Klar Schiff für den Abriss eines Teiles des Diessenhofer Schulanlage Zentrum

Die Volksschulgemeinde Region Diessenhofen darf den 50er-Jahre-Trakt im Zentrum für einen Neubau abbrechen. Eine Mehrheit der Schulbürger stellt sich hinter die Behörde, für die eine Sanierung der falsche Weg ist.

Stefan Hilzinger
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Der 50-Jahre-Bau in der Schulanlage Zentrum kommt früher oder später weg.(Bild: Andrea Stalder)

Der 50-Jahre-Bau in der Schulanlage Zentrum kommt früher oder später weg.(Bild: Andrea Stalder)

Eine strenge Lehrerin hätte wohl nicht soviel Nachsicht gezeigt und die Drei in der vierten Reihe zur Ruhe ermahnt. Doch das Getuschel des Trios zog sich über beinahe eine Stunde hin. In dieser Zeit erklärten Behördenmitglieder und Experten den Schulbürgern der Volksschulgemeinde Region Diessenhofen (VSGDH), warum es im Schulhaus Zentrum einen Neubau braucht – und warum deswegen ein Teil der Schulbauten abgerissen werden soll.

Schulpräsident Jörg Sorg.

Schulpräsident Jörg Sorg.

124 Stimmberechtigte aus den Gemeinden Diessenhofen, Basadingen-Schlattingen und Schlatt waren am Mittwochabend in die Rhyhalle gekommen, um über den Abbruch zu entscheiden. Die erste ausserordentliche Versammlung der VSGDH überhaupt. «Wir wollen jetzt Klarheit schaffen darüber, was schon lange klar ist», sagte Schulpräsident Jörg Sorg, nämlich, dass es der pädagogisch und wirtschaftlich beste Weg sei, im Zentrum einen Neubau für die Mittelstufe zu erstellen.

Sanierung nur unter Auflagen

Geänderte Anforderungen an die Schule und die Umsetzung des neuen Lehrplans benötigen Raum, der in den Bauten aus dem 50er-und 80er-Jahren so nicht realisiert werden kann, sagte Schulleiter Urs Steinacher. Namentlich erwähnte er Gruppenräume, Zimmer für Logopädie, Förder- und Stützunterricht sowie eine Aula, die 300 Schulkindern ausreichend Platz bietet.

Das alte Schulhaus Zentrum steht nicht zur Disposition. Hier wird weiterhin die Unterstufe unterrichtet. Der Bau von Albert Brenner und Walter Stutz datiert aus dem Jahr 1910. (Bild: Nana do Carmo).

Das alte Schulhaus Zentrum steht nicht zur Disposition. Hier wird weiterhin die Unterstufe unterrichtet. Der Bau von Albert Brenner und Walter Stutz datiert aus dem Jahr 1910. (Bild: Nana do Carmo).

«Nach Schlatt und Basadingen-Schlattingen ist nun der Schulstandort Diessenhofen an der Reihe», sagte Hans-Rudolf Stör, der in der Behörde für die Immobilien verantwortlich ist. Klar sei, dass das alte Schulhaus Zentrum aus der Zeit um 1910 stehen bleibe und weiterhin für die Unterstufe genutzt werde, doch für die Mittelstufe soll ein Neubau her. Der Sanierungsbedarf sei bei den jüngeren Bauten zu hoch. Und wenn saniert werde, müssten zusätzliche Anforderungen betreffend Ökologie, Sicherheit und Brandschutz eingehalten werden.

Die Zahlen dazu lieferte der Bauexperte Martin Frey vom Büro Comunas, der im Auftrag der Behörde die Wirtschaftlichkeit von Sanierung und Ersatzneubau berechnet und verglichen hatte. Die Investitionen lägen bei einer Sanierung von geschätzt 13,07 Millionen Franken zwar knapp 300000 Franken unter dem Betrag für einen Neubau (13,37 Millionen). Doch die jährlichen Betriebskosten seien bei einer Sanierung deutlich höher: Bei einer Betriebsdauer von 25 Jahren sind dies jährlich 230000 Franken mehr, bei 50 Jahren 171000 Franken mehr. «Ein Neubau bietet langfristig deutliche Kosteneinsparungen», sagte Frey.

Projekte nicht mit gleicher Elle gemessen?

In der Diskussion stellten sich Thomas Burkhardt und Stadtrat August Keller aus den Reihen der CVP gegen die Schulbehörde. Burkhardt meinte, ein Neubau wäre auch andernorts möglich, ohne die Gebäude im Zentrum abbrechen zu müssen. Er liess die Befürchtung durchblicken, die Behörde könnte mit Abbrechen beginnen, bevor der Neubau bewilligt sei. «Es ist sonnenklar, das dies nicht geschieht», entgegnete Behördenmitglied Stör. Und:

«Es gibt keine valable Alternative zum Standort Zentrum».

Keller bemängelte, dass die Variante Sanierung nicht gleich weit ausgearbeitet sei, wie die Variante Neubau, sodass die Varianten nicht wirklich vergleichbar seien. Er schlug vor, dass die Behörde eine Arbeitsgruppe aller Interessengruppen einsetze, und die Angelegenheit nochmals prüfen soll. Schulpräsident Sorg verwies auf die jahrelange Vorarbeit seit 2011 und die ausführlichen Informationen seitens der Schulbehörde. Sorg meinte abschliessend an die Adresse der Kritiker:

«Irgendwann wird es albern.»

Eine ältere Votantin kritisierte die «einstündige Promotion mit Horrorbildern vom baulichen Zustand» als einseitig und brachte eine sanfte Renovation ins Spiel. Ein 18-jähriger Jungbürger sagte in der Folge: «Ich stimme der Behörde absolut zu. Der Zustand der Schulbauten war schon vor sechs Jahren schlimm, als ich dort noch zur Schule ging.»

Jungbürger erntet viel Applaus

Der lautstarke Applaus auf das Votum des Jungbürgers nahm das Resultat der Schlussabstimmung voraus: 99 der 124 Schulbürger stimmten dem Antrag zu, die Schulbauten zu Gunsten eines Ersatzneubaus abzubrechen.

Kredit kommt nun an die Urne

Ein Neubauprojekt namens «Janus» hatte die Diessenhofer Schulbehörde im Rahmen eines Architekturwettbewerbes ausgewählt und Anfang Jahr präsentiert. Der Planungs- und Baukredit hätte alsbald zur Abstimmung gebracht werden sollen. Dem Kredit für den Wettbewerb hatten die Schulbürger Anfang 2017 bewilligt. Die für den Abbruch vorgesehenen Schulbauten stammen aus dem Jahr 1959 respektive 1986.
Gegen den Abriss des Gebäudes des Diessenhofer Architekten Peter Bachmann hatte sich anfänglich die Stadtgemeinde gewehrt. An der turbulenten Rechnungsversammlung im Frühling kam Zweifel auf, ob Abriss und Ersatzneubau wirklich die beste Lösung sei, worauf die Schulbehörde auch eine Sanierung prüfen lies und eine ausserordentliche Versammlung anberaumte.
Nach dem Ja zum Abriss folgt im Laufe des nächsten Jahres eine Urnenabstimmung über Planungs- und Baukredit. (hil)