxy einer Verwechslung zufolge in den schönen, aber geistig minderbemittelten Rick verguckt, hilft Cyril dem Liebesglück mit seiner Wortkraft auf die Sprünge. Denn Gefahr droht von Benno (Youtube-Star Jonas Ems), der Roxy zu unlauteren Zwecken ins Bett kriegen will.

Regie führte Komödienspezialist Aron Lehmann («Die letzte Sau»). Hier ist der Humor zuweilen ziemlich derb – Heike Makatsch als überdrehte Lehrerin eingeschlossen. Die einzig wohltuend Normalen in diesem abgefahrenen Zirkus sind tatsächlich Roxy und Cyril. Und die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt; sie sind glaubwürdig, auch in den Rap-Parts, und vermitteln die einfache, aber wichtige Botschaft an das junge Zielpublikum.

Und Luna Wedler stellt erneut ihr natürliches Charisma unter Beweis und zeigt, dass sie den Schweizer Filmpreis für «Blue My Mind» nicht umsonst bekommen hat. Sie studiert zurzeit an der European Film Actor School in Zürich und wird als Nächstes in den Schweizer Filmen «Der Läufer» von Hannes Baumgartner und in «Beast» von Lorenz Merz zu sehen sein. Auch ist sie Teil des Casts der europäischen TV-Krimiserie «Das Team».

NACHWUCHSHOFFNUNG: Ein kometenhafter Aufstieg

Die erst 18-jährige Schweizer Schauspielerin Luna Wedler wird als European Shooting Star ausgezeichnet. Mit diesem Preis haben einst Stars wie Daniel Craig ihre Karriere lanciert.
Lory Roebuck, Berlin