Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Salt plant Handyantenne direkt neben Steckborner Chindsgi +++ Anwohner und Stadt blasen zur Gegenwehr

Am Buchenweg 1 in Steckborn direkt neben einem Kindergarten will Mobilfunkbetreiber Salt eine Mobilfunkantenne bauen. Der Stadtrat stellt sich hinter die Anwohner, die sich Sorgen machen und zur Wehr setzen.
Samuel Koch
Auf dem Dach des Wohnhauses neben dem Kindergarten Zelgi ist eine Mobilfunkantenne geplant. (Bild: Andrea Stalder (Februar 2018))

Auf dem Dach des Wohnhauses neben dem Kindergarten Zelgi ist eine Mobilfunkantenne geplant. (Bild: Andrea Stalder (Februar 2018))

Der Gegenwind frischt auf. Monatelang war es ruhig um die Pläne des Mobilfunkbetreibers Salt. Nun hat dieser bei der Stadt Steckborn ein zweites Baugesuch für den Bau einer Handyantenne auf dem Dach eines Wohnhauses am Buchenweg 1 eingereicht. Seit vergangenem Freitag liegt es bei der Bauverwaltung öffentlich auf. Pikant: Der Standort befindet sich inmitten der Wohnzone, wenige Meter nebenan gehen die Jüngsten tagein, tagaus in den Kindergarten.

Das erste Baugesuch lehnte der Stadtrat im vergangenen Sommer ab. Nicht etwa wegen der Sammelklage von Anwohnern mit Hunderten Unterschriften, sondern weil Salt im sogenannten Standortdatenblatt einen formellen Fehler machte. Darin sind die Strahlengrenzwerte laut schweizweiter Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) geregelt.

Angst vor Wertverlust von Liegenschaften und 5G

Nun hat Salt seine Eingabe überarbeitet und das Baugesuch erneut eingereicht. Keine 24 Stunden später folgt die Reaktion der Anwohner, die ihre schriftliche Einsprache – adressiert an die Bauverwaltung und den gesamten Stadtrat – in den sozialen Medien publizierte. «Es gibt keinen Grund für eine weitere Antenne inmitten eines Wohngebiets», sagt Andreas Sieber, Absender des Briefs. Mit der neu gegründeten «IG gesunder Mobilfunk Steckborn», in welcher weitere Anwohner vertreten sind, sammelt Sieber nun Unterschriften.

Ärger gibt’s vielerorts

«Anwohner versus Mobilfunkbetreiber», heisst es auch in vielen anderen Gemeinden. So ging im vergangenen August bei der Stadtverwaltung Diessenhofen eine Klage mit rund 350 Unterschriften gegen Swisscom ein, die auf einer Lagerhalle an der Ziegeleistrasse eine Mobilfunkantenne errichten will. Weil die Stadt das Swisscom-Gesuch bewilligte, rekurrierten Anwohner beim Kanton, der sich derzeit mit dem Fall beschäftigt. Ähnlich zeigt sich die Opposition in Niederneunforn. Dort haben sich Gegner einer geplanten Salt-Antenne zur Gruppe «Stop-Elektrosmog Neunforn» zusammengeschlossen. (sko)

Nebst der bereits guten Abdeckung von Mobilfunknetzen in Steckborn führen die Gegner den Standort direkt neben dem Kindergarten, die Gefahr zunehmender Strahlung durch die neue Technologie 5G oder den Wertverlust der umliegenden Liegenschaften ins Feld. Die Anwohner seien nicht grundsätzlich gegen Mobilfunk. «Ich habe keine Angst vor Strahlung, sondern würde mich eher als technophil bezeichnen», sagt Sieber, für den Mobilfunkantennen eine gewisse Anziehungskraft ausstrahlen.

Gefahr des Verstosses gegen übergeordnetes Recht

«Ich habe keine Angst vor Strahlung, sondern würde mich eher als technophil bezeichnen», sagt Sieber, für den Mobilfunkantennen eine gewisse Anziehungskraft ausstrahlen.

Rückenwind erhalten die Anwohner aus der Stadtverwaltung. Stadtpräsident Roger Forrer meint:

«Wir werden vermutlich auch das zweite Baugesuch ablehnen, weil bisher keine neuen Beweise vorliegen, dass Strahlen von Antennen in Wohnzonen nicht schädlich sind.»

Weil die Stadt den Schutz der Bevölkerung höher gewichtet als das wirtschaftliche Interesse, hätte sie bereits das erste Baugesuch von Salt abgelehnt, unabhängig des Formfehlers.

Roger Forrer, Stadtpräsident Steckborn. (Bild: Donato Caspari)

Roger Forrer, Stadtpräsident Steckborn. (Bild: Donato Caspari)

Sollte die Stadt auch das zweite Baugesuch ablehnen, läuft sie Gefahr, gegen übergeordnetes Recht des Bundes zu verstossen, weshalb sie in allfälligen Rekursverfahren gegen Salt womöglich unterliegen würde. Jetzt wartet die Stadt zunächst die Einsprachefrist bis 21. März ab. «Dann schauen wir, wie viele Einsprachen eingegangen sind und thematisieren das Baugesuch erneut im Stadtrat», sagt Forrer.

Klar ist, dass er die Anliegen der Bevölkerung ernst nehmen will. Mit der betroffenen Liegenschaftseigentümerin, die in Zürich wohnt und der Salt-Antenne zustimmte, sowie mit Salt selbst, steht die Stadt jedenfalls nicht in Kontakt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.